3 Fragen an Daniel Kress

Raus aus der Digitalfalle

Die Einführung neuer Software sorgt in Immobilienunternehmen oft für Frust – viele Probleme sind jedoch hausgemacht. Wie gelingt der Schritt zu zukunftsfähigen Lösungen und KI? 3 Fragen an Daniel Kress von der Metropol Immobiliengruppe.

zersprengter Spiegel vor Schrei

Herr Kress, was sind die größten Fehler in der Immobilienbranche, die bei der Einführung neuer Software gemacht werden?

Daniel Kress: Oft wird der Fehler gemacht, dass eine Software angeschafft wird mit der Annahme, die eigenen Prozesse und Strukturen müssten darin abbildbar sein. Aber die Lösungen, die es am Markt gibt, bringen ja meist eigene Strukturen und Ansätze mit. 

Wenn man aus dem Gefühl heraus – "das haben wir immer so gemacht" – die eigenen Prozesse unbedingt durchboxen will, verpasst man schon die erste Gelegenheit, die eigene Arbeitsweise kritisch zu hinterfragen und effizienter zu werden. 

Die komplette L'Immo-Folge mit Daniel Kress

                                                                                                      

Es wird zu häufig eine Software ausgesucht, die scheinbar passt, dann versucht man, die eigenen Strukturen zu implementieren. Das funktioniert aber nicht auf Anhieb, also wird die Software angepasst. Dann wartet man, die Mitarbeitenden sind schon genervt, weil nichts richtig läuft. Ist das Problem behoben, kommen neue dazu, weil Schnittstellen nicht sauber arbeiten. Das zieht sich dann ewig hin, bis das System kaum noch funktioniert und die Belegschaft frustriert ist. 

Immobilienunternehmen: Tipps für die erfolgreiche IT-Transformation

Was raten Sie Immobilienunternehmen, die ihre IT-Landschaft modernisieren wollen?

Für mich ist der Weg das Ziel. Ich brauche eine klare Vision und muss wissen, was ich erreichen will. Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein – nur weil andere Tablets nutzen, muss ich das nicht auch tun, wenn der Nutzen fehlt. Zuerst sollte man das Zielbild definieren und dann die passende Lösung suchen. Dabei offen bleiben für andere Ansätze und nicht stur an alten Prozessen festhalten.

Wichtig ist auch das Change Management: Ohne ein gut aufgesetztes Projekt- und Change Management ist Erfolg schwer. Digitalisierung ist am Ende ein Menschenbusiness. Die Mitarbeitenden müssen befähigt und eingebunden werden. 

Das heißt: Echte Gespräche führen, Probleme gemeinsam analysieren und die Kolleginnen und Kollegen frühzeitig einbinden. Wer nur von oben herab entscheidet oder die Verantwortung nebenbei vergibt, verschenkt Potenzial und riskiert Widerstand. 

KI und ERP-Systeme: Die digitale Zukunft der Immobilienbranche

Wie verändert KI die Anforderungen an Immobilien-Software und die Zukunft von ERP-Systemen? 

Ich finde, eine API sollte mittlerweile Standard sein, weil wir wissen, wie wichtig Daten sind und dass die Daten für uns als Kunden frei verfügbar sein müssen. Für mich ist eine Lösung ausgeschlossen, die nur CSV-Uploads ermöglicht oder den Datenzugriff durch Abomodelle einschränkt.

Wir wissen nicht, was die beste Datenaufbereitung für KI ist, aber die klassische Tabellenform ist es vermutlich nicht. Viele wollen KI in bestehende Systeme einbauen, ohne wirklich zu überlegen, ob das sinnvoll ist. Man sollte Systeme wählen, die flexibel und offen für neue Technologien bleiben. 

Die Zukunft der ERP-Systeme ist offen: Sie könnten sich stark verändern oder sogar verschwinden. Deshalb ist es wichtig, sich nicht von einzelnen Anbietern abhängig zu machen, sondern auf Flexibilität und Datenhoheit zu achten, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Das ist ein redaktionell bearbeiteter Auszug aus dem L'Immo-Podcast mit Daniel Kress.


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