Wie effektiv ist Betriebssport? Wissenschaftliche Studien liefern gemischte Ergebnisse
Die postmoderne Gesellschaft zeichnet sich durch eine zunehmend bewegungsarme Lebensweise aus, welche der Gesundheit der Menschen schadet. Betriebssport, um diesen Bewegungsmangel bei Arbeit und Alltag auszugleichen, ist ein wichtigstes Element des BGM. Doch ist Betriebssport wirklich so gesundheitsfördernd? Und sind die positiven gesundheitlichen Effekte so groß, dass sich die Organisation von betriebssportlichen Maßnahmen für die Unternehmen wirklich rentiert?
Studien-Review
In der Fachdiskussion werden zahlreiche positive Auswirkungen des Betriebssports angeführt. Bei diesen Wirkungen handelt es sich aber überwiegend um Hypothesen, die sich oft lediglich auf eine Studie stützen. Wissenschaftler des Lehrstuhls für Sportökonomie und Gesundheitsökonomie der Universität Jena unternahmen 2016 erstmals eine umfassenden Literatur-Review, bei der alle bis zum damaligen Zeitpunkt vorliegenden nationalen und internationalen Studien zum Thema analysiert wurden. Das Ergebnis zeigte ein sehr uneinheitliches Bild. Trotz einiger positiver Effekte konnten viele Annahmen über den Betriebssport wissenschaftlich nicht bewiesen werden. Zwar zeigten einige Studien, dass der Betriebssport positive Auswirkungen auf die Fehlzeitenrate der Mitarbeiter hat und auch die Schmerzintensität vor allem im muskulären Bereich senkt. Auch für den sozialen Bereich konnten teilweise positive Ergebnisse nachgewiesen werden. Betriebssport könne z. B. die Kommunikation und Freundschaftsbeziehungen unter den Mitarbeitern fördern.
Verhältnis von Kosten und Nutzen
Allerdings wurden keine beweisbaren positiven Effekte betriebssportlicher Angebote sowohl auf die körperliche Fitness als auch auf die Psyche (Stress, Ängste, Arbeitszufriedenheit etc.) identifiziert. Die Forscher bilanzierten daher, dass Betriebssport angesichts des Verhältnisses von hohen Kosten und einem aufwendigen Ressourceneinsatz für die Unternehmen einerseits und den im Vergleich dazu relativ geringen gesundheitlichen Effekten andererseits nicht uneingeschränkt für Unternehmen empfohlen werden kann. Vielmehr sollte ein „selektiver Einsatz von Sport im betrieblichen Kontext“ gewählt werden.
Neue Studie
Ein selektiver Einsatz im betrieblichen Kontext könnte bedeuten, dass der Betriebssport auf eine bestimmte Anzahl sportlicher Maßnahmen reduziert wird. Unternehmen könnten aber auch ihren Beschäftigten die Möglichkeit geben, außerhalb des Unternehmens professionelle Sportangebote wahrzunehmen. Dies ist für die Betriebe oft kostengünstiger als die Organisation eines eigenen Betriebssport. Zudem haben die Beschäftigten die Möglichkeit, Dauer und Intensität des Sports selbst zu bestimmen. Die gesundheitliche Wirkung eines solchen alternativen Sportangebots untersuchte eine Forschergruppe des Roten Kreuz Krankenhauses in Bremen bei den dort tätigen Angestellten.
Auswahl der Studien-Teilnehmer
Das durch das Krankenhaus geförderte Sportangebot umfasste die unbegrenzte Nutzung von externen, also nicht zur Einrichtung gehörenden Fitnessstudios sowie Indoor- und Outdoor-Sportanlagen. Die Auswahl der sportlichen Aktivitäten war frei und es gab keine Empfehlungen zu deren Dauer und Intensität. Alle Mitarbeitenden, die sich in den letzten drei Jahren weniger als 30 Minuten pro Woche sportlich betätigt haben und keine Vorgeschichte von CVD (koronare Herzkrankheit, zerebrovaskuläre und/oder periphere arterielle Verschlusskrankheit, chronische Herzinsuffizienz) aufwiesen, wurden per Aushang, Intranet und schriftlich zur Studienteilnahme gebeten.
Auswirkungen auf Herz und Fitness
Am Sportprogramm nahmen schließlich 173 Beschäftigte teil. Das Ergebnis: Die am Sportprogramm teilnehmenden Angestellten wiesen nach 12 Monaten im Vergleich zu Kontrollen signifikant größere Steigerungen von maximaler aerober Kapazität, d. h. Sauerstoffaufnahme durch Muskulatur, (2,9 ± 3,4 vs. 0,9 ± 2,2 ml/kg/Min), sportlich-körperlicher Aktivität (11,8 ± 9,4 vs. 1,5 ± 2,5 metabolisches Äquivalente/METs x h/Woche) und sonstiger körperlicher Aktivität (16,3 ± 32,3 vs. 6,0 ± 11,5 METs x h/Woche) auf. Bei allen Teilnehmenden fanden sich signifikant ausgeprägtere Abnahmen von Body-Mass-Index, Taillen-Hüft-Quotient, des Non-High-Density Lipoprotein Cholesterin-Spiegels und des geschätzten 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Ereignisse als bei der Kontrollgruppe. Das Forscherteam bilanzierte: Sportangebote verbesserten bei unsportlichen Erwachsenen die kardiorespiratorische Fitness, reduzierten wichtige kardio-vaskuläre Risikofaktoren und steigerten allgemein die körperliche Aktivität.
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