Für deutsche Unternehmen, die bereits durch die E-Bilanz mit der Erstellung elektronischer Abschlüsse konfrontiert sind, bietet das neue Berichtsformat die Chance, Synergieeffekte zu nutzen. Zudem kann bei der Umsetzung auf Erfahrungen mit der Implementierung der E-Bilanz zurückgegriffen werden. Langfristig scheint eine vollständige Digitalisierung und Automatisierung der Buchhaltung und Abschlusserstellung unumgänglich – aber auch erstrebenswert.

Chancen durch ESEF, aber auch gleichzeitig einige Fragezeichen

Zwar ist in jedem Fall mit steigenden Kosten für die Berichterstattung zu rechnen, diese können jedoch ggf. durch zunehmende Automatisierungen in der Buchhaltung wieder ausgeglichen werden. Gleichzeitig ist es aus Sicht der Adressaten fraglich, ob der Bericht in XHTML statt (oder zusätzlich zu) PDF sowie die XBRL-Etikettierung – in ihrer jetzigen Form – tatsächlich einen Informationsgewinn generieren. Ein Großteil der Informationen in Finanzberichten gelten bis zu deren Veröffentlichung meist als bereits am Markt eingepreist. Aufgrund ihrer Standardisierung und der Prüfung durch einen Abschlussprüfer sind Informationen aus Finanzberichten für tiefergehende Analysen dennoch sehr wichtig. Institutionelle Anleger nutzen daher längst Serviceanbieter, die Finanzberichte aller Formate in maschinell analysierbare Datensätze übersetzen. Hierbei sind meist (quantitative) Anhangangaben weit wichtiger als die Positionen in den Hauptrechenwerken. Solange nicht alle zur Analyse nötigen Informationen verpflichtend mit XBRL-Tags versehen werden müssen, wird man auf diese Datenlieferanten nicht verzichten können. Selbst die ab dem Jahr 2022 zu verwendenden Etiketten beziehen sich hauptsächlich auf Textblöcke. Folglich verweist das Tag lediglich auf den Textabschnitt, in welchem eine Information steht, nicht jedoch auf quantitativ nutzbare Angaben. Entsprechend stellen die XBRL-Etiketten diesbezüglich lediglich eine Erleichterung bei der Informationsbeschaffung dar.

Bewertung des Standards uneinheitlich

Um den technischen Regulierungsstandard angemessen bewerten zu können, war die ESMA verpflichtet, einen Feldtest durchzuführen, der nach Angaben der Behörde zur hohen Zufriedenheit der Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen wurde. Der Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e.V. (DRSC) bezweifelt diese Schlussfolgerung: Gerade die praktische Implementierung von XBRL-Tags in XHTML-Dateien sei fehleranfällig bzgl. der Maschinenlesbarkeit von Informationen. Sofern keine automatisierten Prüfmechanismen zur Beseitigung von Dezimal- und Vorzeichenfehlern implementiert würden, sei der Nutzen des neuen Berichtsformats infrage zu stellen.
Wenngleich die EU häufig kapitalmarktorientierte Unternehmen als Versuchsballon heranzieht, um Regelungen zu testen, die später auf alle Unternehmen Anwendung finden sollen, bleibt abzuwarten, ob dies im Falle des ESEF ebenfalls eintritt. Im Gegensatz zu den Anti-Korruptions-Regeln der CSR-Richtlinie sprechen im Fall der digitalen Berichterstattung sachliche Gründe gegen eine derartige Ausweitung. So sollte bei Fragen der IFRS-Berichterstattung das Adressateninteresse und nicht die technische Realisierbarkeit im Fokus stehen.

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Schlagworte zum Thema:  ESMA, E-Bilanz