Seit gut drei Monaten gibt das Entgelttransparenzgesetz Mitarbeitern einen Auskunftsanspruch über die Entgeltstrukturen im Betrieb. Ein Blick auf die betriebliche Praxis zeigt: Die Implementierung ist komplex, die Auskunftsverlangen verhalten, die Zufriedenheit gering.    

Seit 6. Januar 2018 haben Mitarbeiter durch das Entgelttransparenzgesetz einen Anspruch auf Einblick in die Gehaltsstruktur vergleichbarer Kollegengruppen. Der Bundesverband der Arbeitsrechtler in Unternehmen (BVAU) hat nun bei seinen Mitgliedern die ersten Praxiserfahrungen zur Umsetzung des Gesetzes gesammelt.

Strukturierte Prozesse zur Implementierung des Entgelttransparenzgesetzes

Knapp die Hälfte der befragten Unternehmen hat bereits durch die Einführung strukturierter Prozesse die Vorschriften des Entgelttransparenzgesetzes in der betrieblichen Praxis umgesetzt. Dabei zeigt sich, dass der Arbeitsaufwand, um die Vorschriften des Entgelttransparenzgesetzes zu implementieren, mit der Größe der Betriebe steigt.   

Noch wenig Auskunftsverlangen zur Lohngleichheit  

Mehr als die Hälfte der vom BVAU befragten Unternehmen hat allerdings bisher noch gar keine Auskunftsverlangen bearbeiten müssen. In Unternehmen bis 500 Beschäftigten liegt diese Quote bei 100 Prozent.

Ähnliche Ergebnisse zeigt eine zeitgleich veröffentlichte Umfrage des Vergleichsportals Gehalt.de in Kooperation mit Compensation Partner. Nur in einem Viertel der 319 befragten Unternehmen waren zum Befragungszeitraum Anträge auf eine entsprechende Lohnauskunft nach dem Entgelttransparenzgesetz gestellt worden. Ein leichter Anstieg ist allerdings zu erwarten: Sicher geplant haben ein Auskunftsverlangen ein Drittel (33 Prozent) der über 1.800 befragten Mitarbeitern, fast ein Drittel (28 Prozent) schließen das aber genauso sicher aus.

Mehr Lohngleichheit durch Entgeltgesetz ist fraglich

„Wer die Vorgaben des neuen Gesetzes vollumfänglich eingeführt hat, hat einen hohen Arbeitsaufwand investieren müssen, um dann festzustellen, dass die große Welle an Auskunftsverlangen ausbleibt“, fasst BVAU-Präsident Alexander Zumkeller die Ergebnisse der Umfrage zusammen. „Ob mit dem Entgelttransparenzgesetz in seiner vorliegenden, sehr bürokratischen Form das eigentliche Ziel des Gesetzgebers der Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Berufsleben erreicht werden wird, erscheint mehr als fraglich“, so Zumkeller weiter.   

Tarifmitarbeiter stellen eher Auskunftsverlangen als der AT-Bereich 

Ein überraschendes Ergebnis birgt die Umfrage unter den BVAU-Mitgliedern: Die meisten der Auskunftsverlangen kamen nicht aus dem AT-Bereich sondern von tariflich entlohnten Mitarbeitern. „Wenn überhaupt Auskunftsverlangen gestellt werden, kommen diese von Mitarbeitern aus dem eigentlich vergütungstechnisch gut strukturierten und transparenten Tarifbereich“, ergänzt BVAU-Vizepräsident Prof. Dr. Rupert Felder. „Das ist ungewöhnlich, differenzieren doch Tarifverträge heute in keinem Fall mehr zwischen Frauen und Männern. Und nicht zu vergessen: Der Betriebsrat bestimmt bei Eingruppierung oder zu den Entlohnungsgrundsätzen mit.“

Mitarbeiter unzufrieden mit Lohnauskünften nach Entgeltgleichheitsgesetz

Antworten auf ihr Auskunftsverlangen haben bisher nur zwei Prozent der von Compensation Partner und Gehalt.de befragten Mitarbeiter erhalten. Zufrieden damit waren allerdings nur 14 Prozent – Grund hierfür war meist eine geringe Aussagekraft des Vergleichs. Auch sonst zeigen sich die Befragten skeptisch: 39 Prozent der Arbeitnehmer und 88 Prozent der Arbeitgeber bezweifeln, dass durch das Gesetz Diskriminierung hinsichtlich des Gehalts verringert wird. Das Entgelttransparenzgesetz habe nicht genug Durchschlagskraft, da im Falle einer unfairen Bezahlung keine rechtlichen Konsequenzen drohen – dies bemängeln 32 Prozent der Arbeitgeber und 36 Prozent der Arbeitnehmer.

Weitere Informationen finden Sie in dieser News zum Entgelttransparenzgesetz

 

Schlagworte zum Thema:  Lohn, Entgelt