29.09.2015 | Top-Thema Wechsel der Steuerschuldnerschaft bei Bauleistungen ab 1.10.2014

Bauleistungen, die unter das Reverse-Charge-Verfahren fallen

Kapitel
Leistungen wie Werklieferungen oder sonstige Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, gehören zu den Bauleistungen, die unter das Reverse-Charge-Verfahren fallen.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Einige Bauleistungen fallen unter das Reverse-Charge-Verfahren. Informieren Sie sich in Kapitel drei, um welche Bauleistungen es sich dabei handelt und welche Zweifelsfälle es gibt.

Zu den Bauleistungen, die unter das Reverse-Charge-Verfahren fallen, gehören Werklieferungen oder sonstige Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung oder Beseitigung von Bauwerken dienen, mit Ausnahme von Planungs- und Überwachungsleistungen (§ 13b Abs. 5 Satz 2 UStG). Die Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers tritt auch dann ein, wenn er Bauleistungen in Anspruch nimmt, die nicht unmittelbar mit den Bauleistungen zusammenhängen, die er selbst gegenüber Dritten ausführt. Er schuldet als Leistungsempfänger die Umsatzsteuer auch dann, wenn er die erhaltende Leistung

  • für eigene betriebliche Zwecke verwendet oder
  • für (eigene) private Zwecke verwendet (§ 13b Abs. 5 Satz 2 UStG).

Praxis-Beispiel: Einbau in privates Gebäude

Bauunternehmer Huber beauftragt den Heizungsbauer Krüger, in sein privates Einfamilienhaus eine Heizungsanlage einzubauen. Herr Huber führt als Bauunternehmer nachhaltig Umsätze über Bauleistungen aus. Der Einbau der Heizungsanlage kostet netto ohne Umsatzsteuer 7.000 EUR und ist eine Werkleistung von Herrn Krüger, die unter § 13b Abs. 2 Nr. 4 UStG fällt. Für diesen Umsatz ist Herr Huber als Leistungsempfänger Steuerschuldner, da er selbst nachhaltig Umsätze mit Bauleistungen erbringt. Unbeachtlich ist, dass der von Herr Krüger erbrachte Umsatz für seinen privaten Bereich ausgeführt wird.

Herr Krüger berechnet 7.000 EUR und weist in seiner Rechnung darauf hin, dass nicht er sondern Herr Huber als Leistungsempfänger Schuldner der Umsatzsteuer (in Höhe von 1.330 EUR) Ist. Herr Huber zahlt die 7.000 EUR von seinem Betriebskonto.

Zahlt Herr Huber den Betrag von seinem Privatkonto, dann muss er nur die Umsatzsteuer, die er nach § 13b UStG schuldet als Privatentnahme buchen. Erbringt ein Unternehmer eine Leistung, die keine Bauleistung ist, und bezeichnet er sie dennoch in der Rechnung als Bauleistung, schuldet der Leistungsempfänger nicht die Umsatzsteuer für diesen Umsatz.

Leistungen, die zu den Bauleistungen zählen

Zu den Bauleistungen gehören insbesondere

  • der Einbau von Fenstern und Türen sowie Bodenbelägen, von Aufzügen, Rolltreppen und Heizungsanlagen;
  • der Einbau von Einrichtungsgegenständen, wenn sie mit einem Gebäude fest verbunden sind und der gelieferte Gegenstand nicht ohne größeren Aufwand mit dem Bauwerk verbunden oder vom Bauwerk getrennt werden kann, z. B. Ladeneinbauten, Schaufensteranlagen, Gaststätteneinrichtungen;
  • Werklieferungen großer Maschinenanlagen, die zu ihrer Funktionsfähigkeit aufgebaut werden müssen;
  • Werklieferungen von Gegenständen, die aufwändig in oder an einem Bauwerk installiert werden müssen;
  • Erdarbeiten im Zusammenhang mit der Erstellung eines Bauwerks;
  • EDV- oder Telefonanlagen, die fest mit dem Bauwerk verbunden sind, in das sie eingebaut werden. Die Lieferung von Endgeräten allein ist dagegen keine Bauleistung;
  • die Dachbegrünung eines Bauwerks;
  • der Hausanschluss durch Versorgungsunternehmen (die Hausanschlussarbeiten umfassen regelmäßig Erdarbeiten, Mauerdurchbruch, Installation der Hausanschlüsse und Verlegung der Hausanschlussleitungen vom Netz des Versorgungsunternehmens zum Hausanschluss), wenn es sich um eine eigenständige Leistung handelt;
  • künstlerische Leistungen an Bauwerken, wenn sie sich unmittelbar auf die Substanz auswirken und der Künstler auch die Ausführung des Werks als eigene Leistung schuldet. Stellt der Künstler lediglich Ideen oder Planungen zur Verfügung oder überwacht er die Ausführung des von einem Dritten geschuldeten Werks durch einen Unternehmer, liegt keine Bauleistung vor;
  • ein Reinigungsvorgang, bei dem die zu reinigende Oberfläche verändert wird. Dies gilt z. B. für eine Fassadenreinigung, bei der die Oberfläche abgeschliffen oder mit Sandstrahl bearbeitet wird;
  • Werklieferungen von Fotovoltaikanlagen, die auf oder an einem Gebäude oder Bauwerk installiert werden (z. B. dachintegrierte Anlagen, Auf-Dach-Anlagen oder Fassadenmontagen).

Zweifelsfälle

Der Wechsel der Steuerschuldnerschaft ist zwingend und kann von den betroffenen Unternehmern nicht nach eigenen Vorstellungen geändert werden. Es kann allerdings Zweifelsfälle geben, bei denen die Entscheidung schwierig ist. Sind der Leistungsempfänger und der leistende Unternehmer in Zweifelsfällen übereinstimmend davon ausgegangen, dass die Voraussetzungen für einen Wechsel der Steuerschuldnerschaft vorliegen, obwohl dies objektiv nicht der Fall ist, gilt der Leistungsempfänger dennoch als Steuerschuldner, wenn dadurch keine Steuerausfälle entstehen.

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Schlagworte zum Thema:  Umsatzsteuer, Wechsel der Steuerschuldnerschaft, Reverse-Charge-Verfahren, Bauleistung

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