Würdigung der ESEF

Für deutsche Unternehmen, die bereits durch die E-Bilanz mit der Erstellung elektronischer Abschlüsse konfrontiert sind, bietet das neue Berichtsformat die Chance, Synergieeffekte zu nutzen. Zudem kann bei der Umsetzung auf Erfahrungen mit der Implementierung der E-Bilanz zurückgegriffen werden.

Chancen durch ESEF, aber auch gleichzeitig einige Fragezeichen

Zwar ist in jedem Fall mit steigenden Kosten für die Berichterstattung zu rechnen, diese können jedoch ggf. durch zunehmende Automatisierungen in der Buchhaltung wieder ausgeglichen werden. Gleichzeitig ist es aus Sicht der Adressaten fraglich, ob der Bericht in XHTML statt (oder zusätzlich zu) PDF sowie die XBRL-Etikettierung – in ihrer jetzigen Form – tatsächlich einen Informationsgewinn generieren. Ein Großteil der Informationen in Finanzberichten gelten bis zu deren Veröffentlichung meist als bereits am Markt eingepreist. Aufgrund ihrer Standardisierung und der Prüfung durch einen Abschlussprüfer sind Informationen aus Finanzberichten für tiefergehende Analysen dennoch sehr wichtig. Institutionelle Anleger nutzen daher längst Serviceanbieter, die Finanzberichte aller Formate in maschinell analysierbare Datensätze übersetzen. Hierbei sind meist (quantitative) Anhangangaben weit wichtiger als die Positionen in den Hauptrechenwerken. Solange nicht alle zur Analyse nötigen Informationen verpflichtend mit XBRL-Tags versehen werden müssen, wird man auf diese Datenlieferanten nicht verzichten können. Selbst die ab dem Jahr 2022 zu verwendenden Etiketten beziehen sich hauptsächlich auf Textblöcke. Folglich verweist das Tag lediglich auf den Textabschnitt, in welchem eine Information steht, nicht jedoch auf quantitativ nutzbare Angaben. Entsprechend stellen die XBRL-Etiketten diesbezüglich lediglich eine Erleichterung bei der Informationsbeschaffung dar.

Ausweitung des XBRL Tagging auf nichtfinanzielle Erklärung

Die Taxonomie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852 v. 18.06.2020) über die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen und zur Änderung der Verordnung (EU) 2019/2088 verlangt bereits neue Kennzahlen, die ebenfalls in die Taxonomie über einen technischen Standard der ESMA aufgenommen werden sollen. Nach Art. 8 der Verordnung haben insbesondere bestimmte kapitalmarktorientierte Nicht-Finanzunternehmen Folgendes in ihrer Nichtfinanziellen (Konzern-)Berichterstattung (§ 289b HGB/§ 315b HGB) anzugeben:

  • a) den Anteil ihrer Umsatzerlöse, der mit Produkten oder Dienstleistungen erzielt wird, die mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die als ökologisch nachhaltige gemäß Art. 3 und Art. 9 der EU-VO einzustufen sind; und
  • b) den Anteil ihrer Investitionsausgaben und, soweit zutreffend, den Anteil der Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Vermögensgegenständen oder Prozessen, die mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die als ökologisch nachhaltig gemäß Art. 3 und Art. 9 einzustufen sind.

Die genaue Messung und Bewertung ist noch weiter auszugestalten, doch soll die Pflicht im Laufe des Jahres 2021 starten, was erneut die enorme Geschwindigkeit verdeutlicht, mit der die EU die Unternehmen direkt bzw. indirekt über die Finanzierung zu einem nachhaltigen – insb. klimafreundlichen – Handeln motivieren will.

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Schlagworte zum Thema:  Jahresabschluss, Offenlegung, ESMA