CFO-Studie

Die neue Agenda der CFOs: Zwischen Risikoabwehr und Transformation


Neue CFO-Agenda: Zwischen Risikoabwehr und Transformation

Für viele CFOs fühlt sich das aktuelle Umfeld wie ein permanenter Stresstest an. Geopolitische Risiken und wirtschaftliche Unsicherheiten treffen auf begrenzte finanzielle Spielräume. Eine internationale Studie zeigt, wie Finanzverantwortliche auf diese Lage reagieren – und welche Themen ganz oben auf der Agenda stehen.

Die Beratungsgesellschaft Horváth hat für die CFO-Studie "Control Meets Complexity – CFO Priorities in an Era of Economic Turbulence" mehr als 240 Finanzverantwortliche von Unternehmen aus 22 Ländern befragt, davon 94 CFOs aus Deutschland. Die Ergebnisse zeigen, dass die Stimmung bei CFOs derzeit gedrückt ist. Nur 14 Prozent rechnen mit einer positiven Unternehmensentwicklung. 

Aktuelle Herausforderungen für CFOs

"Makroökonomische Faktoren wie die US-Wirtschafts- und Zollpolitik und die geopolitischen Spannungen erhöhen die finanzwirtschaftlichen Risiken. Um diese abzufedern, muss in Digitalisierung/KI und Transformation investiert werden – doch der Handlungsspielraum ist begrenzt. Der Investitionsstau wirkt sich aus, der Fachkräftemangel spitzt sich zu, Investorenerwartungen setzen die Abteilungen unter Druck", sagt Achim Wenning, Studienleiter und Partner der Managementberatung Horváth. 

Doch was bereitet CFOs derzeit besonders große Sorgen? Nachfolgende Grafik fasst die aktuell größten Herausforderungen zusammen:

CFO-Studie_Horvath_Herausforderungen


US-Politik wird als Risiko gewertet

Ein besonderes Augenmerk legt die Studie auf die Folgen der US-Politik für Unternehmen. 34 Prozent halten die Folgen der politischen Entwicklungen für neutral. Doch über die Hälfte der Umfrageteilnehmer stuft die US-Wirtschaftspolitik als Risiko ein – und nur jeder zehnte verspricht sich neue Chancen. Die befragten CFOs befürchten negative Folgen insbesondere durch

  • Änderungen internationaler Handelsabkommen (73 Prozent),
  • die Zollpolitik (72 Prozent),
  • Gefahren für Lieferketten (72 Prozent),
  • schwankende Wechselkurse (68 Prozent),
  • Volatilität der Finanzmärkte (66 Prozent). 

Die genannten Faktoren zeigen, dass CFOs vor allem operative Risiken für Lieferketten und Finanzmärkte im Blick haben. Doch trotz dieser politischen Unsicherheiten bleibt Nordamerika bis 2030 das wichtigste Investitionsziel.

Aktuelle Maßnahmen

70 Prozent der CFOs fühlen sich mit ihrer Finanzabteilung gut gewappnet für wirtschaftliche Risiken. Doch wie begegnen CFOs den vielfältigen Herausforderungen?

  1. Vorantreiben der Digitalisierung (63 Prozent)
  2. Prozessautomatisierung (63 Prozent)
  3. Szenarioanalysen zur Entscheidungsfindung (60 Prozent)
  4. Kostensenkungsmaßnahmen (54 Prozent)
  5. Aufbau finanzieller Puffer (53 Prozent)

Der Fokus liegt damit klar auf Maßnahmen, die kurzfristige Stabilität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit verbinden sollen.

Interessant ist jedoch, dass zudem die Hälfte der befragten CFOs die Anpassung des Geschäftsmodells oder des Produktportfolios nennen. Knapp die Hälfte forciert die Nutzung von (generativer) KI und die Anpassung der Lieferketten.

Schwerpunktthemen von CFOs

Welche Themen stehen bei CFOs generell im Fokus? Hier sticht vor allem die Harmonisierung, Standardisierung und Optimierung von Finanzprozessen hervor (87 Prozent). Doch mit Mitarbeiterentwicklung und Aufbau neuer, moderner Kompetenzen steht ein weiterer Themenschwerpunkt ganz oben auf der CFO-Agenda. Das zeigt, dass Prozessoptimierung und Personalentwicklung weiterhin Topthemen für CFOs bleiben.

Genannt wurden zudem

  • die deutliche Beschleunigung der Investitionen in die Digitalisierung (alle Bereiche),
  • die Stärkung der Prognosefähigkeiten in Planungs-, Prognose- und Berichtsprozessen,
  • Fortschritte bei der globalen Datenintegration und beim Aufbau integrierter Datenplattformen,
  • Ausschöpfung von Effizienzpotenzialen durch unternehmensweite Kostenreduzierung sowie Kostensenkung im CFO-Bereich,
  • verstärkter Fokus auf die Sicherung der Liquidität. 

Die Studienergebnisse weisen also darauf hin, dass die Modernisierung der Finanzabteilung vorangetrieben wird. Das wird auch bei den Investitionsplänen deutlich: Hier zeigen die Umfrageergebnisse, dass Digitalisierung und Automatisierung die meisten Budgets erhalten (29 Prozent). Doch 19 Prozent der Investitionen gehen auch in die Unternehmenstransformation. 

Wandel braucht Veränderungsbereitschaft

Die digitale Transformation spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Doch der Wandel ist alles andere als einfach. Und gerade fehlender Veränderungswillen und Silo-Denken behindern die Umsetzung. Die Studie macht deutlich, dass Transformation weniger an fehlenden Konzepten als an kulturellen und strukturellen Barrieren scheitert.

Gerade in der Finanzabteilung wird dies deutlich. Schnittstellen mit anderen Abteilungen spielen hier eine immer größere Rolle – etwa wenn Finanzteams gemeinsam mit Einkauf und Supply Chain an resilienteren Lieferketten arbeiten oder mit dem Vertrieb an datenbasierten Forecasts. Das heißt aber auch: Finanzfachkräfte müssen vermehrt aktiv mit anderen Fachbereichen kommunizieren.

Fazit: Balance finden zwischen Vorsicht und Zukunftsinvestitionen

Die Studie zeigt: CFOs agieren derzeit in einem Spannungsfeld aus Vorsicht und Zukunftsorientierung. Während wirtschaftliche Unsicherheiten Investitionen bremsen, bleibt der Druck zur Modernisierung hoch. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Digitalisierung, Prozessoptimierung und Kompetenzaufbau konsequent voranzutreiben – trotz begrenzter Ressourcen. Für Finanzverantwortliche bedeutet das: Stabilität sichern und zugleich die Basis für langfristiges Wachstum legen. Finanzabteilungen werden zunehmend als Treiber unternehmensweiter Modernisierung wahrgenommen.


Schlagworte zum Thema:  Transformation , Risikomanagement , CFO
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