BIM: Viel diskutiert, wenig umgesetzt
Wer sich in Sachen BIM und Gebäudelebenszyklus über den Stand der Dinge informieren möchte, hatte hierzu Ende November des vergangenen Jahres auf der BIM World Munich 2025 Gelegenheit. Mit 203 Ausstellern aus den Bereichen BIM, CAD, CAFM, Bestandsdatenerfassung, Aufmaß, Beratung und Fortbildung, der BIM-Town als Ansammlung von Start-ups und vorsichtigen Messe-Testern, dem BIM-Kongress und der CAFM-World als Unterausstellung mit eigenem Kongress-Slot hätte die Messe eigentlich einiges zu bieten. Wäre da nicht der Konjunktiv.
Zwischen Anspruch und Realität in der "BIM World"
Denn zum einen ähnelten diverse Vorträge eher einer Werbeverkaufsveranstaltung von der Bühne herab. Zum anderen stellte sich das Messemanagement durch die Konzentration der Konferenzräume ihrer groß angekündigten Unterausstellung CAFM-World ein Bein, indem sämtliche Vortrags-Locations auf der rechten Seite des ersten Obergeschosses angesiedelt waren.
Damit entfiel der bisher übliche Querverkehr zwischen linker und rechter Seite des oberen Foyers, weshalb der Bereich für CAFM, der genau dort angesiedelt war, häufig erschreckend leer blieb. Und leider war die diesjährige Messe auch inhaltlich nicht gerade spektakulär. Der Markt in Gestalt der Hersteller setzt zurzeit den Fokus vor allem auf zwei Aspekte: die Integration von Künstlicher Intelligenz in ihre Anwendungen und die Erweiterung der Kundenbasis. Viele Hersteller setzen KI vor allem klassisch für Algorithmen ein. Manche unterstützen damit auch eine automatisierte Kollisionsprüfung. Einen komplett neuen Ansatz zeigte nur Autodesk.
Die Amerikaner erweitern ihre Planungssoftware Forma um die Möglichkeit, nach Eingabe zentraler Parameter wie Geländefläche und Anforderungen an ein Gebäude, beispielsweise des sen Stockwerke und die Bauweise, durch KI gestützt wie von Zauberhand verschiedene Entwürfe zu bekommen. Dieser Ansatz soll die frühe Entwurfsphase beschleunigen. Andere Hersteller arbeiten an Werkzeugen, die helfen, Dokumente zu strukturieren und auszuwerten. Allerdings sind diese Werkzeuge noch in der Entwicklung. Wann die jeweiligen Lösungen marktreif sein werden, ist offen, da die Auswertung von Dokumenten wegen ihrer individuellen Strukturen und des freien Sprachgebrauchs deutlich komplexer ist als bei standardisierten Formularen, in denen spezifische Inhalte an immer der gleichen Stelle zu finden sind.
Start-Ups setzen auf Cloud-Lösungen
Ebenfalls zu beobachten ist, dass viele Anwendungen in die Cloud wandern oder überhaupt nur dort zu bekommen sind. Besonders die Software-Start-ups, die sich an den zwei Reihen Ministänden der BIM-Town präsentierten, greifen auf den installationsfreien Ready-to-use-Ansatz der Wolkenlösungen zurück. Die Anwendungen adressieren allerdings nur Nischen der BIM-Thematik. LastBIM hilft als Ergänzung zu Revit mit Standardkatalogen die Qualität der BIM-Daten im Projektverlauf zu sichern. VSK.software prüft mit BIM.Permit die Qualität von Planungsmodellen. Zenesis fokussiert auf KI-gestützte TGA-Planung. Eine Ausnahme in dem Reigen bildete das Softwarehaus Equa.
Die Schweden sind allerdings kein Start-up und waren zum Beispiel schon auf der digitalBAU 2024 als Aussteller präsent. Ihre Anwendung zur Gebäudesimulation ermöglicht Prognosen zu Energieverbrauch und Kostenentwicklung von geplanten Bauvorhaben, indem sie das jeweilige BIM--Modell in eine alltagsnahe Umgebung einbettet, über frei wählbare Zeiträume Aspekte wie Sonnenlauf, Wetterentwicklung und andere Einflussfaktoren simuliert und hieraus langfristige Betriebskosten, aber auch – abhängig von verwendeten Baumaterialien und -ausführungen – Kosten für Renovierung und Sanierung ableitet.
Charmant ist, dass sich einzelne Komponenten wie beispielsweise Fenster direkt in der Software ändern lassen, zum Beispiel in der Zahl, der Größe oder ihrer Qualität. Auch der Aufmaßanbieter Metrika 360 und der Dienstleister scanmetrix gehören nicht zum Segment der Start-ups, nutzten aber die vergleichsweise günstigen Mini-Tische, um als Aussteller präsent zu sein.
