Hochhausrahmenplan: Frankfurt prüft Standorte für neue Türme

Die Skyline von "Mainhattan" soll weiter wachsen – um Wohnviertel und Parks herum und in Clustern, damit die Stadt nicht zersiedelt wird. Doch wo ist noch Platz für Büro- und Wohntürme? Mögliche Standorte sind im Hochhausentwicklungsplan (auch Hochhausrahmenplan) definiert. Der wird jetzt erweitert.

Frankfurt am Main ist Trendsetter in Sachen Hochhausbau. Doch gerade bei Hochhäusern ist die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht immer sicher – oft ist die Kritik deutlich schärfer als bei anderen Bauvorhaben.

Die Stadt Frankfurt hat einen Hochhausentwicklungsplan (auch Hochhausrahmenplan) erstellt. Mit einer Studie der Architekten Jourdan & Müller aus dem Jahr 1998, die im Jahr 2000 als Hochhausentwicklungsplan beschlossen wurde, startete der durchgeplante Bau zunächst (aufgrund der steigenden Nachfrage nach Arbeitsflächen) vor allem von Bürotürmen. Erstmals überarbeitet wurde der Rahmenplan für die städtebauliche Entwicklung 2008. Ziel dieser Planung war es, die Hochhaussilhouette der Stadt endgültig zu einer "fernwirksamen Skyline" zu verdichten, heißt es beim Frankfurter Stadtplanungsamt. Derzeit arbeiten die Planer an der Fortschreibung des Hochhausentwicklungsplans 2008, der bis 2021 vorliegen soll.

Neue Standorte für die erweiterte Skyline: Frankfurt schreibt Hochhausrahmenplan fort

Wo könnten langfristig neue Hochhäuser entstehen? Ziel des Hochhausentwicklungsplans 2021 sei es, Standorte für neue Türme vorzuschlagen, sagte ein Sprecher des Planungsdezernats. Als einen ersten Schritt wurden Untersuchungsräume definiert: Zwei Büros aus den Bereichen Architektur und Stadtplanung – Namen wurden nicht genannt – seien beauftragt worden zu prüfen, wo es noch Platz für Hochhäuser gibt in der Finanzmetropole.

Platz wäre auf den ersten Blick noch im Bankenviertel, am westlichen und nördlichen Mainufer sowie im Ostend. Das Messegelände mit dem Europaviertel, wo aktuell schon mehrere Hochhäuser entstehen, ist im neuen Rahmenplan nicht dabei. Konkrete Zwischenergebnisse erwartet das Stadtplanungsamt im ersten Quartal 2021. Und dann müsse der neue erweiterte Hochhausrahmenplan erst noch von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden, sagte der Sprecher. Zehn bis 15 mögliche neue Standorte dürften es wohl sein, hieß es.

Statt auf klassische Büro- und Bankentürme soll auch künftig vermehrt auf einen Mix – etwa mit Wohnungen und Gastronomie – gesetzt werden. Diese sogenannten Hybridtürme waren lange Zeit eher aus New York oder Singapur bekannt.

Hochhausrahmenplan: Relevant sind Gebäude ab einer Höhe von 60 Metern

Die Stadt soll nach Angaben des Planungsamtes behutsam weiterentwickelt werden. Schon der aktuelle Hochhausrahmenplan regelt, dass die (meisten) Hochhäuser nicht vereinzelt, sondern in Gruppen (Clustern) stehen – dadurch erst entsteht die markante Skyline, das Wahrzeichen der Mainmetropole. Solche Cluster gibt es derzeit im Bankenviertel und am Messegelände. Mögliche negative Auswirkungen auf benachbarte Wohngebiete oder die Verschattung der Umgebung werden in dem Plan ebenfalls überprüft.

Für den Hochhausrahmenplan sind Gebäude ab einer Höhe von etwa 60 Metern relevant. Insgesamt sind mehr als 30 Häuser in "Mainhattan" über hundert Meter hoch. Etwa die Hälfte davon ist höher als 150 Meter – die gelten per Definition als Wolkenkratzer. Das momentan höchste Gebäude in Frankfurt am Main ist die Commerzbank mit 259 Metern, gefolgt vom Messeturm (256,5 Meter).

Im Europaviertel plant Bauherr CA Immo ab 2023 gerade zwei Hochhäuser. Eines soll nicht nur der "nachhaltigste", sondern auch der bislang höchste Wolkenkratzer Deutschlands werden mit 260 Metern Höhe. Im anderen sollen fast ausschließlich Wohnungen entstehen – 500 Einheiten, 200 davon gefördert. 2030 soll das sogenannte Millennium-Areal fertig sein.

Die neuen Wolkenkratzer: lebendiger als klassische Büro- und Bankentürme

Beispielhaft für das Zusammenspiel aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Leben ist der "Omniturm" mit einer Höhe von 190 Metern im Frankfurter Bankenviertel. Zwischen Innenstadt und Bankenviertel sollen für das Projekt "Four" bis 2023 gleich vier Türme wachsen, der höchste wird 228 Meter messen. In dem Komplex des Projektentwicklers Groß & Partner sind neben Büros, Restaurants und Geschäften auch ein Hotel, eine Kita und eine öffentliche Dachterrasse geplant. Dazu kommen 600 Wohnungen. Einige davon werden Sozialwohnungen sein. Die Idee sei, ein lebhaftes diverses Viertel entstehen zu lassen, so der Entwickler.

Deutschlands bisher höchster Wohnturm, der 172 Meter hohe "Grand Tower" steht im Europaviertel. Die 90 bis 300 Quadratmeter großen Wohnungen – 499 an der Zahl – sind eher luxuriös und ziehen finanzkräftige Investoren an. Um eine Gentrifizierung zu verhindern, kündigten Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Baudezernent Jan Schneider (CDU) im Januar an, dass künftig bei neuen Wohnbauprojekten generell eine Quote von 30 Prozent für öffentlich gefördertes Wohnen gelten solle. Derzeit sind etwa 1.000 Wohnungen in Hochhäusern im Bankenviertel vorhanden oder im Entstehen. Die Hybridtürme sollen auch dazu beitragen, das oft als abgeschottet wahrgenommene Bankenviertel lebendiger zu gestalten.


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Schlagworte zum Thema:  Stadtentwicklung