Fachkongress IW.2050

Die Reise geht zur Wärmepumpe


Fachkongress IW.2050 2026 Keynote Dr. Tim Meyer

Klimaneutralität bleibt der erklärte Kurs der sozial orientierten Wohnungswirtschaft, gerade angesichts von Kriegen und Energiekrisen – ein Fazit zum Fachkongress 2026 der Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) in Darmstadt.

Als gelte es, Skeptiker in den eigenen Reihen für die Sache des Klimaschutzes zu gewinnen, sollten beim 6. Fachkongress der Initiative Wohnen.2050 (IW.2050) vom 28. bis 30. April in Darmstadt Fakten und Daten belegen, dass die Wohnungswirtschaft mit der Wärmewende aktiver Teil der vierten weltweiten Energierevolution ist.

GdW-Präsident und IW.2050-Vorstandsvorsitzender Axel Gedaschko sagte in seiner Eröffnungsrede: "In dieser irren Welt bleibt der Praxispfad CO2-Reduktion im Gebäudesektor der richtige Weg." Klimaschutz bleibe auf der Agenda.

Keynote zur Energiewende

Dr. Tim Meyer, Vorstand der Naturstrom AG, machte in seiner Keynote deutlich, dass die Stromproduktion aus Wind und Sonne eine exponentielle Wachstumskurve erreicht: Sie sei ungleich steiler, als es die Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas je erreicht hätten.

Die Ursache sieht der Experte in Skaleneffekten der industriellen Massenproduktion – insbesondere von Solarmodulen und Batteriespeichern. Der Markt habe entschieden, dass die Elektrifizierung unter anderem des Wärmesektors nicht mehr aufzuhalten sei, weil etwa Wärmepumpen viel effizienter arbeiteten als Verbrennungsmaschinen. 

Seine These: Die Energiewende sei schon weiter als in der öffentlichen Diskussion erkennbar. Eine regenerative Energie- und Wärmeversorgung sei möglich, der Weg dahin einfacher und günstiger als in der politischen Debatte derzeit wahrnehmbar.  

Digitalisierung statt Freiheit im Heizungskeller

Nach Einschätzung von Dr. Thomas Hain, stellvertretender Vorstand IW.2050 und Leitender Geschäftsführer der NHW, liegt Deutschland auf dem Weg der Transformation im Vergleich mit anderen Ländern weit zurück.

"Je eher die Transformation kommt, desto besser", erklärte Hain in seiner Rede. Dazu bedürfe es politischer Weitsicht und einer Strategie, die über Legislaturen und Parteigrenzen hinweg langfristig Bestand habe, statt eines energiepolitischen Tauziehens. Angesichts des Iran-Krieges und der Verknappung fossiler Energie "feiern wir mit der Wiedergeburt der Gasheizung die Freiheit im Heizungskeller", sagte er.

Er schlug vor, den Ausbau der Stromnetze auch durch Digitalisierung und den Einsatz von Smart Metern voranzutreiben. In zahlreichen Nachbarländern seien 80 bis 100 Prozent aller Verbraucher mit intelligenten Stromzählern ausgestattet. In Deutschland betrage die Quote bislang nur 5 Prozent. 60 Milliarden Euro, die jährlich für Gas- und Ölimporte aufgewendet werden, sollten besser in regenerative Energietechnik investiert werden. Hain: "Das würde unserem Land Resilienz verleihen gegen internationale Krisen."

Wärmepumpen in Mehrparteienhäusern

In den Netzwerk-Runden des Fachkongresses wurde deutlich, dass die von der Bundesregierung angestrebte Technologieoffenheit für die Gasheizung keine Option für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft darstellt. Die zu erwartenden Preissteigerungen für Gas – getrieben von der CO2-Steuer, den steigenden Netzentgelten und der Beimischung von Biogasen – würden nicht nur zu einer sozialen Schieflage führen.

Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz sehe vor, dass sich Eigentümer künftig beim Einbau einer neuen fossilen Heizung zu 50 Prozent an den Kosten beteiligen müssen. Daher sei der Einsatz von elektrischen Wärmepumpen in Mehrparteienhäusern in weiten Teilen der Branche Konsens. 

CO2-Reduktion: finanzierbarer Klimaschutz

Der zweite Weg – der Ausbau der Fernwärme – wurde insgesamt kritisch gesehen. Aufgrund der Monopolstellung der Versorger ergäben sich Mehrkosten um den Faktor drei bis vier. Und je grüner die Fernwärme werde, umso teurer werde sie auch. Dabei bestünde in vielen Kommunen ein Zwang zum Anschluss an die Fernwärme.

Der Praxispfad CO2-Reduktion legt den Schwerpunkt auf die Dekarbonisierung der Energieerzeugung. Gedaschko bekräftigte auf dem Kongress, dass Klimaschutz nur auf diesem Weg finanzierbar bleibe. Der Geschäftsführer der GGH Heidelberg, Peter Bresinski, forderte eine konsequente Ausrichtung aller Förderrichtlinien auf die CO2-Vermeidung. 

Einfaches Bauen: der Hamburg-Standard 

Neben der Energiefrage war der Hamburg-Standard für einfaches, schnelles und kostengünstiges Bauen zentrales Thema des IW.2050-Fachkongresses 2026, durch den Moderatorin Ulrike Trampe, Fachjournalistin und Vorsitzende des Arbeitskreis Baufachpresse, führte.

Die Experten waren sich einig, dass die Idee des einfachen Bauens eine breite Diskussion ausgelöst hat. Marko Lohmann, Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Bergedorf-Bille, bezeichnete den Standard "als zentrales Element für den Neubau".

Baugenehmigungen würden jetzt zum Teil in acht bis zwölf Wochen erteilt, was früher 15 Monate gedauert habe. Thorsten Schulte, Leiter Geschäftsbereich Bau beim kommunalen Wohnungsunternehmen Saga, beschrieb die Wirkung des Hamburg-Standards so: "Es geht ein Ruck durch die Behörden."

In den einstündigen Fokus-Sessions teilten dann noch Experten und Verantwortliche aus Wohnungsunternehmen ihre Erfahrungen aus Transformationsprojekten. Darunter die Speicherung von elektrischer und thermischer Energie im Quartier, die Wertschöpfung durch Investitionen in Photovoltaik, der Einsatz von intelligenten Heizungsthermostaten, das Energiemonitoring und der Einsatz von KI im Heizungskeller.

Fazit zum Fachkongress der Initiative Wohnen.2050

Um Raum für einen intensiveren Praxisaustausch zu bieten, wurde der Fachkongress in diesem Jahr erstmals um einen dritten Veranstaltungstag erweitert. Der bot vier Workshops zu den Themen:

  • Umsetzung und Finanzierung der Klimastrategie,
  • Anwendung des Klimapfad-Finder-Tools,
  • Betrieb und Steuerung von Wärmepumpen sowie
  • Fallstricke im Umgang mit Fernwärme.

Der geschäftsführende Vorstand der IW.2050, Felix Lüter, und die stellvertretende Vorständin, Michaela Meyer, waren sich am Ende des Kongresses darüber einig, wohin die Reise geht: "Wir werden bei der Wärmepumpe bleiben und müssen die Fernwärme angesichts der Kostenentwicklung im Auge behalten." Die offene Flanke sei noch die Mieterkommunikation, so Meyer.

Der 7. Fachkongress der IW.2050 findet vom 28.4.2027 bis 30.4.2027 in Darmstadt statt.

Alle Information zur Initiative 2050 (IW.2050)


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