Dienstfahrrad: Welche Leasing-Modelle es gibt

Über eine halbe Million Arbeit­nehmer nutzen betriebliche Leasing-Angebote für ihr Fahr­rad. Insbesondere E-Bikes verdrängen das Status­symbol Dienst­wagen auf dem Weg zur Arbeit. Wir zeigen, welche Leasing-Modelle es gibt und was beim Fahrradleasing zu beachten ist. 

Hätte Karl Freiherr von Drais es nicht schon bereits vor etwas mehr als 200 Jahren erfunden: Spätestens jetzt, in Zeiten der Klimakrise, verstopfter Innenstädte, Parkplatznot und Bewegungsmangel wäre der richtige Moment, ein Fahrrad als preisgünstiges, praktisches und nachhaltiges Verkehrsmittel zu konstruieren.

Insbesondere für den Weg zur Arbeit werden Fahrräder immer wichtiger; seit einigen Jahren erkennen auch viele Unternehmen und HR-Verantwortliche das Potenzial eines per Entgeltumwandlung finanzierten Velos als Mitarbeiter-Benefit. Dr. Lars Jungemann, Leiter Labour Relations, Compensation & Benefit bei der Hypovereinsbank, kann das bestätigen: "Das Dienstrad ist eines von mehreren Elementen in unserem Benefit Package. Es hilft uns beim Recruiting von Fach- und Führungskräften und passt perfekt zum Nachhaltigkeitskonzept der Hypovereinsbank."

Die Geschichte des Dienstrads beginnt in Freiburg

Den Weg für das Erfolgsmodell Dienstrad geebnet hat in Deutschland Ulrich Prediger, leidenschaftlicher Fahrradfahrer und Ecopreneur. Es war im Jahr 2008, Prediger arbeitete noch bei einer Freiburger Medizintechnikfirma, hatte einen Dienstwagen, nutzte diesen aber nicht. Er wünschte sich stattdessen von seinem damaligen Chef ein Dienstfahrrad. "Geht nicht!", sagte der Chef. "Wirklich nicht?", fragte sich Prediger. Er kündigte, setzte alles auf die Dienstradkarte und gründete das Unternehmen und die Marke "Jobrad".

Finanzbehörden weiten Steuervorteil auf Dienstfahrräder aus

Sein Ziel: Das Dienstfahrrad als gleichwertige Alternative zum Dienstwagen zu etablieren. Gemeinsam mit befreundeten Fahrradverbänden wie VCD und ADFC kämpfte er dafür, machte Lobbyarbeit und hatte Erfolg: Im Herbst 2012 beschlossen die obersten Finanzbehörden, den Steuervorteil vom Dienstwagen auf Fahrräder, Pedelecs und E-Bikes auszuweiten. Der Arbeitnehmer musste damals noch ein Prozent des Listenpreises des Fahrrads als geldwerten Vorteil für die private Nutzung versteuern. Für die zurückgelegten Kilometer fällt, anders als beim Dienstwagen, keine weitere Versteuerung an. 

Politik fördert zunehmend die dienstliche Fahrradmobilität

Ab diesem Zeitpunkt beginnt ein richtiger Dienstrad-Boom – auch die Politik in Berlin erkennt das Potenzial der Fahrradmobilität und fördert Dienstfahrräder und -Pedelecs, die per Gehaltsumwandlung genutzt werden, immer stärker. Seit Januar  2020 gilt für alle Fahrräder, die ab dem 1. Januar 2019 erstmals vom Arbeitgeber per Gehaltsumwandlung überlassen wurden, dass der geldwerte Vorteil der günstigeren Fahrradüberlassung nur noch mit 0,25 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung des Fahrrads zu versteuern ist. 

Steuerfreie Dienstradvariante seit 2019

Die zweite neue Dienstradvariante, die Arbeitgeber seit 2019 ihren Angestellten anbieten können, ist steuerfrei: Überlässt ein Arbeitgeber einem Arbeitnehmer ein Dienstrad zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn (§ 3 Nr. 37 EstG), entfällt die Versteuerung des geldwerten Vorteils. Diese steuerliche Regelung gilt seit 2019 für Fahrräder und Pedelecs (Motorunterstützung bis 25 km/h). "Für Unternehmen, die Fachkräfte mit einem Top-Incentive locken wollen, oder für tarifgebundene Unternehmen ist das Modell Jobrad als Gehaltsextra interessant", sagt Robert Böhme, Bereichsleiter Vertrieb bei Jobrad. Derzeit nutze aber aber noch die Mehrheit eine Gehaltsumwandlung für Diensträder.

