Gleichstellungsindex: Gleichstellung in EU-Ländern im Vergleich Infografik

Die Gleichstellung der Geschlechter kommt in den EU-Mitgliedstaaten nur im Schneckentempo voran. Mit 66,9 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den zwölften Platz. Der europaweite Wert für die Gleichstellung der Geschlechter liegt bei 67,4 und hat sich seit 2017 nur um einen Punkt erhöht.

Der kürzlich veröffentlichte Gleichstellungsindex des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen (EIGE) zeigt, dass trotz der Errungenschaften der letzten Jahrzehnte und der Maßnahmen der EU-Kommission die Fortschritte bei effektiver Gleichstellung nur sehr langsam vorankommen. "Wir bewegen uns in die richtige Richtung, sind aber immer noch weit vom Ziel entfernt," meint Virginija Langbakk, Direktorin des EIGE. Der Index zeige, dass fast die Hälfte aller Mitgliedstaaten unter die 60-Punkte-Marke falle. Langbakk fordert deshalb, dass das Thema wieder stärker in den Fokus der EU-Politik rückt.

Schweden an der Spitze

Spitzenreiter innerhalb der EU ist mit 83,6 Punkten Schweden. An zweiter Stelle steht Dänemark mit 77,5 Punkten. Griechenland und Ungarn haben den größten Aufholbedarf: Beide Länder liegen unter 52 Punkten. Mit einem Plus von 3,9 Punkten hat Portugal den größten Sprung gemacht, dicht gefolgt von Estland, das sich um 3,1 Punkte verbessern konnte. Mit 66,9 von 100 Punkten belegt Deutschland im EU-Gleichstellungsindex den zwölften Platz.

Woran die Gleichstellung in Deutschland noch hapert

Deutschland schneidet vor allem im Bereich Bildung schlecht ab. Hier liegt der Wert bei 53,7 und belegt damit Platz 24 in der EU. Im Gegensatz zu den meisten Mitgliedstaaten ist der Anteil der weiblichen Hochschulabsolventen niedriger als der Anteil der männlichen Hochschulabsolventen (20 Prozent gegenüber 28 Prozent). Die ungleiche Konzentration von Frauen und Männern in verschiedenen Studiengängen stellt für Deutschland nach wie vor eine Herausforderung dar. Etwa 41 Prozent der weiblichen Studierenden gegenüber 17 Prozent der männlichen Studierenden belegen ein Studienfach im Bereich Bildung, Gesundheit und Soziales oder Geisteswissenschaften und Kunst.

Trotz der Zunahme des mittleren Monatseinkommens sowohl bei Frauen (+ 13 Prozent von 2006 bis 2014) als auch bei Männern (+ 12 Prozent) besteht das Geschlechtergefälle im direkten Vergleich weiter: Frauen verdienen 22 Prozent weniger als Männer. 

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im Fokus

Besonderes Augenmerk des diesjährigen Index liegt auf der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und deren Relation zur Geschlechtergleichstellung. Elternurlaub beziehungsweise Elternzeit ist eine der wichtigsten politischen Maßnahmen zur Unterstützung von Eltern, die Betreuungsaufgaben mit ihrer Arbeit in Einklang bringen müssen. Jedoch können nicht alle davon Gebrauch machen: 28 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer in der EU haben keinen Anspruch auf Elternurlaub.

Der Zugang zu bezahlbarer und hochwertiger Kinderbetreuung ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, wobei nicht nur Kinder betreut werden müssen. In der EU gibt es immer mehr ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, sodass der Bedarf an Langzeitpflegedienstleistungen für diese Personengruppen steigt. Den Löwenanteil an informeller Langzeitbetreuung übernehmen in der EU Frauen im Vorruhestandsalter. Vor allem in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen ist der Unterschied deutlich: 21 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer kümmern sich mindestens mehrere Tage pro Woche um ältere Menschen oder um Menschen mit Behinderungen.

Der EU-Gleichstellungsindex

Der Index misst die Gleichstellung der Geschlechter in den EU-Mitgliedstaaten und macht Bereiche sichtbar, die verbessert werden müssen. Neben den sechs Kernbereichen (Arbeit, Einkommen, Bildung, Zeit, Macht und Gesundheit) wurden auch die Themen Gewalt gegen Frauen und überschneidende Ungleichheiten untersucht. 


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