Beiträge aus Versorgungsbez... / Sozialversicherung

1 Umfang der Beitragspflicht

Versorgungsbezüge im Sinne der Sozialversicherung sind grundsätzlich beitragspflichtig. Tritt an die Stelle laufend gezahlter Versorgungsbezüge (Rente) eine nicht regelmäßig wiederkehrende Leistung, gilt ein Einhundertzwanzigstel der ausgezahlten Leistung als monatlicher Zahlbetrag der Versorgungsbezüge, jedoch längstens für einen Zeitraum von 120 Monaten.

Im Übrigen unterliegt ein Versorgungsbezug in der Kranken- und Pflegeversicherung mit dem Zahlbetrag der Beitragspflicht. Das gilt unabhängig davon, in welcher Weise der Versorgungsbezug finanziert wurde. Insbesondere ist nicht maßgebend, ob und inwieweit die Versorgungsleistung auf Einzahlungen beruht, die die betroffene Person aus bereits mit Kranken- oder Pflegeversicherungsbeiträgen belastetem Einkommen geleistet hat.

 

Hinweis

Beitragsberechnung von nachgezahlten Versorgungsbezügen

Bei der Beitragsberechnung sind auch Nachzahlungen von Versorgungsbezügen zu berücksichtigen. Allerdings müssen sie auf einen Zeitraum entfallen, in dem eine Krankenversicherung bestanden hat. Die Beiträge aus der Nachzahlung gelten für die Monate, für die die Versorgungsbezüge nachgezahlt werden.

1.1 Zahlbetrag der Versorgungsbezüge

Versorgungsbezüge werden mit ihrem Zahlbetrag berücksichtigt, wenn die Beitragsbemessungsgrundlage ermittelt wird. Unter Zahlbetrag ist dabei der ausgezahlte Betrag zu verstehen. Allerdings unter Berücksichtigung aller Versagens-, Kürzungs- und Ruhensvorschriften.

Die auf die Versorgungsbezüge entfallende Steuer darf nicht abgezogen werden. Mit dem Zahlbetrag ist zur Sozialversicherung ein höherer Ausgangswert für die Beitragsberechnung maßgebend als im Steuerrecht, denn der steuerliche Ertragsanteil spielt für die Beitragsberechnung keine Rolle.

Der beitragspflichtige Zahlbetrag wird nicht gemindert durch eventuelle Abzweigungsbeträge wegen

  • einer Aufrechnung,
  • Verrechnung,
  • Abtretung oder
  • Pfändung.

Mit dem Zahlbetrag ist der Betrag gemeint, den der Versorgungsträger (Zahlstelle) insgesamt zur Erfüllung des Versorgungsanspruchs auszahlt.

1.2 Beitragsrechtliche Auswirkung von Versorgungsausgleichen

Der beitragspflichtige Zahlbetrag des Versorgungsbezugs mindert sich nicht bei Abtretungen im Rahmen des schuldrechtlichen Versorgungsausgleichs. Wegen des im Beitragsrecht herrschenden Bruttoprinzips wirken sich solche Minderungen nicht auf die Beitragsbemessungsgrundlage aus. Die Unterhaltsleistung stellt eine echte wirtschaftliche Verwendung der Einnahme dar. Sie ist der Privatsphäre des Versicherten zuzurechnen und er hat über die Verwendung selbst entschieden. Insoweit ist unbeachtlich, dass der Ausgleich von Versorgungsanwartschaften gesetzliche Folge einer Ehescheidung ist. Dabei spielt es auch keine Rolle, dass Anwartschaften in der Rentenversicherung durch eine echte Anwartschaftsübertragung ausgeglichen werden. Diese führen zu einer Minderung des Stammrechts.

Hingegen müssen Ansprüche auf Versorgungsbezüge im Einzelfall durch eine Unterhaltszahlung ausgeglichen werden. Das Versorgungsstammrecht wird dadurch nicht gemindert. Betroffen sind insbesondere Versorgungsbezüge aus Betriebsrenten.

Minderung der Beitragspflicht bei Teilung von Anwartschaften

Eine Kürzung der Versorgungsbezüge nach § 57 BeamtVG nach der Ehescheidung reduziert den Zahlbetrag der Versorgungsbezüge. Die Teilung von Anwartschaften auf Versorgung und Ansprüche auf laufende Versorgungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs führen beim Ausgleichspflichtigen dazu, dass sich der Zahlbetrag der Versorgungsbezüge entsprechend mindert.

2 Mindesteinnahmegrenze

Beiträge aus Versorgungsbezügen und Arbeitseinkommen sind nur zu entrichten, wenn die monatlichen beitragspflichtigen Einnahmen aus Versorgungsbezügen (ggf. unter Berücksichtigung von Arbeitseinkommen) insgesamt 1/20 der monatlichen Bezugsgröße übersteigen.

Für das Kalenderjahr 2019 beträgt der Grenzwert 155,75 EUR.

Wird diese Mindesteinnahmegrenze lediglich durch eine Einmalzahlung überschritten, besteht in diesem Zahlungsmonat Beitragspflicht. Eine Durchschnittsberechnung mit Umrechnung der Einmalzahlung auf das Kalenderjahr erfolgt nicht.

Hingegen sind Beiträge auch dann zu entrichten, wenn unter Berücksichtigung der Beitragsbemessungsgrenze der beitragspflichtige Anteil des Versorgungsbezuges nicht höher ist als die Mindesteinnahmegrenze.

 

Hinweis

Addition mehrerer Versorgungsbezüge

Erhält ein Versicherter mehrere Versorgungsbezüge, sind diese für die Beurteilung, ob die Grenze von einem Zwanzigstel der monatlichen Bezugsgröße überschritten wird, zusammenzurechnen.

2.1 Mindesteinnahmegrenze für Teilmonate

Für Teilmonate ist die Mindesteinnahmegrenze anteilig zu ermitteln. Hierbei ist der Monat mit 30 Tagen zu berücksichtigen. Die anteilige Mindesteinnahmegrenze ermittelt sich durch die Multiplikation der Kalendertage, in denen eine Beitragspflicht besteht, mit dem 30. Teil der monatlichen Mindesteinnahmegrenze.

2.2 Auswirkungen von Nachzahlungen auf die Beitragspflicht

Sofern der Mindestbetrag erst unter Berücksichtigung einer Nachzahlung überschritten wird, werden von den Versorgungsbezügen insgesamt Beiträge im Rahmen der Verjährung nacherhoben.

3 Abfindungen betrieblicher Altersversorgung und Zahlung von Rückkaufswerten

Die bisherige beitragsrechtliche Beurteilung von vor Eintritt des Versorgungsfalls gezahlten Abfindungen von gesetzli...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge