Es kann sinnvoll sein, vom eigentlichen Zeitpunkt der Ermittlung der Kennzahl abzuweichen. Bild: Haufe Online Redaktion

Grundsätzlich ist der Zeitpunkt, für den eine Kennzahl berechnet wird, ausschlaggebend für den berichteten Wert. Bei einigen Kennzahlen ist der Zeitpunkt in der Definition vorgegeben. Doch wann macht es Sinn, vom eigentlichen Zeitpunkt abzuweichen?

Ein typisches Beispiel: Die Finanzkennzahlen werden aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung ermittelt, die üblicherweise zum Ende des Geschäftsjahres aufgestellt werden. Externe Informationsempfänger wie Banken oder Gesellschafter ermitteln die Kennzahlen aus diesen Unterlagen und damit zum Zeitpunkt des Endes des Finanzjahres.

Es ist nicht immer sinnvoll, an den einmal festgelegten Terminen festzuhalten. Kommt es zu wichtigen Entwicklungen, möchte der Controller diese auch korrekt berichten. Dazu kann er vom eigentlichen Zeitpunkt der Ermittlung der Kennzahl abweichen. Dieser Trick wird nicht nur angewandt, um auf eine besondere Situation hinzuweisen, er ist auch sinnvoll, um in einer Ausnahmesituation schnell die notwendigen Informationen zu liefern.

Wahl des Zeitpunkts 

Beispiel: Am Ende eines Quartals wird die Leistung der einzelnen Produktionsmaschinen in einem Test ermittelt und durch das Controlling berichtet. Das Ergebnis des letzten Tests für die Produktionsabteilung Fräsen hat folgende Werte ergeben:

Test am 31.03. Fräsen



Maschine
CNC 1
CNC 2
CNC 3

Sollwert

1.500

1.900

1.500

Testwert Stück

1.380

2.050

1.395

Anteil

92 %

108 %

93 %

Der besonders gute Testwert für die Maschine CNC 2 von 108 % ist das Ergebnis einer direkt vor dem Test durchgeführten Wartung. Das Ergebnis ist erfahrungsgemäß nach kurzer Zeit bereits wieder im Normalbereich knapp über 90 %. Um Nachfragen zu vermeiden, sorgt der Controller dafür, dass der Test am 01.04. durchgeführt wird. Die folgenden Ergebnisse zeigen keine Auffälligkeiten mehr.

Test am 01.04. Fräsen



Maschine
CNC 1CNC 2
CNC 3

Sollwert

1.500

1.900

1.500

Testwert Stück

1.380

1.790

1.395

Anteil

92 %

94 %

93 %

Bestandsentwicklung 

Die Bestände in einem Unternehmen sind ein wichtiger Teil der Informationen, die vom Controlling berichtet werden. Sie werden regelmäßig ermittelt, aber nicht immer an jeden Empfänger berichtet. Der Zeitpunkt der Berechnung der Bestandszahlen ist vor allem im Saisongeschäft besonders wichtig. Die folgende Grafik zeigt den Verlauf der Bestandsentwicklung über das Jahr.

Bild: Reinhard Bleiber, Tricks für Controller

Wird die Kennzahl am 31.12. ermittelt, was üblich ist, zeigt sie einen Wert von 50.000 Euro. Im April liegt dieser Wert aber bei 210.000 Euro. Es kann für Entscheidungen, z. B. über die Liquidität des Unternehmens, bedeutsam sein, nicht mit dem minimalen Wert im Dezember zu rechnen. Auch der Durchschnittswert von 118.333 Euro hilft nicht.

Hier muss der Controller den Trick der Zeitverschiebung anwenden. Die Bestandshöhe wird nicht am 31.12. berichtet, sondern zu einem anderen Termin. Dieses Datum richtig zu wählen, liegt im Aufgabenbereich des Controllers.

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Schlagworte zum Thema:  Controller Tricks, Kennzahl, Berechnung

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