Umfrage Büroimmobilien: Mehr Miete um Fachkräfte zu binden

Im Wettbewerb um die besten Fachkräfte entwickelt sich das Büro zu einem maßgeblichen Aspekt: Jeder dritte Büromieter wäre bereit, mehr Miete zu bezahlen, um Talente an sich zu binden. Jedes zehnte große Unternehmen würde dafür sogar mehr als 40 Prozent auf den Tisch legen.

Zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey hat Wealthcap die Attraktivität moderner, zukunftsfähiger Büroflächen untersucht und die Bereitschaft, höhere Mietpreise für derartige Flächen zu bezahlen. Bereits im Frühjahr 2020, vor dem Beginn der Corona-Pandemie, wurden dazu 1000 Entscheider und Verantwortliche für die Anmietung von Büroflächen befragt. Nun, im Frühsommer 2022, wurde die Umfrage wiederholt, diesmal mit 2500 Teilnehmern. Die Bereitschaft der Befragten, im Wettbewerb um Fachkräfte eine höhere Büromiete zu zahlen, ist zwar während der Pandemie leicht zurückgegangen, aber immer noch ist mehr als jedes dritte Unternehmen zu höheren Mietzahlungen bereit (2020: 38,6 Prozent; 2022: 35,1 Prozent).

Große Unternehmen sind zu höheren Mietaufschlägen bereit

Entscheidend dabei ist die Unternehmensgröße: In der aktuellen Umfrage gibt knapp ein Drittel der kleinen Unternehmen an, mehr Miete im Ringen um Talente bezahlen zu wollen, bei den großen Unternehmen sind es fast die Hälfte. Auch bei der Höhe der Mietaufschläge liegen die großen Firmen vorn: Jedes fünfte große Unternehmen ist zu einem Mietaufschlag von mindestens 20 Prozent bereit, jedes zehnte sogar zu über 40 Prozent.

Grafik Wealthcap Mehr Miete - Unternehmensgröße

Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Alter der Befragten. Die Bereitschaft, für einen modernen Bürostandort auch höhere Mieten in Kauf zu nehmen, ist vor allem bei den jüngeren Befragen hoch. 52,2 Prozent der unter 30-Jährigen sind aufgeschlossen für höhere Mieten. Davon wäre fast jeder Fünfte sogar zu einer um mehr als 50 Prozent höheren Miete bereit. Jüngere Befragte „sehen in höheren Mieten für attraktive Büroflächen eher eine Investition in die eigenen Ressourcen als einen reinen Kostenfaktor“, sagt Sebastian Zehrer, Leiter Research bei Wealthcap.

Flexibilität ist den Büromietern besonders wichtig

Doch für was genau wären die Unternehmen bereit, mehr Miete bezahlen? „Die Umfrage zeigt: Der wichtigste Büroaspekt, mit dem Unternehmen ihre Beschäftigten begeistern wollen, ist eine flexibel nutzbare und anpassbare Arbeitsumgebung“, erklärt Zehrer.

Besonders der Faktor Flexibilität hat im Vergleich zu 2020 in der aktuellen Umfrage zugelegt: Waren anpassungsfähige Büroflächen vor zwei Jahren noch 19,7 Prozent der Befragten wichtig, sind es nun 24,7 Prozent. Überdurchschnittlich viel Wert auf flexible Flächen legen dabei erneut die Jüngeren (43 Prozent), aber auch Mittelständler (33 Prozent).

Außerdem entscheidend: Nachhaltigkeit und Wohlbefinden

Ebenfalls ganz oben auf Liste stehen die Aspekte Nachhaltigkeit, Wohlbefinden und Vernetzung. Für nachhaltige Büroflächen wären 20,7 Prozent der Befragten bereit, mehr Miete zu bezahlen (2020: 17,8 Prozent). Auch dieser Aspekt ist besonders den Mittelständlern wichtig (35 Prozent), aber auch Unternehmen, die ihren Standort in einem urbanen Gebiet mit einer hohen Bevölkerungsdichte haben (23 Prozent). Büros, die in einem ländlichen Gebiet liegen, legen indes nur zu 17 Prozent auf den Aspekt Nachhaltigkeit wert.

Grafik Wealthcap Flexibilität Nachhaltigkeit Vernetzung

Genauso wie bei der Flexibilität ist der jüngeren Zielgruppe auch das Thema Wohlbefinden am Arbeitsplatz weit überdurchschnittlich wichtig: Fast die Hälfte der jüngeren Befragten (47 Prozent) wäre bereit, für diesen Aspekt mehr Büromiete zu bezahlen. Insgesamt sind es in der aktuellen Umfrage lediglich 19,3 Prozent der Befragten, damit aber mehr als 2020 (15,3 Prozent).

Aspekt Vernetzung trotz Corona-Erfahrungen leicht rückläufig

Kurios: Der Aspekt Vernetzung (also zum Beispiel Internet oder Smart Building) hat im Laufe der Corona-Pandemie leicht abgenommen, trotz verstärkter Digitalisierung der Arbeitswelt. 2020 waren noch 22,4 Prozent der Befragten bereit, für den Aspekt Vernetzung mehr Büromiete zu bezahlen, in der aktuellen Umfrage sind es noch 21,7 Prozent. Anders erneut im Mittelstand: Dieser bewertet den Aspekt Vernetzung mit 32 Prozent überdurchschnittlich hoch.

Das könnte Sie auch interessieren:

Markt für flexible Büros: Konsolidierung statt Dämpfer?

Neue Arbeitsmodelle verändern den Investoren-Blick auf Büros nachhaltig

Immobilienstrategie: "War for Talents" wichtiger als Kostensenkung


Schlagworte zum Thema:  Büroimmobilie, Vermietung, Fachkräftemangel