22.10.2013 | Top-Thema Umlaufvermögen richtig bewerten

Wertansatz bei Zugang

Kapitel
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Vermögensgegenstände des Umlaufvermögens, wie Vorräte oder Forderungen, müssen bei ihrem Zugang sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz mit ihren Anschaffungs- oder Herstellungskosten bewertet werden. Dabei werden nicht alle Aufwendungen, die mit dem Vermögensgegenstand in Verbindung stehen, einbezogen.

Ansatz des Zugangswertes

Geht einem Unternehmen ein Vermögensgegenstand zu, muss dieser in der Handels- und in der Steuerbilanz zu einem bestimmten Wert angesetzt werden. Dieser „Zugangswert“ setzt sich entweder aus den Anschaffungs- oder aus den Herstellungskosten des Vermögensgegenstandes zusammen. Dieser Wert in Höhe der Anschaffungs- oder Herstellungskosten darf in der Handelsbilanz nicht überschritten werden (§ 253 Abs. 1 Satz 1 HGB) – auch dann nicht, wenn es später aus bestimmten Gründen zu einer Werterhöhung kommt.

Davon abweichend kann in der Steuerbilanz als Zugangswert auch ein anderer, an die Stelle der Anschaffungs- und Herstellungskosten tretender Wert angesetzt werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG).

Die Anschaffungskosten (§ 255 Abs. 1 HGB) setzen sich sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz aus folgenden Aufwendungen abzüglich der Minderungen des Anschaffungspreises (Skonto, Bonus, Rabatt) zusammen:

  • Aufwendungen für den Erwerb des Vermögensgegenstandes
  • Aufwendungen, um den Vermögensgegenstand in einen betriebsbereiten (d.h. wenn sie verbraucht, verwertet oder veräußert werden können) Zustand zu versetzen (z. B. Ablade- und Verladekosten)
  • Aufwendungen, die dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können (d.h. Einzelkosten, wie z. B. Einzelfrachten, und keine Gemeinkosten, wie z. B. Abschreibungen für die Lagerhalle)
  • Nebenkosten (z. B. Provisionen, Courtage, Kommissionskosten, Zoll, Lagergelder)
  • Nachträgliche Anschaffungskosten

Beispiele:

  • Vorräte, die für die Produktion bestimmten Roh-, Hilfs- oder Betriebsstoffe und zum Verkauf bestimmten Waren werden mit den Anschaffungskosten bewertet.
  • Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, gegen verbundene Unternehmen oder Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, sofern diese Forderungen angeschafft wurden. Sie sind mit ihrem Geldwert (sog. Nennwert) einschließlich Umsatzsteuer anzusetzen.
  • Sonstige Vermögensgegenstände.
  • Wertpapiere des Umlaufvermögens werden mit dem Kaufpreis zuzüglich der Anschaffungsnebenkosten (z. B. Bankspesen, Provisionen, Zuzahlungen bei Kapitalerhöhungen) und abzüglich der Anschaffungspreisminderungen (z. B. Übernahmeprovisionen, Bonifikationen) angesetzt.

Die folgenden Vermögensgegenstände werden mit ihren Herstellungskosten bewertet:

  • Unfertige Erzeugnisse
  • Unfertige Leistungen, u.a. auch die in Ausführung befindlichen Dienstleistungsaufträge von Dienstleistern
  • Fertige Erzeugnisse, u.a. auch Bauten bei Bauunternehmern, auch wenn diese z. B. nur den Rohbau zu liefern haben

Wichtig: Sowohl handelsrechtlich als auch steuerrechtlich müssen die Fertigungseinzelkosten (Materialkosten, Fertigungskosten und Sonderkosten der Fertigung) als Herstellungskosten angesetzt werden (Aktivierungsgebot).

Hinweis: Die Fertigungsgemeinkosten werden unterschieden:

Handelsrecht

Steuerrecht

Angemessene Teile

  • der Materialgemeinkosten

  • der Fertigungsgemeinkosten

  • des Wertverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Fertigung veranlasst ist

Aktivierungsgebot (§ 255 Abs. 2 Satz 2 HGB)

Angemessene Teile der

  • notwendigen Materialgemeinkosten

  • notwendigen Fertigungsgemeinkosten

  • der angemessenen Kosten der allgemeinen Verwaltung

  • der angemessenen Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung

Wertverzehr von Anlagevermögen, soweit er durch die Herstellung des Wirtschaftsguts veranlasst ist

Aktivierungsgebot (R 6.3 Abs. 1 EStR 2012)

Soweit auf den Zeitraum der Herstellung entfallen:

  • angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung

  • angemessene Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung

Aktivierungswahlrecht (§ 255 Abs. 2 Satz 3 HGB)

 

Zinsen für Fremdkapital allgemein Aktivierungsverbot (§ 255 Abs. 3 Satz 1 HGB

Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Vermögensgegenstands verwendet wird, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen Aktivierungswahlrecht (§ 255 Abs. 3 Satz 2 HGB

Zinsen für Fremdkapital allgemein Aktivierungsverbot (§ 5 Abs. 1 Satz 1, 1. Halbsatz EStG)

Zinsen für Fremdkapital, das zur Finanzierung der Herstellung eines Wirtschaftsguts verwendet wird, soweit sie auf den Zeitraum der Herstellung entfallen Aktivierungswahlrecht (R 6.3 Abs. 5 Satz 1 EStR 2012).

Bei Aktivierung in der Handelsbilanz Aktivierungsgebot (R 6.3 Abs. 5 Satz 2 EStR 2012).

Forschungs- und Vertriebskosten

Aktivierungsverbot (§ 255 Abs. 2 Satz 4 HGB)

Forschungs- und Vertriebskosten

Aktivierungsverbot (§ 5 Abs. 1 Satz 1, 1. Halbsatz EStG)

 

Schlagworte zum Thema:  Umlaufvermögen, Anschaffungskosten, Vermögensgegenstand

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