Europa-Vergleich: Wohnen in Deutschland relativ günstig

Die Dynamik schwächt sich ab, doch noch steigen die Preise und Mieten für Wohnimmobilien in den deutschen Großstädten. Ein Blick über den Tellerrand zeigt: In anderen europäischen Ländern ist das Wohnen zum Teil noch teurer. Das gilt für Kauf und für Miete, wie eine Studie von Deloitte zeigt.

Demnach reichen in Deutschland, Österreich und Norwegen im Durchschnitt jeweils fünf bis sechs Jahresgehälter, um beispielsweise eine 70-Quadratmeter-Wohnung zu kaufen, heißt es im "Property Index 2019" (englisch) des Beratungsunternehmens Deloitte.

Im 16-Länder-Vergleich (Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kroatien, Litauen, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, Tschechien und Ungarn) ist Wohneigentum gemessen am Durchschnittseinkommen laut Studie nur in Portugal und Belgien günstiger zu haben als hierzulande.

In allen anderen Ländern ist der Immobilienkauf teurer. Am teuersten ist eine 70-Quadratmeter-Standardwohnung laut Studie in Tschechien, wo im Durchschnitt elf Jahresgehälter aufgebracht werden müssen, um den Kauf zu finanzieren. In Großbritannien sind es 9,4 Jahresgehälter.

Kaufpreiswachstum: Deutschland nur noch im Mittelfeld unter 16 Ländern

Beim Kaufpreiswachstum war Deutschland noch im Jahr 2017 europäischer Spitzenreiter mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahr um 9,6 Prozent. An der Spitze liegt jetzt Tschechien (16,8 Prozent) vor Ungarn (13,7 Prozent) und den Niederlanden (9,3 Prozent). Deutschland rangiert mit exakt fünf Prozent noch knapp hinter Dänemark und Spanien (jeweils 5,1 Prozent). Um 14 Prozent ließen die Kaufpreise in Großbritannien nach. Damit ist laut Deloitte innerhalb Europas eine erhebliche Preis-Heterogenität zu beobachten.

Ähnliches beobachtet der Immobilienberater bei den absoluten Kaufpreisen: Hier reicht die Spanne von 1.088 Euro pro Quadratmeter in Portugal bis rund 4000 Euro pro Quadratmeter in Frankreich und Norwegen. In Deutschland sind Deloitte zufolge die durchschnittlichen Quadratmeterpreise noch leicht gestiegen und liegen im aktuellen Ranking mit 3.405 Euro pro Quadratmeter im gehobenen Mittelfeld.

Kaufpreisranking (Durchschnitt pro Quadratmeter, 2018; Veränderung gegenüber 2017)

  1. Norwegen (Einfamilienhäuser) 4.043 Euro (+/- 0 Prozent)
  2. Frankreich 4.016 Euro (- 2,1 Prozent)
  3. Großbritannien 3.753 Euro (- 14,7 Prozent)
  4. Deutschland (Angebotspreis) 3.405 Euro (+ 5,0 Prozent)
  5. Dänemark 2.683 Euro (+ 5,1 Prozent)
  6. Österreich 2.612 Euro (+ 2,3 Prozent)
  7. Tschechien 2.525 Euro (+ 16,8 Prozent)
  8. Niederlande (nur Bestandwohnungen) 2.521 Euro (+ 9,3 Prozent)
  9. Belgien (Angebotspreis) 2.481 Euro (+ 4,2 Prozent)
  10. Italien 2.311 Euro (- 1,0 Prozent)
  11. Spanien 2.133 Euro (+ 5,1 Prozent)
  12. Litauen 1.739 Euro (+/- 0 Prozent)
  13. Kroatien 1.547 Euro (+/- 0 Prozent)
  14. Polen 1.370 Euro (+ 3,8 Prozent)
  15. Ungarn 1.323 Euro (+ 13,7 Prozent)
  16. Portugal 1.088 Euro (+/- 0 Prozent)

Mietpreise: Keine deutsche Stadt unter den Top 20 im Europa-Vergleich

Auch Mieter zahlen in Deutschland, sogar in den teuersten Städten, deutlich weniger als Mieter in den anderen von Deloitte analysierten europäischen Ballungsräumen: München rangiert im Untersuchungszeitraum 2018 mit einer Durchschnittsmiete von 10,50 Euro pro Quadratmeter auf Platz 29 von 44 analysierten europäischen Städten. Im Property Index 2018 von Deloitte lag die Miete in München 2017 im Durchschnitt noch bei 16,50 Euro pro Quadratmeter.

Die französische Hauptstadt Paris liegt mit knapp 28 Euro Miete pro Quadratmeter an der Spitze im aktuellen Ranking, gefolgt von den norwegischen Städten Oslo (25,30 Euro) und Trondheim (21,30 Euro). Auch in Osteuropa ist Wohnen zur Miete mancherorts teurer als in Deutschlands Metropolen: etwa in Warschau, Prag und Budapest.

Damit zeigt sich auch im Mietpreisvergleich laut Deloitte eine enorme Spannweite bei den monatlichen Durchschnittsmieten, die von den genannten 27,80 Euro pro Quadratmeter in Paris bis zu günstigen 6,40 Euro pro Quadratmeter in der ungarischen Universitätsstadt Debrecen reichen. Berlin liegt bei moderaten 7,30 Euro pro Quadratmeter und damit niedriger als Frankfurt (8,40 Euro pro Quadratmeter), Hamburg (8,60 Euro pro Quadratmeter) und München.

Mietpreisranking: Die Top 20 (Durchschnitt pro Quadratmeter, 2018)

  1. Paris City (Frankreich): 27,80 Euro
  2. Oslo (Norwegen): 25,30 Euro
  3. Trondheim (Norwegen): 21,30 Euro
  4. London (Großbritannien): 20,10 Euro
  5. Bergen (Norwegen): 19,70 Euro
  6. Barcelona (Spanien): 19,60 Euro
  7. Kopenhagen (Dänemark): 19,00 Euro
  8. Amsterdam (Niederlande): 18,70 Euro
  9. Ile de France (Frankreich): 18,50 Euro
  10. Madrid (Spanien): 18,10 Euro
  11. Aarhus (Dänemark): 16,80 Euro
  12. Manchester (Großbritannien): 14,80 Euro
  13. Warschau (Polen): 14,60 Euro
  14. Rom (Italien): 13,40 Euro
  15. Prag (Tschechien): 13,40 Euro
  16. Den Haag (Niederlande): 13,10 Euro
  17. Lyon (Frankreich): 12,60 Euro
  18. Rotterdam (Niederlande): 12,40 Euro
  19. Odense (Dänemark); Mailand (Italien): jeweils 12,30 Euro
  20. Marseille (Frankreich): 11,60 Euro

Deloitte: Keine Immobilienblase in Europa zu erwarten

Eine europäische Spekulationsblase sieht Deloitte trotz der Preisanstiege in vielen europäischen Großstädten nicht. Weder seien stark steigende Zinsen zu erwarten, die zu einer Blase führen könnten, noch sei ein rasanter Anstieg der "Immobilienfinanzierung auf Pump" zu beobachten, wie es vor der großen Finanzkrise 2008 in mehreren Ländern der Fall gewesen sei, heißt es in der Studie. Auch eine systematische Ausweitung der Kreditgewährung für Immobiliendarlehen und eine dadurch induzierte zusätzliche Immobiliennachfrage sei derzeit am EU-Markt nicht zu beobachten.


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