BIM und CAFM: Aktuellste Technologien fehlen
Was auf der Messe fehlte, waren aktuellste Technologien zur Visualisierung. Dazu gehört die jüngste Generation von Laserscannern, die in Rucksäcken getragen die Aufnahme der Punktwolken von Innenräumen weiter erleichtern. Und dazu gehört vor allem Gaussian Splatting. Der Begriff beschreibt ein Verfahren, mittels dessen sich aus Abbildungen Modelle rendern lassen. Einige Plattformanbieter, die auf der BIM-World Präsenz zeigten, untersuchen bereits, wie sich diese Technologie in ihre Anwendungen integrieren lässt, denn sie ermöglicht Nutzern, mit großen Daten wie Punktwolken umzugehen.
Dazu ist die Technologie schnell und kann je nach Ausrichtung auch Darstellungen in Quasi-Echtzeit bereitstellen. "Gaussian Splatting kann in Teilbereichen BIM-Modelle ersetzen. Für die Erfassung und die Aufbereitung dieser Daten sind allerdings spezielle Fachkenntnisse erforderlich", erläutert Michael Plat, Experte für Gebäudeaufnahme, Modellierung und BIM-Management, Nutzen und Grenzen bei einem Messegespräch.
Digitale Zwillinge jenseits von BIM
Was losgelöst von der BIM World Munich im FM-Markt gar nicht diskutiert wird, sind digitale Zwillinge jenseits reiner BIM-Modelle. Entsprechende Anwendungen führen die grafischen Daten beliebiger Formate in einem Gesamtmodell zusammen und verknüpfen diese mit den alphanumerischen Daten der jeweiligen Gebäude und Liegenschaften. Denn während die Integration von 2D- und 3D-Darstellungen inzwischen bei allen professionellen Anbietern Standard ist, fehlt bei vielen weiterhin der Schritt darüber hinaus.
Dazu gehört, BIM-Modelle in GIS-Karten zu integrieren. Das kann beispielsweise Dalux, sprach auf der Messe aber nicht darüber, weil diese Funktionalität vor allem bei Kunden aus dem Infrastrukturbereich gefragt ist. Auch Autodesk und Bentley Systems haben Anwendungen, die sich in dieser Richtung bewegen. Deutlich mehr kann das Softwarehaus speedikon, das seine Anwesenheit auf der BIM World Munich auf LinkedIn feierte, als hätte es einen dicht umlagerten Stand betreut, während lediglich ein Mitarbeiter über das Messeparkett flanierte.
Das ist schade, denn so entging den meisten Messebesuchern, dass es mit speedikon VIP eine Anwendung gibt, die praktisch sämtliche grafischen Daten von GIS-Karten, Google Maps und Open StreetMap über CAD-Zeichnungen und BIM-Modelle bis zu Fotos und Punktwolken in einem einzigen Modell integriert, dabei verzerrte Fotos automatisch ausrichtet, aus den Fotos auch Punktwolken generieren kann – interessant für die Darstellung von Dächern, die in der Regel nicht gescannt werden können – und alles auf den Millimeter genau gleich platziert, womit es sogar möglich wird, in einer fotografischen Darstellung präzise zu messen.
BIM in der Praxis weiterhin rar
Damit ist BIM in Deutschland technisch angekommen. In der Anwendung hapert es aber nach wie vor. Und noch viel mehr in der Umsetzung – auch in der Wohnungswirtschaft. Von fünf für die Recherche befragten Unternehmen antworteten lediglich zwei, und eines davon sieht keinen Bedarf für BIM. Der Grund: "Da BIM aus unserer Sicht in erster Linie im Segment Neubau zum Einsatz kommt, gibt es vor diesem Hintergrund bei uns zurzeit keinen Bedarf, BIM zu nutzen, sodass es für uns nicht relevant ist", sagt Mischa Lenz, Pressesprecher der LEG Immobilien Gruppe.
Bei der Vonovia schaut es anders aus: "Ja, wir treiben das Thema BIM aktiv voran", versichert deren Pressesprecher Marc Friedrich. Die Methode sei ein zentraler Bestandteil im Rahmen der Digitalisierung von Bau- und Immobilienprozessen und werde insbesondere bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten genutzt, um die Effizienz und Qualität der Prozesse zu steigern. BIM ermöglicht es, alle relevanten Daten eines Bauvorhabens in einem digitalen Modell zu bündeln und so die Zusammenarbeit zwischen den Projektbeteiligten zu verbessern.
"Neben der Planung setzen wir BIM auch für die Kostenkalkulation und Bauüberwachung ein, da wir durch die digitale Modellierung jederzeit genaue Mengen- und Kosteninformationen zur Verfügung haben. Zudem schafft der Einsatz von BIM die Basis für eine moderne und nachhaltige Bewirtschaftung unserer Bestandsobjekte", unterstreicht Friedrich den Wert von BIM.
Ein Auszug aus dem Beitrag "Niemand macht BIM, weil es gut aussieht" in der aktuellen Ausgabe 01/26 der "Immobilienwirtschaft".
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