Praxis-Beispiele: Baulohn / 7 Urlaubsanspruch für gewerbliche Arbeitnehmer (Mindesturlaubsvergütung Krankheit) ab 1.1.2013
 

Sachverhalt

Ein gewerblicher Arbeitnehmer ist seit 1.1.2005 bei einer Firma beschäftigt, die zum Geltungsbereich des Bundesrahmentarifvertrags (BRTV) des Bauhauptgewerbes gehört und einen Betriebsrat hat. Sein Stundenlohn beträgt 20,63 EUR. Seine Sollarbeitszeit beträgt im Februar 2020 insgesamt 152 Stunden. Die Arbeitszeit verteilt sich in den Wintermonaten (Dezember und Januar bis März) von Montag bis Donnerstag jeweils 8 Stunden und am Freitag 6 Stunden. Da der Arbeitnehmer seit 7.1.2020 krank ist, erhält er ab dem 18.2.2020 von seiner zuständigen Krankenkasse Krankengeld. Der Arbeitnehmer nimmt am 18.3.2020 seine Arbeit wieder auf.

Wie hoch ist sein Mindesturlaubsanspruch im Februar und März 2020?

Lösung

Die Mindesturlaubsvergütung beträgt für jede Ausfallstunde 14,25 % des zuletzt gemeldeten Bruttolohns pro lohnzahlungspflichtige Stunde.

Der Bruttostundenlohn lässt sich mit folgender Formel berechnen:

 
gemeldeter Bruttolohn – gemeldete Urlaubsvergütung – Einmalzahlung x Ausfallstunden x 14,25 %
gemeldete lohnzahlungspflichtige Stunden (ohne Urlaubsstunden)

Der gemeldete Bruttolohn kann zusätzliche beitragspflichtige Lohnbestandteile enthalten, wie Zuschläge mit Bezug auf die im Monat geleisteten Stunden (z. B. Überstundenzuschläge). Ausgenommen sind jedoch Lohnbestandteile mit Charakter einer Einmalzahlung, z. B. einmalige Sonderzahlungen, Abfindungen, Jubiläumszuwendungen usw.

Für die Berechnung der Mindesturlaubsvergütung infolge Krankheit wird i. d. R. der letzte Bruttolohn vor Krankengeldbezug verwendet.

Für die Berechnung der Mindesturlaubsvergütung aus Saison-KUG ab der 91. Stunde wird i. d. R. der Bruttolohn aus November zugrunde gelegt (letzter Monat vor Beginn des Schlechtwetterzeitraums). Die Ausfallstunden sind jedoch ab der ersten Stunde zu melden.

Berechnung Februar 2020

1.2.-18.2.2020 = 92 Stunden Lohnfortzahlung (LFZ)

19.2.-28.2.2020 = 60 Stunden Krankengeld

Anspruch Urlaubsvergütung: 92 Stunden x 20,63 EUR = 1.897,96 EUR x 14,25 % = 270,46 EUR

Anspruch Mindesturlaubsvergütung: 1.897,96 EUR / 92 LFZ Stunden x 70 Stunden Krankengeld x 14,25 % = 176,39 EUR

Gesamtanspruch für Februar 2020: 270,46 EUR + 176,39 EUR = 446,86 EUR

Berechnung März 2020

1.3.-17.3.2020 = 92 Stunden Krankengeld

18.3.-31.3.2020 = 76 Stunden normal gearbeitet

Anspruch Urlaubsvergütung: 76 Stunden x 20,63 EUR = 1.567,88 EUR x 14,25 % = 223,43 EUR

Anspruch Mindesturlaubsvergütung: 1.567,88 EUR / 76 normale Stunden x 82 Stunden Krankengeld x 14,25 % = 270,46 EUR

Gesamtanspruch für März 2020: 223,43 EUR + 270,46 EUR = 493,89 EUR

Praxis-Tipp

Liegt eine Schwerbehinderung nach den gesetzlichen Vorschriften vor, beträgt die Urlaubsvergütung des entstandenen Urlaubs 16,63 % des Bruttolohns.

Hinweise

Die durchschnittliche regelmäßige Wochenarbeitszeit im Kalenderjahr beträgt 40 Stunden.

Tarifliche Arbeitszeit: In den Monaten Januar bis März und Dezember beträgt die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit ausschließlich der Ruhepausen montags bis donnerstags 8 Stunden und freitags 6 Stunden, die wöchentliche Arbeitszeit 38 Stunden (Winterarbeitszeit). In den Monaten April bis November beträgt die regelmäßige werktägliche Arbeitszeit ausschließlich der Ruhepausen montags bis donnerstags 8,5 Stunden und freitags 7 Stunden, die wöchentliche Arbeitszeit 41 Stunden (Sommerarbeitszeit).

Die Mindesturlaubsvergütung im Bauhauptgewerbe ist zwingend wie im Beispiel zu berechnen, da die Berechnung dem Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe unterliegt und allgemeinverbindlich ist.

Eine Mindesturlaubsvergütung für bestimmte Arbeitsausfälle ohne Lohnanspruch besteht in folgenden Fällen:

  • unverschuldete Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit (ohne Entgeltfortzahlung)
  • Ausfallstunden im Zeitraum vom 1. Dezember bis 31. März mit Bezug von Saison-Kurzarbeitergeld ab der 91. Ausfallstunde.

Achtung

Diese Berechnung gilt nur für Betriebe die in den Geltungsbereich des Bundesrahmentarifvertrags für das Bauhauptgewerbe (BRTV) fallen. Es ist darauf zu achten, dass es im Bauhauptgewerbe Mindestlöhne gibt; diese sind allgemeinverbindlich.

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