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Mannheim: Neues Stadtquartier auf ehemaligem US-Kasernengelände Franklin Village

Konrad Hummel, Geschäftsführer der städtischen MWS Projektentwicklungsgesellschaft in Mannheim
Bild: MWS

Im ehemaligen US-Quartier Franklin Village startet die Stadt Mannheim mit der Konversion des gut 144 Hektar großen Areals. Dr. Konrad Hummel erläutert die Vorgehensweise und die Herausforderungen auf dem Weg zu einem lebendigen Stadtquartier.

Herr Dr. Hummel, die Stadt Mannheim hat Franklin Village inzwischen von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erworben. Wie geht es nun weiter?

Konrad Hummel: Das Franklin-Gelände ist in fünf Quartiere mit unterschiedlichen Konzepten und Entwicklungsschienen unterteilt.

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Für die Areale Franklin-Mitte und die Offizierssiedlung ist der Startschuss für den Baubeginn im April gefallen. Die Erschließungs- und Abrissarbeiten – immerhin 1,3 Millionen Kubikmeter – werden voraussichtlich 14 Monate dauern. Die Bestandsbauten stehen jedoch schon früher zur Verfügung. Für Sullivan ist ein Baubeginn Ende 2016, für das Gewerbe-Quartier Columbus 2018 vorgesehen. Für die Funari-Kasernen haben wir einen städtebaulichen Wettbewerb mit Schwerpunkt auf schnell umsetzbare und kostengünstige Wohnformen in serieller Bauweise ausgeschrieben. 

Um das Gebiet auch schon während der Bauphase öffentlich zugänglich zu machen und mit Leben zu füllen, sind neben Outdoor- und Indoor- Sportflächen auch Spielplätze und Grünflächen mit Gastronomie geplant.

Stehen schon Investoren bereit und welche Anforderungen stellen Sie an diese?

Hummel: Ja, bisher sind elf Investoren mit konkreten Bauvorhaben an Bord, die Flächen in Franklin-Mitte sind fast vergeben. Der Verkauf der Grundstücke erfolgt auf der Basis einer Konzeptvergabe, die neben dem Preis auch die Konzeptqualität, die Auswirkungen der Investorenplanung im städtischen Gesamtkontext und das Zueinander der Einzelplanungen berücksichtigt. Hierzu wurde auf Initiative der MWSP ein Qualitätsteam gebildet und ein spezifisches Franklin-Qualitäts-Zertifikat erarbeitet.

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Jung und Alt, Mieter und Eigentümer, Gesunde und Behinderte, Ruhebedürftige und Fans urbaner Lebendigkeit unter dem Dach einer gemeinsamen Franklin-Identität vereinen. Diese Bandbreite spiegelt sich auch in der Architektur wider. Pfiffig gestaltete Reihenhäuser mit eigenem Garten und Townhäuser werden ebenso vertreten sein wie Loft-Wohnungen, Wohnungen für Pflege-Wohngemeinschaften, seriell erstellte preiswerte Wohngebäude oder vier in der Höhe differierende Hochpunkte. Für anerkannte Flüchtlingsfamilien mit mehreren Kindern sollen 200 große Wohnungen in den Bestandsgebäuden freigehalten werden. Hohe Aufmerksamkeit widmen wir zudem der qualitätsvollen Gestaltung des öffentlichen Raums und innovativen Ansätzen aus den Bereichen Ökologie, Mobilität und Energie.

Wie sehen Ihre Erfahrungen aus als Leiter der städtischen Task Force für Konversion?

Hummel: Die MWS Projektentwicklungsgesellschaft hat sich bewährt. Die Konversion militärischer Flächen gestaltet sich als Querschnittsaufgabe mit zahlreichen Schnittstellen. Dabei gilt es, die Interessen und Anforderungen zahlreicher Stakeholder zu berücksichtigen und eine Balance zwischen deren Eigeninteressen und den Interessen der heutigen und künftigen Stadtgesellschaft zu finden. Die MWSP steht dabei im Spannungsfeld zwischen Zeit, Ökonomie und Bürgerbeteiligung. Viele Aufgaben wie die Verkaufsverhandlungen mit der BimA, die Bürgerbeteiligung, die Verhandlungen mit interessierten Investoren oder die Koordinierung der verschiedenen Fachbereiche der Verwaltung müssen parallel organisiert werden. Die Vorschriften für die Ausschreibung und Auftragsvergabe durch die öffentliche Hand gelten dabei auch für uns. Zudem gilt es, Ausgaben durch Einnahmen zu kompensieren und das für den Zeitraum von 20 Jahren vorgegebene Entwicklungs-Budget von 220 Millionen Euro einzuhalten. Die Bewältigung dieser Komplexität gelingt als eigenständige Gesellschaft mit ökonomischer Verantwortlichkeit besser als in einem Fachbereich der Stadtverwaltung im engeren Sinne. Dennoch unterliegen auch wir der Kontrolle des Gemeinderates.


Der Text ist in der Spezialbeilage "Region-Report Rhein-Neckar" zum Fachmagazin "Immobilienwirtschaft", Ausgabe 06/2016, erschienen.


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Bild: Haufe Online Redaktion
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Schlagworte zum Thema:  Interview, Quartiersentwicklung

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