Gesundheit und Arbeit

Wie Schichtarbeit und Schlafmangel das Long Covid-Risiko erhöhen

Nachtarbeit und Schlaflosigkeit können das Immunsystem schwächen und die Genesung nach einer SARS-CoV-2-Infektion erschweren. Eine neue Studie liefert alarmierende Zahlen.

depressive Frau im Bett

Die „innere Uhr“ des Körpers, der sogenannte zirkadiane Rhythmus, steuert wichtige Prozesse des Immunsystems. Forschungsarbeiten haben bereits in der Vergangenheit aufzeigen können, dass eine Störung dieses Rhythmus die Abwehrkräfte schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen kann. Lange gab es aber keine deutlichen Hinweise darüber, ob Schichtarbeit und/oder gestörter Schlaf langfristig zu schweren oder anhaltenden Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion führen oder zumindest beitragen könnenDie Daten von SARS-CoV-2-infizierten Personen zwischen den Jahren 2021 und 2023 wurden ausgewertet. Das Forscherteam wollte herausfinden, ob Nachtarbeit und Schlaflosigkeit das Risiko für länger anhaltende Symptome, also Long Covid, unabhängig voneinander oder in Kombination verstärken.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse wurden unter dem Titel „Night work, sleep disruption and long-COVID risk: a population-based cohort study“ veröffentlicht. In ihr definierte das Autorenteam Long Covid als das Auftreten von länger als drei Monate anhaltenden Symptomen nach einer Infektion. Die Ergebnisse zeigten, dass Nachtarbeit und schlechter Schlaf das Long Covid-Risiko drastisch erhöhen, insbesondere wenn beide Faktoren gemeinsam auftreten – was nicht selten der Fall ist. Im Untersuchungszeitraum berichteten knapp 300 der 2.000 Probanden von Long Covid-Symptomen. Im Vergleich zu Tagarbeitern hatten Nachtschichtarbeiter somit ein um 88 Prozent höheres Risiko, an Long Covid zu erkranken. Dieses Risiko stieg bei Personen mit Adipositas zusätzlich an. Schlafstörungen erhöhten das Risiko für Long Covid unabhängig von der Schichtarbeit um weitere 42 Prozent. Wenn Nachtarbeit und chronische Schlaflosigkeit zusammenkamen, verstärkte sich der Effekt darüber hinaus. Das Risiko für Long Covid war dann auf das 2,7-Fache erhöht. 

Mögliche Ursachen

Die genauen biologischen Mechanismen, die hierfür verantwortlich sind, seinen laut den Forschern noch nicht vollständig geklärt. Das Forscherteam vermutete jedoch, dass ihre Forschungsergebnisse ein weiteres Indiz dafür seien, dass die Unterbrechung des zirkadianen Rhythmus das Immunsystem schwächen kann. Dadurch werde die Fähigkeit des Körpers beeinträchtigt, den Erreger nach einer Ansteckung wieder vollständig zu beseitigen. Sie betonten aber, dass die Störung des zirkadianen Rhythmus keinen nennenswerten Einfluss darauf hat, wie leicht man sich mit dem Virus ansteckt. Stattdessen beeinflusse die innere Uhr maßgeblich, wie effektiv sich der Körper von einer akuten Infektion erholt und ob Symptome und Beschwerden chronisch werden. Wie auch immer die Erklärungen sein mögen: Die Forscher folgerten, dass gesunder Schlaf und die Minimierung von Schichtdienst-Belastungen potenzielle, veränderbare Ansätze sein könnten, um das Risiko von Nachfolgeschäden nach einer Infektion zu senken.

 

Den Link zur Studie finden Sie hier.  


Schlagworte zum Thema:  Schichtarbeit , Arbeitsschutz
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