Zusammenfassung

 
Überblick

Immer häufiger sind Beschäftigte körperlich und emotional erschöpft, können nicht mehr arbeiten, fühlen sich ausgebrannt. Das können erste Anzeichen eines Burnout-Syndroms sein. Oft werden sie von den Betroffenen – das können Frauen wie Männer aller Altersstufen und Branchen sein – heruntergespielt oder mit Medikamenten unterdrückt. Wenn allerdings ein bestimmter Punkt überschritten ist, schlägt die schleichende Krankheit gnadenlos zu. Dann geht von jetzt auf gleich nichts mehr. Alles scheint ausweglos und endet in depressiven Zuständen.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das Burnout-Syndrom ist in der Internationalen Statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) unter Kapitel XXI: Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen, Z73: Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung gelistet.

Bisher einmalig wurde Burnout 2006 als Berufskrankheit anerkannt. Ein Manager hatte Berufsunfähigkeitsrente eingeklagt, nachdem er auf Anraten von Fachärzten seinen Beruf nach einem Zusammenbruch aufgeben musste (LG München, Urteil v. 22.3.2006, Az. 25 O 19798/03).

1 Krankheit der Moderne

In den letzten Jahren lässt sich immer wieder beobachten: Wirtschaftliche, politische, technische und gesellschaftliche Entwicklungen überfordern immer mehr Menschen. 2020/2021 hat die Corona-Pandemie Einzelne und ganze Bevölkerungsgruppen belastet. So haben u. a. sozialer Stress, Homeoffice und Kinderbetreuung die Zahlen der psychischen Erkrankungen steigen lassen. Darunter ein Beschwerdebild, das seinen Namen in den 1970er-Jahren bekommen hat: Das Burnout-Syndrom.

 
Praxis-Beispiel

Therapieprogramm "Corona-Burnout"

Nachdem Heiligenfeld, die Klinikgruppe für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Geschehnisse und Entwicklungen während der Corona-Pandemie mit zunehmender Besorgnis beobachtet hatte, entschied das Klinikteam, das Therapieprogramm zu erweitern. Ziel der neuen Hilfsangebote ist es, dem Corona-Burnout etwas entgegenzusetzen. Dabei geht es v. a. darum, einen gesunden Umgang mit den Belastungen der Pandemie, wie z. B.

  • sozialer Isolation oder
  • Bedrohungsgefühlen und anderen krisenbedingten Gefühlslagen

zu erlernen.

1.1 Merkmale und Verlauf

1.1.1 Erste Anzeichen

Ein Burnout-Syndrom beginnt schleichend und verläuft in Phasen, die fließend ineinander übergehen. Am Anfang herrschen oft Idealismus und Begeisterung vor und der Arbeitseinsatz ist überhöht. Die Symptome des Burnout-Syndroms sind vielfältig. Mögliche erste Anzeichen wie Ermüdung und Erschöpfung, veränderte Essgewohnheiten, Gewichtszu- oder -abnahme oder eine höhere Anfälligkeit für Infektionskrankheiten können auch andere Ursachen haben. Deshalb nehmen Betroffene und das Umfeld die Krankheit zunächst kaum wahr.

 
Wichtig

Phasentheorie

Zu den wichtigsten Vertretern der Phasentheorie gehören die Wissenschaftler Freudenberger, Lauderdale, Edelwich, Maslach und Hobfoll. Ihre Phasenmodelle sind theoretische Konstrukte, mit denen der Krankheitsverlauf dargestellt und analysiert werden kann. Sie haben Krankheitsfälle aus der Wirtschaft und vor allem aus helfenden Berufen untersucht.

1.1.2 Psychische Veränderungen

Mit Fortschreiten des Krankheitsverlaufs lässt das Engagement deutlich nach. Oft meiden die Betroffenen den Kontakt zu Kunden und Kollegen, aber auch zu Freunden und Bekannten. Außerdem werden psychische Veränderungen spürbar. Die Betroffenen werden reizbar, lustlos und/oder aggressiv. Sie verachten sich selbst oder werden zynisch. Pessimismus, Misstrauen und Ängste nehmen zu, Emotionen sind immer schwerer zu kontrollieren. Fachleute nennen dies Depersonalisation.

1.1.3 Selbstwahrnehmung

Für die Betroffenen selbst fühlt es sich irgendwann so an, als ob der "Akku leer ist und sich nicht mehr aufladen lässt". Dann schleichen sich Fehler ein, die Leistung lässt nach und selbst Routinearbeiten werden als anstrengend empfunden. Schlaflosigkeit, extreme Ungeduld und ständige Grübeleien bestimmen den Tag und die Nacht. Das Gedankenkarussell kann nicht mehr abgestellt werden. Der Energieverlust nimmt pausenlos zu.

1.1.4 Suchtmittel

Viele Betroffene greifen in dieser Phase zu Alkohol oder Medikamenten, um abzuschalten oder leistungsfähig zu bleiben. Nicht selten endet das in einer Sucht. Fällt diese auf, tritt sie häufig in den Vordergrund einer Therapie. So werden nur die Symptome einer komplexen Krankheit behandelt. Die Ursachen werden nicht erkannt und verändert.

1.1.5 Endstadium

Burnout-Erkrankte leiden an Erschöpfungszuständen (Tab. 1). Lange Zeit sind sie geistig hyperaktiv. Im Endstadium lässt dieser Zustand nach und Leere und Verzweiflung nehmen überhand (Abb. 1). Burnout kann bis zur Berufsunfähigkeit gehen, manche sehen keinen Ausweg mehr und nehmen sich das Leben.

 
Körperliche ­Erschöpfung Emotionale ­Erschöpfung Mentale Erschöpfung
  • mangelnde Energie
  • permanente Müdigkeit
  • Schwäche
  • verspannte Muskulatur
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • Magen-/Darmbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Niedergeschlagenheit
  • Hilflosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Leere und Verzweiflung
  • Entmutigung und Resignation
  • negative Einstellung zu sich selbst, ...

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