Wann liegt ein so genannter Arbeitgeber-Sammelpunkt im Sinne des Reisekostenrechts vor? Bild: Michael Bamberger

Ein Arbeitnehmer ohne erste Tätigkeitsstätte kann für Tätigkeiten außerhalb seiner Wohnung Reisekosten geltend machen. Liegt aber ein sogenannter Arbeitgeber-Sammelpunkt vor, gilt dies nur für die Entfernungspauschale. Oft ist strittig, wann ein solcher Sammelpunkt vorliegt und damit ein steuerfreier Fahrtkostenersatz ausgeschlossen ist.

Arbeitnehmer können für Fahrten zu ihrer ersten Tätigkeitsstätte nicht die tatsächliche Aufwendungen, sondern lediglich Werbungskosten nach Maßgabe der Entfernungspauschale geltend machen (0,30 Euro je Entfernungskilometer). Ein steuerfreier Arbeitgeberersatz ist ausgeschlossen. Das Gleiche gilt, wenn der Mitarbeiter zwar keine erste Tätigkeitsstätte hat, aber auf Weisung seines Arbeitgebers einen sogenannten Sammelpunkt aufsuchen muss.

Reisekosten: Arbeitgeber-Sammelpunkt gesetzlich definiert

Ein Sammelpunkt im Sinne des Einkommensteuergesetzes liegt vor, wenn der Beschäftigte nach den arbeitsrechtlichen Festlegungen und den diese ausfüllenden Weisungen und Absprachen zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft denselben Ort (betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers) typischerweise arbeitstäglich aufsucht (vergleiche § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3 EStG).

Bundesfinanzhof prüft: Was bedeutet "typischerweise arbeitstäglich"?

Beim Bundesfinanzhof ist die Frage anhängig, wie der Gesetzeswortlaut "typischerweise arbeitstäglich" auszulegen ist. Es geht insbesondere um die Frage, ob die Rechtsnorm nur anwendbar ist, wenn der Mitarbeiter an sämtlichen seiner Arbeitstage den vom Arbeitgeber bestimmten Ort aufsuchen soll.

Hintergrund ist eine Entscheidung des Sächsischen Finanzgerichts (Urteil vom 14. März 2017, Aktenzeichen 8 K 1870/16). Danach ist eine typischerweise arbeitstägliche Anfahrt zu einem Sammelpunkt auch dann anzunehmen, wenn zwar die Anfahrt nicht an jedem Arbeitstag stattfindet, jedoch immer dann, wenn der Mitarbeiter von seinem Wohnort aufbricht, um seine Arbeit binnen eines Tages oder länger während auf einer Baustelle zu verrichten.

Finanzgericht Sachsen: 123 Treffpunktfahrten jährlich ausreichend

Der Kläger ist Heizungs- und Sanitärinstallateur. Er fuhr im Streitjahr an 123 Tagen mit dem eigenem Pkw zu einer Einrichtung seines Arbeitgebers, wo er ein Fahrzeug des Arbeitgebers bestieg, das ihn zu einem im Jahresverlauf wechselnden Tätig­keitsort brachte. Teilweise übernachtete er am Tätigkeitsort. An keinem Arbeitstag steuerte er seinen Tätigkeitsort mit dem eigenem Pkw an, stets wurde er in einem Fahrzeug des Arbeitgebers zur Baustelle gebracht. 

Dass die gesetzliche Vorschrift zum Sammelpunkt die Anfahrt an tatsächlich fünf Tagen pro Arbeitswoche nicht verlangt, entnimmt das Gericht dem Wortlaut der Vorschrift, der den Begriff "arbeitstäglich" durch das Beiwort "typischerweise" relativiert. Das Revisionsverfahren wird beim Bundesfinanzhof unter dem Aktenzeichen VI R 33/17 geführt. 

Unser Tipp: Vergleichbare Fälle sollten spätestens bei der Steuererklärung bis zu einer Entscheidung offen gehalten werden.


Weitere Entscheidungen der Finanzgerichte kommen in Abhängigkeit vom jeweiligen Einzelfall zu einem anderen Ergebnis.

