Burnout-Syndrom

Zusammenfassung

 

Begriff

Das Burnout-Syndrom bezeichnet einen Zustand der totalen körperlichen und emotionalen Erschöpfung, der sich über einen längeren Zeitraum entwickelt hat. Der Begriff kommt aus der Psychologie und der Medizin. "Burn out" (engl.) bedeutet wörtlich übersetzt "ausbrennen". Von einem Syndrom spricht die Wissenschaft, wenn verschiedene Krankheitszeichen zusammen auftreten, die eine gemeinsame Ursache haben. Burnout tritt in allen sozialen Schichten und Altersstufen auf, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Es neigt zu einem chronischen Verlauf. Zu den Symptomen zählen u. a. reduzierte Leistungsfähigkeit, erhöhte Suchtgefahr sowie Depressionen.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das Burnout-Syndrom ist in der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) gelistet, und zwar nicht, wie zunächst zu vermuten ist, unter psychischen Verhaltensstörungen, sondern unter Kapitel XXI: Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen, Z73: Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung.

2006 wurde Burnout bisher einmalig als Berufskrankheit anerkannt. Ein Manager hatte Berufsunfähigkeitsrente eingeklagt, nachdem er auf Anraten von Fachärzten seinen Beruf nach einem Zusammenbruch aufgegeben hatte (LG München, Urteil v. 22.3.2006, Az. 25 O 19798/03).

1 Ursachen

1.1 Äußere Faktoren

Das Arbeitsleben hat sich durch Globalisierung, Digitalisierung, alternde Erwerbsbevölkerung und Outsourcing von Betriebsfunktionen stark verändert. Produktionszyklen und Kommunikationsprozesse laufen in immer schnelleren Zeitfolgen ab. Arbeitszeiten, Mehrarbeit, Dienstleistungsbereitschaft und Konkurrenzdruck haben sich für den Einzelnen erhöht. Die technischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen bestimmen die Zukunft der Unternehmen. Aktionäre fordern Profit und Wachstum. Kunden verlangen optimale Qualität, schnell und preiswert. Unsichere Arbeitsplätze und ständige Veränderungen fordern Flexibilität und Mobilität. Diese äußeren Faktoren belasten körperlich und seelisch.

1.2 Innere Faktoren

Die innere Einstellung eines Menschen, etwa zu Motivation und Leistungsbereitschaft, ist individuell geprägt. Sie wird von persönlichen Erfahrungen und erlernten Verhaltensmustern bestimmt. In der Arbeitswelt ist sie die Grundlage für den Erfolg des Einzelnen und des Unternehmens. Allerdings ist die Grenze zwischen Engagement hin zu Überbelastung und Überforderung fließend. Ist eine Person übertrieben perfekt, idealistisch, ehrgeizig oder fällt es ihr schwer "Nein" zu sagen, kann dieses Verhalten zum Gesundheitsrisiko werden.

 

Wichtig

Wer nicht abschaltet, riskiert seine Gesundheit

Einzelne Stressfaktoren lassen sich fast immer bewältigen. Treffen jedoch persönliche Disposition und schlechte Arbeitsbedingungen aufeinander, kann sich das Burnout-Syndrom entwickeln. Das geschieht in Phasen über Wochen oder Jahre hinweg. Betroffene, die keine sozialen Kontakte aufbauen können oder diese vernachlässigen, sind zusätzlich gefährdet. Immer entscheidender wird im Krankheitsverlauf aber vor allem der Zustand, nicht mehr abschalten zu können – ob am Tag oder in der Nacht.

2 Symptome

2.1 Phasen

Das Burnout-Syndrom wird in Phasen unterteilt:

  • Erschöpfung und Unzufriedenheit
  • Wachsende Selbstzweifel – nachlassender Arbeitseifer
  • Gleichgültigkeit gegenüber Arbeit und Menschen
  • Depression und Verzweiflung
 

Achtung

Diagnose durch Arzt oder Psychologen

Für die Diagnose braucht es das Wissen und die Fachkompetenz von Ärzten und Psychologen. Da die Krankheit ein schleichender Prozess ist, sollten aber Betroffene, Kollegen und Verantwortliche mögliche Anzeichen kennen und erkennen können. So kann etwa der Betriebsarzt bei Untersuchungen, Vorgesetzte bei Mitarbeitergesprächen oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Gefährdungsbeurteilungen auf Aussagen oder Wahrnehmungen achten, die möglicherweise auf eine krankhafte Veränderung hinweisen.

2.2 Körperliche Erschöpfungsmerkmale

  • mangelnde Energie,
  • permanente Müdigkeit,
  • verspannte Muskulatur,
  • Kopf- und Rückenschmerzen,
  • Magen-/Darmbeschwerden,
  • Schlafstörungen.

2.3 Emotionale Erschöpfungsmerkmale

  • Niedergeschlagenheit,
  • Hilflosigkeit,
  • Hoffnungslosigkeit,
  • Leere und Verzweiflung,
  • Entmutigung und Resignation.

2.4 Mentale Erschöpfung

  • negative Einstellung zu sich selbst, zur Arbeit und zum Leben,
  • Verlust der Selbstachtung,
  • Gefühl der Unzulänglichkeit,
  • Gefühl der Minderwertigkeit.
 

Achtung

Anzeichen für Überbelastung

Folgende Anzeichen können darauf hindeuten, dass eine Belastung zu lange anhält und überfordert:

  • veränderte Essgewohnheiten,
  • sichtbare Gewichtszu- oder -abnahme,
  • erhöhte Anfälligkeit für Infektionen,
  • vermehrter Alkohol- oder Medikamentenkonsum,
  • fehlende Kontrolle von Emotionen,
  • Reizbarkeit,
  • Vereinsamung,
  • Lustlosigkeit,
  • Zynismus, Verachtung, Aggressivität,
  • Verlust der Kontaktbereitschaft gegenüber Kollegen.

3 Bedeutung für die Arbeitswelt

Burnout verursacht Leistungsminderungen und kann bis zur Berufsunfähigkeit führen. Statistische Daten der Krankenkassen zeigen eine deutliche Zunahme von psychischen Erkrankungen und lange Ausfallzeiten (Abb. 1).

Abb. 1: Anstieg psychische...

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