Die IFRS sind Rechnungslegungsstandards mit weltweiter Akzeptanz. Erarbeitet und weiterentwickelt werden sie von der International Financial Reporting Standards Foundation (IFRSF). Kapitalmarktorientierte Unternehmen sind zur Anwendung der IFRS verpflichtet. Welche Unternehmen damit gemeint sind und wann eine freiwillige Anwendung unter Umständen Sinn macht, das zeigt dieses Kapitel auf.

Pflicht zur Anwendung der IFRS

Kapitalmarktorientierte Unternehmen haben laut EU-Verordnung Nr. 1606/2002 (sog. IAS-Verordnung) ihre Konzernabschlüsse seit dem Geschäftsjahr 2005 nach diesen IFRS-Regeln aufzustellen. Als kapitalmarktorientiert gelten Mutterunternehmen, deren Wertpapiere - Aktien und/oder Schuldverschreibungen - zum Handel an einem organisierten Kapitalmarkt innerhalb der Europäischen Union zugelassen sind. In Deutschland ist die o.g. EU-Verordnung mit dem Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) im Dezember 2004 zu nationalem Recht geworden. Seit 2009 sind auch Unternehmen zur Anwendung der IFRS verpflichtet, deren Wertpapiere zwar noch nicht gehandelt werden, sich aber im Zulassungsprozess befinden (vgl. §264 d HGB).

Freiwillige Anwendung der IFRS

Aber auch nicht kapitalmarktorientierte Mutterunternehmen haben das Recht, ihren Konzernabschluss nach IFRS aufzustellen. § 315 a HGB enthält dazu nähere Vorschriften für IFRS-Konzernabschlüsse deutscher Unternehmen, unter anderem bezüglich des Lageberichts, der Prüfung, Offenlegung von Konzernschlüssen und bestimmter Angaben im Berichtsanhang.

Gute Gründe, nach IFRS zu bilanzieren

Kleine und mittelgroße Unternehmen bilanzieren nach wie vor nach deutschem Handelsrecht. „Das eigentliche Ziel der IFRS, die Bereitstellung von entscheidungsnützlichen Informationen v.a. für Investoren und Gläubiger, besitzt bei inhabergeführten Unternehmen sicherlich einen etwas anderen Stellenwert als bei kapitalmarktorientierten Unternehmen“, so Christian Landgraf, Certified Public Accountant, Wirtschaftsprüfer und Partner bei Rödl. Natürlich mache nicht für alle Unternehmen ein Übergang von HGB auf IFRS Sinn. Dennoch könne es im Einzelfall gute Gründe dafür geben. Für zwei Gruppen von Unternehmen hat nach Ansicht der Experten von Rödl eine Umstellung des Rechnungswesens auf IFRS erfahrungsgemäß Vorteile:

  • Perspektivische Anwendung: Unternehmen, die die mittel- oder langfristig den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen wollen, können durch eine frühzeitige Anwendung Erfahrungen sammeln, was bei einer späteren Einführung den Aufwand reduzieren hilft
  • Wettbewerb um Investoren: Unternehmen mit einer stark international ausgerichteten Geschäftstätigkeit verfügen über Zahlen und Informationen für einen unmittelbaren Vergleich mit oftmals ausländischen Wettbewerbern.

„Die IFRS-Zahlen können aber auch zur operativen und strategischen Steuerung von Unternehmensbereichen eingesetzt werden und unterstützen damit die Angleichung von internem und externem Rechnungswesen“, so Experte Landgraf.