Vorteile des Dienstrad-Leasings

Das Unternehmen Jobrad organisiert heute für mehr als 20.000 Unternehmen und Institutionen Dienstrad-Leasing, darunter finden sich Arbeitgeber wie Bosch, Deutsche Bahn, SAP sowie die Hypovereinsbank, bei der Jungemann angestellt ist. Damit haben ungefähr zwei Millionen Beschäftigte die Möglichkeit, ein Dienstrad über den Anbieter Jobrad zu nutzen. Der Marktführer Jobrad ist jedoch längst nicht mehr der einzige Player in diesem boomenden Markt. Gut ein Dutzend weitere Mobilitätsunternehmen bieten Dienstrad-Leasing an, darunter Bikeleasing Service, Business Bike, Company Bike Solution und Eurorad ( hier finden Sie eine Marktübersicht der Dienstrad-Leasing-Anbieter). 

Schaut man sich die Dienstrad-Leasing-Vorteile an, ist es kein Wunder, dass so viele Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Angebot machen: Im Wettbewerb um Fachkräfte sind sie mit diesem attraktiven Benefit immer eine Radlänge voraus, Dienstrad-Leasing ist für Arbeitgeber in der Regel kostenneutral, Arbeitnehmer sparen deutlich gegenüber dem Direktkauf, die Prozesse sind automatisiert, der Aufwand für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist minimal. Dazu kommt, dass Radpendler laut Studien seltener krank sind; auf Kurzstrecken sind sie schneller als mit jedem anderen Verkehrsmittel, sie entlasten die Firmenparkplätze und schützen außerdem Natur und Umwelt. Und auch ein ganz aktuelles Problem ist gelöst: Allzu nahe Virenkontakte durch die gemeinsame Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel kennen Radfahrer nicht.

Einzelheiten zur Gehaltsumwandlung und Übernahme nach Laufzeit 

Wie viele Diensträder derzeit auf unseren Straßen unterwegs sind, weiß niemand ganz genau. Schätzungen zufolge sind es um die 500.000. Bei der Hypovereinsbank sind mittlerweile circa 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgestiegen. "Wir bieten seit 2018 Dienstrad-Leasing mit dem Marktführer Jobrad für unsere bundesweit etwa 12.000 Mitarbeitenden an", sagt Junge­mann. "Denn die schlanken, vollautomatisierten Prozesse ohne Mehraufwand bei der Abwicklung sowie ein sicheres steuerrechtliches Fundament haben uns überzeugt. Auch für die Mitarbeitenden funktioniert die Dienstradbestellung und -abwicklung ganz einfach über das digitalisierte Portal, sie können außerdem aus einem bundesweiten Fahrradhändlernetz ihr Traumbike wählen, egal ob es ein E-Bike, Rennrad, Mountainbike oder Faltrad ist."

Dienstrad-Leasing: Arbeitgeber behält Teil des Bruttolohns ein

So funktioniert es: Das Unternehmen least das Rad und überlässt es seiner Mitarbeiterin oder seinem Mitarbeiter zur freien Nutzung. Er oder sie kann damit zur Arbeit fahren und es darüber hinaus auch in der Freizeit, beim Sport und im Alltag nutzen. Im Gegenzug behält der Arbeitgeber einen Teil
des Bruttolohns ein. Dieses Modell funktioniert also über die sogenannte Entgeltumwandlung. Bei dieser Variante spart der Arbeitnehmer bis zu 40 Prozent gegenüber dem Direktkauf.

Wenn sich der Arbeitgeber mit Zuschüssen an den Raten beteiligt, ist die Ersparnis noch höher. Die Hypovereinsbank zum Beispiel übernimmt für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die jährlich anfallenden Inspektionskosten von etwa 70 Euro. "Wir wollen mit diesem finanziellen Beitrag unsere Jobradler unterstützen", erklärt Jungemann. Damit ist das Kreditinstitut aus München in guter Gesellschaft. "Von den mehr als 20.000 Unternehmen, für die wir Dienstrad-Leasing organisieren, geben circa 80 Prozent einen Zuschuss. Sie übernehmen entweder die Jobrad-Vollkaskoversicherung, die Jobrad-Inspektion, den Jobrad-Fullservice oder bezuschussen die Rate", erklärt Böhme. 

