Burnout und Boreout: Erschöpfung braucht eine differenzierte Betrachtung
Merkmale berufsbedingter Erschöpfung
Der Begriff „Erschöpfungserleben“ beschreibt die subjektiven Empfindungen von Erschöpfung, die durch verschiedene berufliche Situationen entstehen können. Erschöpfung, die aus primär nicht-körperlicher Arbeit resultiert, ist sehr subjektiv und stark von individuellen Perspektiven, Ressourcen und Rahmenbedingungen abhängig. Boreout kann Erschöpfungserleben hervorrufen, welches aus anhaltender Unterforderung resultiert und kann zu Desinteresse sowie mangelnder Motivation führen. Burnout wird dagegen durch anhaltende Überlastung verursacht und nach ICD-11-Klassifikation definiert als Syndrom aufgrund von „Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich verarbeitet werden kann“. Als Dimensionen werden hervorgehoben: „ein Gefühl von Erschöpfung, eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und ein verringertes Leistungsvermögen im Beruf“.
Homeoffice und Gesundheit
Immer mehr Beschäftigte arbeiten im Homeoffice, dabei kommt der Gestaltung gesundheitsförderlicher Rahmenbedingungen eine wichtige Bedeutung zu. Beschäftigte, deren Arbeit im Homeoffice beispielsweise über Betriebsvereinbarungen klar geregelt ist, schätzen ihren Gesundheitszustand und ihre Work-Life-Balance besser ein als Beschäftigte ohne eine solche Vereinbarung. Erstere geben Schlafstörungen und körperliche Erschöpfung seltener an. Kaum Unterschiede gab es dagegen zwischen den befragten Gruppen bei der Einschätzung von Müdigkeit und Erschöpfung.
Der Einfluss der Arbeit im Homeoffice auf die Gesundheit ist komplex und muss differenziert betrachtet werden. Ein Review zum Thema (Oakman, Kinsman, Stuckey, Graham & Weale, 2020) stellt heraus, dass der Einfluss abhängig ist vom Ausmaß der organisatorischen Unterstützung der Beschäftigten durch das Unternehmen, der Unterstützung durch Kollegen, von sozialen Bindungen außerhalb der Arbeit und vom Ausmaß an Konflikten zwischen Arbeit und Familie.
Generationendifferenziertes Erschöpfungserleben
Der Umgang mit dem Phänomen der berufsbedingten Erschöpfung ist auch aus der Sicht unterschiedlicher Generationen zu betrachten. Bei der Generation der „Babyboomer“ wirken wohl eher Muster eines vorherrschenden Pflichtbewusstseins und Leistungsdrucks erschöpfungsfördernd. Orientierungslosigkeit ist dagegen ein vor allem in der Generation Z verbreitetes Phänomen, welches Einfluss hat. Neben dieser Generationenperspektive ist immer auch die Individualität jeder Person zu beachten.
Berufsbedingte Erschöpfung stellt ein sehr komplexes Phänomen dar. Es liegt in der Pflicht der Unternehmen, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die das Wohlbefinden der Beschäftigten fördern und Über- aber auch Unterforderung vermeiden. Die Gesundheit der Beschäftigten muss angemessen bewertet werden, um Zustände berufsbedingter Erschöpfung frühzeitig zu erkennen und dann wirksame Maßnahmen im Rahmen des BGM zu entwickeln. Dabei sollten die Maßnahmen unter-schiedliche berufliche Belastungen, Perspektiven und Ressourcen der verschiedenen Beschäftigtengruppen und gleichzeitig die Heterogenität innerhalb dieser Gruppen berücksichtigen.
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