Ziel Regionaler Ausgleich: Studie bringt Druck auf den Kessel

Lange passierte: Kaum etwas. Nachdem die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse“ bereits Mitte 2019 ihre Empfehlungen vorgelegt hatte, nahm die Wohnungswirtschaft die Dinge im Rahmen eines Kooperationsprojekts selbst in die Hand. Das sind die Ergebnisse.

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft, GdW, hat gemeinsam mit seinen Regionalverbänden im Rahmen eines vor rund zwei Jahren ins Leben gerufenen Kooperationsprojekts in sieben Regionen Deutschlands Möglichkeiten zur Stärkung des regionalen Ausgleichs ausgelotet.

Der Schlussbericht mit dem Titel "Regionalen Ausgleich stärken – Die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat" liegt nun vor. Die Erkenntnisse sollen Wohnungsunternehmen, Kommunen und andere Akteuren vor Ort helfen, in ihrer Region gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen.

GdW: "Eine wirksame, regional verankerte Wohnungs- und Baulandpolitik fehlt"

Die Lebensbedingungen in Deutschland sind von großen regionalen Unterschieden geprägt: Während die Ballungsregionen mit einem attraktiven Arbeitsplatz-, Infrastruktur- und Kulturangebot immer mehr Einwohner anlocken und die Großstädte aus allen Nähten platzen, haben ländlichere Regionen mit einer schrumpfenden Bevölkerung zu kämpfen. Deshalb hat die Bundesregierung am 18.7.2018 die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" eingesetzt – mit dem Ziel, diese Unterschiede auszugleichen. Das Bundeskabinett hat am 10.7.2019 Maßnahmen zur Umsetzung der Ergebnisse der Kommission beschlossen.

"Bisher ist nicht zu erkennen, dass für einen Ausgleich der bundesweit unterschiedlichen Lebensbedingungen der notwendige 'Ruck' durch Deutschland geht", sagte GdW-Präsident Axel Gedaschko bei Vorstellung des Schlussberichts der eigenen Initiative. Diese habe gezeigt, dass es in Deutschland flächendeckend an einer wirksamen, regional verankerten Wohnungs- und Baulandpolitik fehle.

Um konkrete Erfolge erzielen zu können, schlägt die Wohnungswirtschaft in ihrem Bericht vor, in den Regionen Koordinierungsstellen für die Zusammenarbeit vor Ort zu schaffen, um bedarfsgerechte Lösungen "an der Basis" zu mobilisieren. Diese Ansätze müssten von Bund und Ländern mit einem finanziell ausreichend ausgestatteten Raumordnungsprogramm begleitet werden – etwa um den Infrastrukturausbau voranzutreiben. Das empfiehlt auch die Kommission der Bundesregierung.

In den sieben Projektregionen in drei Bundesländern wurden diese "von unten" getragenen Lösungsansätze zum Teil schon erfolgreich umgesetzt. Die regionale Wohnungswirtschaft fungierte dabei als Gastgeber regionalpolitischer Diskussionen und als Impulsgeber davon ausgehender Initiativen. Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt.

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Fazit der GdW-Studie zum Thema "gleichwertige Lebensverhältnisse": Bund und Länder sollten ein Raumordnungsprogramm für den Ausbau der Infrastruktur in den Regionen auflegen – vor Ort sind regionale Koordinierungsstellen vonnöten

Thüringen: Wohnungsbau in den Umlandregionen soll Großstädte entlasten

In den thüringischen Teilprojekten in den Regionen Jena und Saale-Holzland-Kreis haben sich Kommunen, die Wohnungswirtschaft und andere regionale Akteure, wie die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen, die Sparkasse Jena-Saale-Holzland und die Plattform Wohndebatte zusammen getan, um gemeinsam Chancen zur Stärkung von Entlastungsstandorten in der Region auszuloten und entsprechende Kooperationen anzubahnen.

