Wie gewohnt eröffnete Prof. Dr. Utz Schäffer, Direktor des Instituts für Management und Controlling, die nun schon 19. Auflage des WHU Campus for Controlling – diesmal mit spannenden Einblicken in die Ergebnisse der neuesten WHU-Delphi-Studie zum Thema "Zukünftige Controllerrollen und Kompetenzen". Seit Jahren steht das Controlling unter Transformationsdruck. Digitalisierung, Automatisierung, ESG, VUCA – die Anforderungen steigen. Die neue WHU-Delphi-Studie 2025 baut auf den Ergebnissen von 2019 und 2022 auf und liefert eine umfassende Antwort auf die Frage, wie sich die Rollen und Kompetenzen von Controllern weiterentwickeln. Im Fokus steht dabei kein neues Idealbild, sondern ein flexibler Rollenbaukasten – ein "Repository" von zehn möglichen Rollen: Service Expert, Functional Expert, Change Agent, Scorekeeper, Guardian, Business Partner, Data Steward, Data Engineer, Data Scientist und Decision Scientist.
Ein Rollen-Repository, kein Dogma
Prof. Schäffer betont: Unternehmen sollen nicht alle Rollen übernehmen, sondern gezielt entscheiden, welche davon für sie heute und in Zukunft relevant sind. Die Rollen verstehen sich als Aufgabenbündel, nicht als starre Stellenbeschreibungen. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung, sondern die gelebte Funktion: Wer tut was – und mit welcher Wirkung? Rollenklarheit schafft Orientierung und eröffnet Entwicklungsräume, ohne jeden Controller zur eierlegenden Wollmilchsau zu machen.
Datenorientierte Rollen im Controlling
Mit Data Engineer, Decision Scientist und Data Steward werden Rollen wichtiger, die für die Gestaltung datenbasierter Steuerungsmodelle entscheidend sind. Während der Data Engineer für Systeme und Infrastruktur sorgt und der Data Steward Datenstandards und Governance kuratiert, nimmt der Decision Scientist eine Schlüsselfunktion ein: Er stellt sicher, dass im Vorfeld die richtigen Fragen gestellt werden und übersetzt Analysen in Entscheidungen. Damit wird er zur Leitrolle für den Data Scientist – so wie der Business Partner für den Scorekeeper. Zugleich öffnet er auch dem Business Partner neue Perspektiven jenseits der traditionellen Finanzdatenwelt. Diese Rollen verdeutlichen: Datenkompetenz ist mehr als Technik – sie verlangt betriebswirtschaftliches Urteilsvermögen.
Business Partnering neu gedacht
Der Business Partner bleibt Leitfigur, wird aber neu konturiert: Er begleitet nicht nur kritisch, sondern sorgt aktiv dafür, dass Erkenntnisse Wirkung entfalten. Auch der Guardian erhält ein Update: Compliance mit internen und externen Richtlinien (inkl. Risikomanagement und ESG) rückt in den Fokus – ein Spiegel gesellschaftlicher wie regulatorischer Entwicklungen. Die Studie zeigt: Traditionelle Rollen bleiben – aber sie verändern sich inhaltlich und gewinnen neue Relevanz.
Rollendifferenzierung braucht Kompetenzmanagement
Unterschiedliche Rollen erfordern unterschiedliche Kompetenzen – und nicht alle werden von den Befragten gleichermaßen stark eingeschätzt. In ihrer Selbsteinschätzung sehen vom WHU Controller Panel befragte Controller vor allem Kenntnis finanzieller Kennzahlen, der Controlling- und Steuerungsprozesse, persönliche Integrität, analytisches Denken und Problemlösungskompetenzen als Stärken. Deutlich geringer bewerten sie hingegen ihre datenbezogenen Fähigkeiten sowie Kenntnisse im Change-Management und in agilen Methoden. Die Studie plädiert daher für aktives "Role-Making" statt passivem "Role-Taking": Controller sollen ihre Rollen selbst gestalten und Kompetenzlücken gezielt schließen. Dies gelingt durch Learning-on-the-job, Cross-Functional Assignments, Mentoring oder das Recruiting digitaler Talente. Rollenspezifische Kompetenzprofile helfen dabei, diese Entwicklung gezielt zu steuern. Die Studie zeigt: Die Erkenntnisse von 2019 und 2022 gelten weiter – doch datenbezogene Kompetenzen, Kompetenzen im Bereich Kommunikation und Leadership sowie Kenntnisse in benachbarten Finanzfunktionen werden wichtiger.
Die Zukunft der Controller liegt nicht in der eierlegenden Wollmilchsau, sondern in der gezielten Differenzierung von Rollen und dem systematischen Kompetenzaufbau. Die neue WHU-Delphi-Studie liefert dafür ein praxistaugliches Modell – und eine Einladung an jedes Unternehmen, Controlling aktiv weiterzudenken.