Der Weiße Punkt

Kreislaufwirtschaft im OP: Pilotprojekt recycelt medizinische Einweginstrumente

Millionen Skalpelle, Pinzetten und Klemmen landen täglich in der Verbrennungsanlage, obwohl sie aus hochwertigen Kunststoffen und Metallen bestehen. Ein Pilotprojekt unter der Initiative Der Weiße Punkt will das ändern. Erstmals erproben Kliniken, Hersteller und Entsorger gemeinsam ein herstellerübergreifendes Rücknahme- und Verwertungssystem für medizinische Einweginstrumente.

Krankenhaus_Instrumente auf OP-Tisch

Thermische Verwertung als Standard – noch

Das deutsche Gesundheitswesen verbraucht große Mengen Material. Kliniken entsorgen medizinische Einweginstrumente aus hygienischen und regulatorischen Gründen nach einmaliger Nutzung. Sie landen überwiegend in der thermischen Verwertung. Viele dieser Produkte bestehen jedoch aus Materialien, die sich recyceln lassen: hochwertige Polymere und Metalle, die nach dem Einsatz im Krankenhaus bisher unwiederbringlich aus dem Wirtschaftskreislauf verschwinden. Steigende Anforderungen an Ressourceneffizienz und Klimaschutz setzen dieses lineare Modell zunehmend unter Druck.

Seit Oktober 2026 läuft unter dem Dach der ZUKE Green Community das Pilotprojekt Einweginstrumente der Initiative Der Weiße Punkt. Erstmals in Deutschland haben sich 16 Pilotkliniken, zehn international tätige Medizinproduktehersteller, eine Einkaufsgemeinschaft und der Entsorgungsspezialist Remondis Medison zu einem herstellerübergreifenden Modellvorhaben zusammengeschlossen. Die Projektleitung liegt bei Circularmed. Namhafte Unternehmen der Branche tragen und finanzieren das Projekt, darunter B. Braun, Johnson & Johnson Medtech, Medtronic, Olympus Europa und Paul Hartmann.

Kooperation statt Insellösung

Der Ansatz unterscheidet sich von bisherigen Projekten. Rücknahme- und Recyclinginitiativen im Gesundheitswesen beschränkten sich bisher meist auf einzelne Hersteller oder bestimmte Produktgruppen und blieben deshalb begrenzt. Das neue Pilotprojekt setzt auf eine gemeinsame Infrastruktur. Sie erfasst unterschiedliche Produkte verschiedener Hersteller gleichermaßen.

Luise Billen, Circularity Managerin bei Circularmed, beschreibt den Anspruch so: „Statt Insellösungen einzelner Akteure verfolgen wir einen kooperativen Ansatz. Er hat das Potenzial, neue Standards für die Rücknahme und stoffliche Verwertung medizinischer Einweginstrumente zu etablieren.“

Praxisnah läuft das System in mehreren Schritten. Die Pilotkliniken sammeln die Einweginstrumente und überführen sie in die Remondis-Medison-Anlage im sächsischen Zwönitz. Dort dekontaminiert das Unternehmen die Materialien, bevor das eigentliche Recycling beginnen kann.

Parallel erhebt das Projekt systematisch Daten zu Materialströmen und deren Zusammensetzung. Diese Datengrundlage soll belastbare Aussagen ermöglichen. Im Fokus steht, welche Materialfraktionen sich für hochwertige stoffliche Verwertung eignen und wie ein skalierbares System künftig aussehen kann.

Vom Piloten zum Systemwandel

Das Projekt versteht sich als Lernprojekt mit Skalierungsziel. Die Erkenntnisse sollen nicht nur für Einweginstrumente nutzbar sein. Sie dienen perspektivisch als Blaupause für weitere Materialströme im Gesundheitswesen.

Ob Patientensicherheit und Kreislaufwirtschaft vereinbar sind, muss das Pilotprojekt unter realen Klinikbedingungen zeigen. Gelingt der Nachweis, könnte Der Weiße Punkt einen messbaren Beitrag zur Dekarbonisierung und Ressourcenschonung im Gesundheitssektor leisten – einem Bereich, der im ESG-Kontext bisher vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhält.

 

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Schlagworte zum Thema:  Recycling , Krankenhaus
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