Im Fokus stand der verdichtete Wohnungsbau in den zentralen Lagen der Klein- und Mittelstädte in der Region und die Frage, wie diese Gemeinden vom Wachstum der Stadt Jena profitieren können. Potenziale für zusätzlichen Wohnungsbau durch Umnutzung, Sanierung, Erweiterung oder Neubau im Landkreis sind vorhanden und könnten zur Entlastung des Wohnungsmarktes in Jena beitragen. Um eine kommunale Arbeitsgemeinschaft (Jena und die umliegenden Gemeinden) langfristig handlungsfähig zu machen, wurde mit dem Land eine Förderung verabredet. Das Zentrale Projektmanagement der Stadt Jena hat außerdem interimistisch die weitere Koordination der interkommunalen Zusammenarbeit übernommen.

"Erfolgsentscheidend war der Wille der Akteure, zu greifbaren Ergebnissen zu kommen. Ohne die kommunalen Spitzenvertreter wäre das nicht gelungen." Frank Emrich, Vorstand des Verbandes Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vtw)

NRW: Synergien zwischen hochverdichteten und "verkannten" Räumen schaffen

In Nordrhein-Westfalen (NRW), dem bevölkerungsreichsten Bundesland, gibt es ganz andere Herausforderungen zu stemmen: Starken Städten und Metropolregionen mit hohen Zuzugsraten und einem Mangel an – vor allem bezahlbaren – Wohnungen stehen wirtschaftlich prosperierende Orte gegenüber, deren Qualitäten als Wohn- und Lebensstandort noch nicht gewürdigt werden.

Neben einer optimierten Baulandentwicklung als Chance für hoch verdichtete Gebiete – dazu zählt die Region Köln – könnten sich auf Basis der räumlichen Verflechtungen Synergiepotenziale zwischen den einzelnen Räumen nutzen lassen: In der Region Duisburg-Wedau zum Beispiel setzt die Gebag Duisburger Baugesellschaft mit dem Projekt "6 Seen Wedau" mit rund 3.000 geplanten Wohnungen und der Nähe zur Düsseldorfer Stadtgrenze Impulse für die Stadtentwicklung des Südens der Stadt und entlastet gleichzeitig den Wohnungsmarkt in der Landeshauptstadt.

Für die Regionen Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen ist eher die Infrastruktur im Bereich Verkehr, Bildung, medizinischer Versorgung und Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Zwar ist die regionale Wirtschaft mit einer Vielzahl an attraktiven und spezialisierten Arbeitsplätzen stark, doch die Regionen müssten als Wohn- und Lebensstandort deutlicher gestärkt werden.

"Die Heterogenität der Wohnungsmärkte an den nordrhein-westfälischen Projektstandorten Köln, Duisburg, Ost- und Südwestfalen hält große Herausforderungen, aber auch große Chancen bereit." Alexander Rychter, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) Rheinland Westfalen

Wohnungswirtschaft in Sachsen-Anhalt: eingeschränkt wirtschaftlich handlungsfähig

In Sachsen-Anhalt wurden die Bedingungen für Investitionen der Wohnungswirtschaft an verschiedenen Standorten analysiert und diskutiert – ausgehend von konkreten Vorhaben. Dabei zeigte sich unter anderem, dass der Verbund von Wohnungsunternehmen und Kommunen wegen einer eingeschränkten wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit häufig nicht in der Lage ist, die städtebaulich und stadtentwicklungspolitisch wichtigen Investitionsvorhaben umzusetzen.

"Die Stärkung des ländlichen Raums ist Voraussetzung dafür, dass Menschen sich wohlfühlen und bleiben." Ronald Meißner, Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften (VdWg) Sachsen-Anhalt

Zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben Demografie und Klimaschutz bedürfe es jedoch einer nachhaltigen Förderkulisse in Bund und Land, ergänzte Jens Zillmann, Direktor des Verbandes der Wohnungswirtschaft (VdW) Sachsen-Anhalt.


GdW-Studie "Regionalen Ausgleich stärken – Die Wohnungswirtschaft als Gestalter von Heimat"

Maßnahmen der Bundesregierung zur Umsetzung der Ergebnisse der Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse"


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