Harmonisierung eines heterogenen Zielsetzungsprozesses
Die DHL-Group gehört zu den führenden Logistikanbietern der Welt. 2024 erzielte sie einen Umsatz von über 80 Mrd. Euro, verteilt auf fünf Divisionen: Express, Global Forwarding & Freight, Supply Chain, eCommerce sowie Post & Paket Deutschland. Die Divisionen unterscheiden sich stark in ihren individuellen Geschäftsmodellen, was historisch zu einem komplexen, insbesondere Excel-geprägten Planungsprozess mit divisionsabhängigen Detaillierungsgraden führte. Ziel war es daher, den Target-Setting-Prozess grundlegend zu modernisieren und zu harmonisieren. Dabei sollte ein schlanker Top-Down-Ansatz etabliert werden, der sich auf wenige, steuerungsrelevante Kennzahlen fokussiert.
Standardisierung und Einführung einer modernen Planungsplattform
Die Entscheidung für IBM Planning-Analytics erfolgte nach einer detaillierten Evaluierung potenzieller Planungslösungen – unter anderem gestützt auf die aktuelle BARC-Studie. Für eine gute User Experience wurde zudem das Front-End mittels Apollo/Mosaik abgebildet. Ergänzend hierzu sorgten die integrierten Workflow-Funktionen für eine effiziente und zuverlässige Dateneingabe.
Der neue Target-Setting-Prozess umfasst drei zentrale Schritte, die alle benutzerfreundlich in eigens entwickelten Planungsmasken ablaufen:
- Divisionsplanung: Jede Division liefert initiale Planwerte, die automatisiert zu einer Konzernplanung konsolidiert werden.
- Abgleich/Überprüfung: Das Konzerncontrolling gleicht den eigenen, aus der Strategie abgeleiteten Zielanspruch mit der Divisionsplanung ab und hinterlegt potenzielle Top-Down-Vorgaben für die jeweilige KPI.
- Ziellückenschließung: Die Divisionen schließen die Ziellücke der eigenen Planung zur Top-Down-Vorgabe und hinterlegen die Details in der finalen Planungsabgabe, inklusive der Berücksichtigung von Maßnahmen.
Für das Plenum war besonders interessant, dass das Konzerncontrolling der DHL-Group lediglich ein standardisiertes Mindestmaß an Kennzahlen und Granularität für alle Divisionen verpflichtend definierte. Die Planung weiterer Details bleibt optional in den Händen der jeweiligen Division, um den spezifischen Anforderungen und Treibern gerecht werden zu können.
Integrierte Planung als Hebel zur Effizienzsteigerung
Die Vortragenden stellten den neu entwickelten Target-Setting-Prozess als wesentlichen Hebel zur Steigerung der Prozesseffizienz dar und identifizierten dabei mehrere, strukturelle Vorteile. Hervorzuheben ist insbesondere die erzielte Reduktion des zeitlichen Aufwands, die sich vor allem in eng getakteten Planungszyklen als relevant erweist. Ebenso wurde die sofortige Verfügbarkeit neuer Informationen und die damit vereinfachte Kommunikation zwischen den relevanten Stakeholdern positiv beschrieben.
Top-Down-Anpassungen sind umgehend für jeden Verantwortlichen ersichtlich. Zeitaufwendige Abstimmungs- und Erklärungsrunden werden entsprechend auf ein Minimum reduziert. Auch die Möglichkeit zur Integration von Planzahlen und Forecasts in einer Umgebung sowie ein schlankes und überschaubares Datenmodell verbessert die Unternehmenssteuerung nachhaltig.
Neben den zahlreichen Vorteilen gingen die Vortragenden auch auf die im Projektverlauf aufgetretenen Herausforderungen ein. Als zentral wurden insbesondere der komplexe und mit hohem Zeitaufwand verbundene Change-Management-Prozess sowie der erhebliche Aufwand für die umfassende Einarbeitung der Belegschaft in das neue Tool hervorgehoben. Daraus ergibt sich eine für die Konferenzteilnehmer wesentliche Erkenntnis: Change-Management-Prozesse dürfen nicht als begleitende Nebenaktivität verstanden werden, sondern müssen von Beginn an als integraler Bestandteil in die Konzeption und Umsetzung entsprechender Projekte eingebunden werden.
Moderne, systemgestützte Planung
Der Vortrag zeigte eindrucksvoll, wie strategische Klarheit, technische Modernisierung und ein konsequent gesteuerter Transformationsprozess zu einer spürbar effizienteren Konzernplanung führen können. Die DHL-Group demonstrierte, dass der Mut zur Harmonisierung und zur Ablösung historisch gewachsener Strukturen nicht nur Transparenz und Geschwindigkeit erhöht, sondern auch die Qualität der Steuerung nachhaltig stärkt. Trotz der damit verbundenen Herausforderungen wurde deutlich: Der Schritt in eine moderne, systemgestützte Planung zahlt sich aus – und bietet wertvolle Orientierung für alle Unternehmen, die ihren Planungsprozess zukunftsfähig gestalten möchten.