Psychische Gesundheit

Psychische Gesundheit im Betrieb: ifaa-Studie 2026


Müdigkeit bei Videokonferenz

Eine Studie des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) zeigt, dass die Mehrheit der Unternehmen die gesetzlichen Anforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz erfüllt. Im Bereich der psychischen Gesundheitsförderung werden jedoch mehr externe Unterstützungsangebote gewünscht. Dies gilt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, bei denen die Problematik mittlerweile auch als wichtiges Thema erkannt wird.

Die Trendstudie zur psychischen Gesundheit im Betrieb, veröffentlicht vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) im April 2026, hebt die steigende Relevanz psychischer Belastungen für deutsche Unternehmen hervor. Die ifaa-Umfrage wurde zwischen Juli und November 2025 über die Online-Befragungsplattform SoSci Survey bei 293 Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie durchgeführt. Das wichtigste Ergebnis: Psychische Belastungen, Probleme und Erkrankungen werden mittlerweile von den meisten Betrieben, nämlich 71 Prozent, als wichtige Themen erkannt. Auch in vielen kleinen und mittleren Betrieben ist dies mittlerweile so. Neben der wachsenden Sensibilität für diese Thematik hat dies auch mit den wirtschaftlichen Folgen der steigenden Betroffenenzahlen in den Belegschaften zu tun, die zu teilweise erheblichen Ausfallzeiten und Produktivitätseinbußen führen.

Betriebliche Gesundheitsangebote-Angebote

Größere Unternehmen böten häufiger betriebliche Gesundheitsangebote an als kleinere. Von den Studienmachern wurde dabei aber nicht genauer eruiert, welchen Anteil daran spezifische Maßnahmen zur Prävention psychischer Belastungen haben. Betriebe mit mehr als 1.000 Beschäftigten scheinen darüber hinaus insgesamt auch gut über psychische Gesundheit am Arbeitsplatz informiert zu sein. Dies, so die Studienmacher, könnte darauf zurückzuführen sein, dass sie über „spezifische Ressourcen“ wie speziell ausgebildetes Personal verfügten. In den übrigen Betriebsgrößen bestehe hingegen weiterhin ein deutlicher Informationsbedarf; hier liegt der Anteil der „uninformierten“ Betriebe zwischen 21 und 38 Prozent. Rund 30 Prozent aller befragten Unternehmen gab an, mehr Informationen zum Thema zu benötigen, unter anderem auch praxisorientierte Angebote zur Aufklärung und Sensibilisierung für die Belegschaften.

Gefährdungsbeurteilung und BEM

Hinsichtlich der gesetzlichen Anforderungen zeigen sich die befragten Betriebe insgesamt relativ gut aufgestellt. Unabhängig von der Betriebsgröße werde die generelle Gefährdungsbeurteilung zu 91 Prozent durchgeführt, psychische Belastungsfaktoren würden dabei im Durchschnitt zu etwa 73 Prozent erfasst. Gespräche im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) fänden sogar in 91 Prozent der befragten Unternehmen statt.

Limitationen der Umfrage

Zwischen den verschiedenen Betriebsgrößen ließen sich keine „systematischen Unterschiede“ feststellen. Sie warnen dabei aber gleichzeitig vor den Limitationen der Umfrage: Es handelte sich um eine „Ad-hoc-Stichprobe“, so dass die Ergebnisse hinsichtlich der Verteilung nach Betriebsgröße, Region und Branchen nicht als repräsentativ gelten können. Zudem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die teilnehmenden Betriebe eine „Positivauswahl“ darstellen.

Unterstützungsangebote ausbauen

Das wichtigste Ergebnis der Umfrage sei aber, dass insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen ein großer Bedarf an unterschiedlicher Unterstützung durch Fachexperten und -institutionen besteht, um psychische Belastungen in ihren Betrieben und Standorten besser bekämpfen zu können. Die Studienmacher nannten als primäre Unterstützerinstitutionen die Arbeitgeberverbände, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften oder Krankenversicherungen. Diese sollten vor allem Informationsmaterialien bereitstellen, auf andere relevante Institutionen und Experten hinweisen und Veranstaltungen zum Thema anbieten.


Schlagworte zum Thema:  Psychische Belastung , Arbeitsschutz
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