VDIV-Branchenbarometer: die Ergebnisse

Die Honorare für Immobilienverwalter steigen seit Jahren nur marginal. Reale Verluste sind nicht selten. Dazu kommt die Sorge, dass sich, nach 2019, auch 2020 wegen Covid-19 zum verlorenen Jahr für die energetische Sanierung entwickelt. Was die Branche noch umtreibt, zeigt die aktuelle VDIV-Umfrage.

Der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV Deutschland) hat in seiner diesjährigen Branchenumfrage neben den traditionellen Fragen zu Umsatz, Vergütung und Personal zwei weitere Aspekte in den Fokus genommen: Gab es genug energetische Sanierungsmaßnahmen? Und wie steht es um den Einbau von Ladesäulen für Elektrofahrzeuge?

Realer Anstieg bei den Vergütungssätzen – aber längst nicht überall und ausreichend

Die Vergütungssätze für Immobilienverwalter steigen dem VDIV zufolge seit Jahren nur marginal. Nach realen Verlusten im Jahr 2017 erhöhte sich im untersuchten Jahr 2019 die Vergütung für die im Bestand betreuten Eigentumswohnungen real lediglich um 1,2 Prozent. Die "rote Laterne" als Schlusslicht übernimmt im aktuellen Branchenbarometer die Mietverwaltung: Hier sind die pauschalen Regelsätze von 2018 bis 2019 sogar um 0,6 Prozent gesunken.

"Die Vergütungssätze halten seit Jahren nicht Schritt mit den stetig wachsenden Anforderungen durch Gesetzgeber und Kunden." VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler

Die Verwaltung von Eigentümergemeinschaften (WEG-Verwaltung) ist laut VDIV das immer noch wichtigste Standbein von Immobilienverwaltungen. 94 Prozent der befragten Unternehmen haben hier ihren Tätigkeitsschwerpunkt – im vorherigen Branchenbarometer waren es 95,9 Prozent. Der Anteil der Unternehmen, die einen Schwerpunkt in der Mietverwaltung haben, ist von 80,5 Prozent auf 85,9 Prozent gestiegen. Der Jahresumsatz ergibt sich zu 56,1 Prozent (Vorjahr: 57,1 Prozent) aus der WEG-Verwaltung und zu 19,2 Prozent (Vorjahr: 18,6 Prozent) aus der Mietverwaltung.  
 
Für das laufende Jahr erwarten die befragten Verwalter moderate Umsatzsteigerungen von im Schnitt 2,6 Prozent und eine Steigerung des Betriebsergebnisses um 15,9 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich zuletzt im Mittel leicht von 10,3 auf 10,9 erhöht, zudem wurde wieder mehr ausgebildet. 29,9 Prozent der Unternehmen hatten 2019 Azubis – das ist nach Zahlen des VDIV ein Anstieg um rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein "wichtiger Schritt gegen den Fachkräftemangel in der Branche", so Verbandsgeschäftsführer Kaßler.

Energetische Sanierung bleibt auf der Strecke

Nur rund ein Viertel der für das 8. Branchenbarometer befragten Unternehmen (26,9 Prozent ) gab an, 2019 energetische Sanierungen begleitet zu haben. Das ist der niedrigste Wert, seit der VDIV Zahlen dazu erhebt. Zum Vergleich: Im 4. Branchenbarometer lag der Anteil noch bei 44,2 Prozent. Auch die Prognosen sind eher düster: Wegen der erschwerten Beschlussfassung durch Covid-19 wird sich, so die Einschätzung des VDIV, das laufende Jahr wohl zu einem verlorenen Jahr für den Klimaschutz entwickeln – auch 2021 dürfte das Sanierungsaufkommen unter dem ohnehin schon zu geringem Niveau bleiben.

"Die Reform des Wohnungseigentumsgesetzes wird voraussichtlich die Hürden für die Beschlussfassung zu energetischen Sanierungen senken." VDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler

Nur so könne der dringend benötigte Anstieg der Sanierungsquote in den WEG erreicht und die gesellschaftspolitische Verpflichtung zur Klimaneutralität erzielt werden, meint Kaßler. Auch mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobile in Wohngebäuden gehe es derzeit nur schleppend voran, heißt es in dem Ergebnis-Bericht.

Für die diesjährige Auswertung hat der VDIV 469 Immobilienverwaltungen bundesweit befragt. Die Umfrage fand zwischen Mitte Januar und Anfang April 2020 online und anonym statt.


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Schlagworte zum Thema:  Verwaltung, Sanierung, Honorar