Was am Ende der Leasinglaufzeit passiert

Übernimmt der Arbeitnehmer nach Ende der Leasinglaufzeit das Dienstrad, muss die Differenz zwischen dem hierfür tatsächlich gezahlten Preis und dem üblichen Marktwert für das gebrauchte Fahrrad als geldwerter Vorteil versteuert werden. Zur Berechnung des Restwerts setzen die Finanzbehörden pauschal einen Betrag von 40 Prozent des ursprünglichen Neupreises an. In der Praxis übernehmen jedoch die meisten Leasinganbieter die Steuerlast für den geldwerten Vorteil des Arbeitnehmers über die Pauschalversteuerung nach § 37b EStG. Achtung: Eine spätere Übernahme des Dienstrads sollte nicht von vorneherein vereinbart werden, andernfalls gilt der Arbeitnehmer als wirtschaftlicher Leasingnehmer. 

Kritikpunkte der Gewerkschaften

Laut Zweirad-Industrie-Verband wurden im Jahr 2019 knapp 1,4 Millionen Pedelecs verkauft. Mit diesen E-Bikes mit Tretunterstützung bis 25 km/h können Fahrradpendler ohne große körperliche Anstrengung Strecken bis zu 20 Kilometer zurücklegen. Und genau diese Fahrradtypen sind bei Arbeitnehmern als Dienstrad sehr beliebt. "Etwa 70 Prozent der Jobräder, die Angestellten überlassen werden, sind Pedelecs", erklärt Böhme. "Der Durchschnittspreis eines Jobrads liegt bei rund 3.000 Euro."

Doch nicht alle sind vom Dienstrad-Leasing per Gehaltsumwandlung begeistert. Gewerkschaften wie Verdi und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnen für ihre Mitglieder im öffentlichen Dienst das Dienstrad-Leasing per Entgeltumwandlung ab. Sie kritisieren, dass der für die Leasing-Raten aufgewendete Betrag aus dem Bruttoarbeitslohn dem Arbeitnehmer bei den Rentenbeiträgen fehlt, und dass die Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung Lohnnebenkosten sparen können, indem sie die Leasing-Raten als Betriebsausgaben geltend machen. Allerdings gleichen viele Unternehmen diese Ersparnis durch einen Zuschuss zum Dienstrad wieder aus. 

Arbeitswege der Zukunft: Per Fahrrad oder Mobilitätsbudget 

Wie werden Arbeitnehmer künftig mobil sein? Das Dienstrad wird vermutlich weiter an Zuspruch gewinnen. Der Firmenwagen dagegen wird, jedenfalls bei den Millennials und der Generation Greta, als Statussymbol wahrscheinlich weiter an Bedeutung verlieren. Erste Unternehmen bieten deshalb bereits Mobilitätsbudgets für den täglichen Arbeitsweg an: Die Mitarbeitenden können selbst entscheiden, wie sie wann am besten von A nach B kommen. Zum Beispiel bei schönem Wetter mit dem Dienstrad zur Arbeit, zu einem Kundentermin mit einem Carsharing-Auto und am Abend mit dem Jobticket ins Theater. Alle Angestellten können nach ihren individuellen Mobilitätsbedürfnissen ihr persönliches Paket schnüren.

Jungemann beobachtet den Markt genau: "Dieser Trend ist für unsere Mitarbeitenden interessant, aber wir haben uns noch nicht für einen Anbieter entschieden." Ein Grund dafür ist die Verteilung der Belegschaft im gesamten Bundesgebiet, nur circa die Hälfte der Mitarbeitenden arbeitet am Standort München. Doch der Vergütungsexperte der Hypovereinsbank führt noch einen zweiten Grund für sein momentanes Zögern an, und wohl auch den Grund, warum auch andere Arbeitgeber noch vor individuellen Mobilitätspaketen zurückschrecken: "Beim Thema Mobilitätsbudgets ist eine digitale Abwicklung sehr wichtig. Für Jobticket, Firmenwagen, Dienstrad, Carsharing und Bahncards gelten unterschiedliche steuerliche Vorschriften. Das Handling in Sachen digitaler Mobilitätsbudgets ist deshalb kompliziert." Vermutlich ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis es Anbieter gibt, die perfekte digitale Mobilitätsbudgets für den täglichen Arbeitsweg entwickelt haben.


Zu der Marktübersicht der Dienstrad-Leasing-Anbieter gelangen Sie hier.


Dieser Beitrag ist im Personalmagazin Ausgabe 06/2020 erschienen. Lesen Sie das gesamte Heft auch in der Personalmagazin-App.


Das könnte Sie auch interessieren:

Abwälzung der Leasingrate auf kranken Arbeitnehmer ist unzulässig

Privatnutzung von Elektro- und Hybridelektrofahrzeugen

Dienstrad: Leasing, Überlassung, Übereignung und Aufladen von E-Bikes

Schlagworte zum Thema:  Dienstfahrrad, Vergütung, Leasing, E-Mobilität