Finanzgericht Niedersachsen entscheidet anders: Zwei bis drei Sammelpunktfahrten pro Woche nicht ausreichend

Nach einer rechtskräftigen Entscheidung des Niedersächsischen Finanzgerichts (Urteil vom 15. Juni 2017, Aktenzeichen 10 K 139/16) ist ein typischerweise arbeitstägliches Aufsuchen eines Ortes zur Aufnahme der beruflichen Tätigkeit nicht gleichzusetzen mit "regelmäßig oder üblicherweise". Ein Fernfahrer, der lediglich zwei bis drei Tage pro Woche seine Fahrtätigkeit am Firmensitz seines Arbeit­gebers beginnt und die übrige Zeit mehrtägige Fahrten unternimmt, sucht nicht typischerweise arbeitstäglich den Firmensitz seines Arbeitgebers zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit auf.

Finanzgericht Nürnberg: Eine Fahrt wöchentlich begründet keinen Sammelpunkt

Für das Finanzgericht Nürnberg (Urteil vom 13. Mai 2016, Aktenzeichen 4 K 1536/15, rechtskräftig) steht fest, dass beim Aufsuchen einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgebers an nur einem Tag in der Woche gerade nicht die Voraussetzungen eines Sammelpunkts vorliegen.

Ein Vorarbeiter aus Bayern hatte in seiner Steuererklärung sämtliche Fahrtkosten, also auch die wöchentlichen Fahrten zu seinem Arbeitgeber, wegen seiner Einsatzwechsel­tätigkeit, nach Reisekostengrundsätzen mit 0,30 Euro für die Hin- und nochmals für die Rückfahrt angesetzt. Das Finanzamt berücksichtigte die Fahrten zu seinem Arbeitgeber jedoch nur mit der Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Entfernungskilometer.

Wann ein Arbeitgeber-Sammelpunkt vorliegt

Unstreitig war, dass der Vorarbeiter arbeitsvertraglich keiner ersten Tätigkeitsstätte zugeordnet war. Ohnehin wurden nur organisatorische Aufgaben wie das Beladen des Autos oder die Abgabe von Stundenzetteln, Urlaubsscheinen und Krankmeldungen vorgenommen. Allerdings argumentierte das Finanzamt, dass ein Sammelpunkt vorliegen würde.

Das konnte das Finanzgericht Nürnberg nicht erkennen und gab der Klage statt. Ein Sammelpunkt im Sinne des Gesetzes liegt vor, wenn der Arbeitnehmer nach den arbeitsrechtlichen Festlegungen und den diese ausfüllenden Weisungen und Absprachen zur Aufnahme seiner beruflichen Tätigkeit dauerhaft denselben Ort (betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers) typischerweise arbeitstäglich aufsucht (§ 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 4a Satz 3 Einkommensteuergesetz). 

Für das Finanzgericht steht fest, dass beim Aufsuchen einer betrieblichen Einrichtung des Arbeitgeber an nur einem Tag in der Woche die Voraussetzungen eines Sammelpunkts nicht vorliegen.

Nur ein sog. Arbeitgeber-Sammelpunkt kann steuerlich ein Sammelpunkt sein

Entscheidend für die Annahme eines Sammelpunkts ist, dass die Verpflichtung des Mitarbeiters, sich an einem bestimmten Ort, an dem keine erste Tätigkeitsstätte begründet wird, einzufinden, auf eine Entscheidung des Arbeitgebers zurückgeht, die er in Ausübung seines Direktionsrechts getroffen hat (Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Oktober 2014, BStBl 2014 I S. 1412 Rz. 38 Satz 2). 

Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn eine Mitarbeiter zwingend in den Betrieb oder eine Betriebsstätte seines Arbeitgebers kommen muss, um seine Arbeit aufnehmen zu können. Gleiches gilt, wenn der Arbeitgeber einen Treffpunkt außerhalb des Betriebs festgelegt, an dem sich ein Mitarbeiter arbeitstäglich einfinden muss, weil er von dort aus durch einen vom Arbeitgeber organisierten Transport zu seinem eigentlichen Einsatzort befördert wird.

Weiterlesen:

Bundesfinanzministerium bestätigt Steuerfreiheit der Sammelbeförderung

Einschränkung bei den Fahrtkosten für Sammel- und Treffpunktfahrten

Schlagworte zum Thema:  Reisekosten, Entfernungspauschale, Fahrtkosten

Aktuell
Meistgelesen