Geschenke pauschal versteuern

Es ist keine Seltenheit, dass im Rahmen einer Außenprüfung Sachgeschenke festgestellt werden, die der Beschenkte nicht als Betriebseinnahme erfasst hat. Die Folge: Er muss nachträglich Steuern darauf zahlen. Ein Geschenk kann so den gewünschten Effekt verfehlen. Das können Sie vermeiden, indem Sie pauschal versteuern.

Besonderheiten bei Unternehmen: Der Schenker kann Geschenke pauschal versteuern und die Steuer übernehmen

Ist der Beschenkte ein Unternehmer, muss er den Wert des Geschenkes (Marktwert) in der Regel als Betriebseinnahme erfassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob und in welchem Umfang der Schenkende die Aufwendungen als Betriebsausgaben abziehen kann.

Der Beschenkte muss

  •  bei privater Verwendung des Geschenkes den Wert als Betriebseinnahme und anschließend als Privatentnahme erfassen
  •  bei betrieblicher Verwendung des Geschenkes den Wert als Betriebseinnahme und gleichzeitig als Betriebsausgabe erfassen

Um eine solche Erfassung beim Beschenkten zu vermeiden, kann der Schenker die Steuer im Vorfeld übernehmen.

Wichtig: Übernahme der Besteuerung (pauschal) durch Schenkenden

Der Beschenkte muss den Wert des Geschenkes nicht als Betriebseinnahme erfassen, wenn der Schenker ihm mitteilt, dass er die Zuwendung mit 30 % pauschal nach § 37b EStG versteuert (hat). Hinzu kommen Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Die Pauschalsteuer nach § 37b EStG wird ans Finanzamt abgeführt und darf dann als Betriebsausgabe verbucht werden. Im Klartext: Der Schenker übernimmt die Pauschalsteuer und befreit damit den Beschenkten von der Besteuerung. Dieser muss dann nichts weiter tun. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber, dass der Schenker dem Beschenkten über die Steuerübernahme unterrichtet (§ 37b Abs. 3 Satz 3 EStG), sonst geht die Steuerübernahme ins Leere.

Geschenke an Geschäftspartner: Pauschalversteuerung i.H.v. 30 %

Damit der Beschenkte richtig Freude an seinem Geschenk hat und keine Einnahmen dafür versteuern muss, sollten Unternehmer ihre Geschenke an Geschäftsfreude grundsätzlich der Pauschalsteuer i.H.v. 30 % (§ 37b EStG) unterwerfen und dies dem Beschenkten mitteilen. Das erhöht nicht nur beim Beschenkten die Freude, sondern Sie können als Schenker auch die Pauschalsteuer als Betriebsausgabe verbuchen, sofern das Präsent ebenfalls als Betriebsausgabe abziehbar ist.

Steuer richtig errechnen

Die Pauschalsteuer in Höhe von 30 % bemisst sich nach der Höhe der Aufwendungen einschließlich Umsatzsteuer (§ 37b Abs. 1 Satz 2 EStG). Die Pauschalierung ist ausgeschlossen, soweit die Aufwendungen je Empfänger und Jahr oder pro Zuwendung den Betrag von 10.000 EUR übersteigen (§ 37b Abs. 1 Satz 3 EStG).

Wichtig: Pauschale Versteuerung wird bei der Berechnung der Freigrenze berücksichtigt

Wenn der Unternehmer die Geschenkzuwendungen pauschal mit 30% versteuert, gehört auch die pauschale Steuer zu den Zuwendungen und muss hinzugerechnet werden, da sie nach Auffassung des BFH (BFH, Urteil v. 30.3.2017 - IV R 13/14) ebenso als „Geschenk“ qualifiziert wird. Soweit also der Wert des Geschenks selbst oder zusammen mit der übernommenen pauschalen Einkommensteuer den Wert von 35 EUR übersteigt, wird der Betriebsausgabenabzug verwehrt.

Praxis-Hinweis: Vereinfachung zugunsten des Steuerpflichtigen

Der zuwendende Unternehmer, der die Wertgrenze von 35 EUR einhalten will, muss nach dem BFH-Urteil folglich darauf achten, dass der Wert des Geschenkes und die übernommene pauschale Einkommensteuer den Betrag von 35 EUR nicht übersteigen. Allerdings hatte der BFH hierbei nicht beachtet, dass das BMF (BMF, Schreiben v. 19.5.2015, IV C 6 - S 2297 - b/14/10001) bereits festgesetzt hatte, dass aus Vereinfachungsgründen bei der Prüfung der Freigrenze allein der Betrag der Zuwendung maßgeblich ist, also ohne die übernommene Steuer mit einzubeziehen. Laut Bund der Steuerzahler (Pressemitteilung vom 29.8.2017) hat der BMF in diesem Zusammenhang entschieden, dass das BFH-Urteil zwar bindend ist, doch in dem entsprechenden Punkt mit einer Fußnote versehen wird. Damit wird das BFH-Urteil in diesem Punkt zugunsten der Steuerpflichtigen nicht angewendet (Nichtanwendungserlass durch Fußnote). Die pauschale Steuer wird demnach (doch) nicht hinzugerechnet.

Ausnahme bei ausländischen Kunden

Werden ausländische Geschäftspartner beschenkt, die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegen, müssen keine Pauschalsteuern an das Finanzamt abgeführt werden.

Ausnahme bei Streuwerbeartikel: Grenze beachten

Kleine Werbegeschenke von geringem Wert bis 10 EUR, wie z.B. Stifte oder Einwegfeuerzeuge, werden nicht besteuert. Sie gelten als Streuwerbeartikel, welche das Ziel haben, durch ihre breite Streuung eine Vielzahl von Menschen zu erreichen und damit den Bekanntheitsgrad des Unternehmens steigern. Der Beschenkte braucht den Wert solcher Geschenke dann auch nicht als Einnahme erfassen. Darüber hinaus entfallen auch die Aufzeichnungspflichten beim Schenker: Die Namen der Empfänger müssen nicht festgehalten werden.

Praxis-Hinweis: Bis 10 EUR als Streuwerbeartikel steuerfrei

Die Finanzverwaltung stuft alle Sachzuwendungen, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten unter 10 EUR liegen, als Streuwerbeartikel ein. Besteht der einzelne Werbeartikel aus einer Sachgesamtheit, z.B. aus einem Etui mit 2 Kugelschreibern, ist für die Prüfung der 10-EUR-Grenze auf den Wert der Sachgesamtheit abzustellen.

Keine Pauschalsteuer bei Gegenleistung

Liegt eine konkrete Gegenleistung vor, handelt es sich nicht um ein Geschenk, sodass die pauschale Besteuerung nach § 37b EStG nicht angewendet werden kann. Es ist daher immer zu prüfen, ob das Geschenk wirklich eine unentgeltliche Zuwendung ist oder sich der Schenkende etwas davon verspricht, was über eine „gute weitere Zusammenarbeit“ hinausgeht. Das gilt für teure Geschenke in besonderem Maße.

Schlagworte zum Thema:  Pauschalsteuer, Geschenk, Betriebsausgaben