Hybrides Konzept geplant: Expo Real 2020 abgesagt

Die Expo Real 2020 in ihrer klassischen Form ist abgesagt. Früher als geplant haben die Veranstalter in München die Reißleine nun doch gezogen. Zu viele Aussteller hatten sich gegen eine Teilnahme an der Immobilienmesse Anfang Oktober entschieden. Ein hybrides Konzept soll die Corona-Pause füllen.

Offiziell hätte die Expo Real vom 5. bis 7. Oktober wie gewohnt in München stattfinden dürfen. Die Regierung in Bayern hatte grünes Licht gegeben für Messen – Stichtag 1. September. Bis zum 17. Juni hatten die Immobilienexperten und Marktplayer dann Zeit, sich die Gretchenfrage zu stellen: Expo-Real-Teilnahme ja oder nein?

Nachdem es immer mehr Absagen gab und Messechef Klaus Dittrich, so optimistisch er war, nicht genug potenzielle Aussteller überzeugen konnte, votierte der Fachbeirat des Veranstalters Messe München bei der jüngsten Sitzung dafür, das gewohnte Format in diesem Jahr zu streichen und ein alternatives Konzept auf die Beine zu stellen. Unter dem Titel "Expo Real Hybrid Summit" wird es am 14. und 15. Oktober einen Mix aus physischem und virtuellen Treffen geben – also Vor-Ort-Konferenz und digitaler Austausch. Wichtige Branchenvertreter haben nach Auskunft der Messe München bereits zugesagt, darunter die Stadt München, Union Investment Real Estate, Deka Immobilien Investment, Aengevelt, das German Council of Shopping Centers sowie die Immobilienverbände ZIA und IVD.

Expo Real Hybrid Summit: So sieht das Konzept aus

"Das innovative Format ist eine Antwort auf die ganz besonderen Herausforderungen, denen wir uns angesichts der Corona-Pandemie stellen müssen", sagte Dittrich. Beim ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss kann man sich sogar vorstellen, dass das Konzept für den "Hybrid Summit" Schule machen wird. "Genauso wie der ZIA mit seinem Tag der Immobilienwirtschaft kann die Messe für die Zeit nach Corona Trendsetter für ein hybrides Konzept werden", so Klaus-Peter Hesse, Sprecher der ZIA-Geschäftsführung. Der neue "Hybrid Summit" der Messe München basiert auf drei Säulen:

  • Konferenzen, an denen man vor Ort oder über Livestreams teilnehmen kann
  • sogenannte "Smart Spaces" (neun bis 24 Quadratmeter), die von den Ausstellern gebucht werden können
  • Flächen für bestimmte Themen: etwa für die Startup-Plattform "Expo Real Innovation".

Platz findet das Event im ICM, dem Internationalen Congress Centrum der Messe München – es gebe genügend Raum, um die Abstandsregeln zu gewährleisten, versicherten die Veranstalter. Das Schutz- und Hygienekonzept, das extra für die Expo Real 2020 entwickelt worden war, ist auch beim neuen Konzept von Nutzen. Die Messe München will laut Presseinformation 7.500 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung stellen und rechnet mit rund 5.000 Teilnehmern vor Ort, je nachdem, was die Behörden zulassen. 

Jeder Euro Umsatz zählt: Die Messe München verliert mehrere Millionen

Inhaltlich wird das Konferenzprogramm in den kommenden Wochen ausgearbeitet, teilt die Messe München mit. Fest steht schon, dass die Auswirkungen der Pandemie ein zentrales Thema sein werden. Die neuen Erfahrungen mit dem Hybrid Summit sollen dann auch in die Expo 2021 einfließen. Den Digitalisierungsschub will man durch die Krise mitnehmen.

Die Corona-Pause kostet die Messe München dieses Jahr bundesweit bis zu 230 Millionen Euro Umsatz. Ein Neustart wäre auch für Beschäftigte und den Bundesfinanzminister eine gute Nachricht, sagte Dittrich noch vor der Absage. Ifo-Volkswirt Horst Penzkofer sagte, jeder Euro Umsatz bei der Messe München sorge für zehn Euro Umsatz in Deutschland – durch Reisekosten, Ausgaben für Messestände, Handwerker, Hotels und Restaurants bis zu Einkäufen. Alleine in der bayerischen Landeshauptstadt stehe sie für 16.400 Arbeitsplätze. Der Bund kassiert laut ifo-Institut dank der Messe München rund 400 Millionen Euro an Mehrwert- und Lohnsteuern. Der Freistaat bekomme 217 Millionen, der Münchner Stadtkämmerer 33 Millionen. Nicht mitgerechnet wurden die Abschlüsse der Aussteller auf der Messe, betonte der ifo-Studienleiter.

Maklerhäuser und Verbände der Immobilienbranche hielten lange an einer Teilnahme fest

Die Absagen der Expo Real trudelten noch vor Ablauf der Deadline fast im Stundentakt ein. So haben sich kurz vor Schluss etwa CBRE Advisory Services und Tochtergesellschaften gegen München entschieden, "da die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter im Vordergrund unserer Überlegungen stehen", wie eine Sprecherin mitteilte. Das Maklerhaus JLL vereinbarte nach Beratungen in den verantwortlichen Gremien, die Messe-Teilnahme aufgrund der auch im Oktober noch virulenten Risiken abzusagen". Savills und Cushman & Wakefield schlossen sich an.

"Nach langer und reiflicher Überlegung haben wir uns gegen einen eigenen Stand auf der diesjährigen Expo Real entschieden", erklärte ein Sprecher von Ernst & Young (EY). "So wichtig uns die zahlreichen wertvollen persönlichen Kontakte auch sind, die wir seit Jahren auf der Messe erleben dürfen: Unter Einhaltung der hygienischen Erfordernisse angesichts der Pandemie würde die reguläre Teilnahme einen unverhältnismäßigen Spagat erfordern", teilte ein Sprecher mit.

Zuletzt stiegen auch die großen deutschen Branchenverbände aus: Die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID), der neben dem ZIA unter anderem der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) und der Maklerverband IVD angehören, stornierte den Gemeinschaftsstand, der seit Jahren auf der Expo Real vertreten.

dpa
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