Darum gehört virtuelles Wasser in die Nachhaltigkeitsstrategie
Wassersparen im Unternehmen? Viele denken dabei wahrscheinlich erst einmal an wassersparende Armaturen in der Teeküche oder effiziente Kühlkreisläufe in der Produktion. Das ist allerdings nur ein minimaler Teil dessen, was tatsächlich an Wasser verbraucht wird. Das Konzept des virtuellen Wassers beschreibt die gesamte Menge an Wasser, die während der Herstellung eines Produktes verbraucht, verdunstet oder verschmutzt wurde.
Nicht nur Wasser aus dem Hahn wird verbraucht
Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Während der direkte Wasserbezug vor Ort unter Umständen moderat ist, wird über Vorprodukte und Dienstleistungen eine gigantische Menge an „fremdem“ Wasser importiert. Und das oft aus Regionen, die ohnehin unter akutem Wasserstress leiden. Das Konzept des virtuellen Wassers hat eine eigene Methodik hervorgebracht: den Wasserfußabdruck. Er erfasst, wie viel Wasser bei der Herstellung eines Produkts an einem bestimmten Ort verbraucht wurde. Die Grundlage bildet der internationale Standard ISO 14046.
Die drei Farben des Wasserfußabdrucks
Um die Komplexität sichtbar zu machen, unterscheidet die Wissenschaft zwischen drei Kategorien, die den Wasserfußabdruck definieren:
- Grünes virtuelles Wasser: Natürliche Niederschläge, die im Boden gespeichert und von Pflanzen aufgenommen werden (relevant vor allem für Agrar-Rohstoffe und die Textilindustrie)
- Blaues virtuelles Wasser: Grund- und Oberflächenwasser, das zur Bewässerung oder in industriellen Prozessen genutzt wird und nicht direkt am Entnahmeort zurückfließt
- Graues virtuelles Wasser: Die theoretische Wassermenge, die nötig wäre, um die durch die Produktion entstandenen Verschmutzungen so weit zu verdünnen, dass lokale Qualitätsnormen eingehalten werden
Je höher der Anteil an blauem oder grauem Wasser, desto kritischer ist die Bilanz. Vor allem dann, wenn die Produktion in ohnehin wasserarmen Regionen stattfindet.
48 Badewannen täglich verbraucht eine Person an virtuellem Wasser
Rund 126 Liter verbraucht eine Person in Deutschland täglich aus dem Hahn, sprich zum Trinken, Duschen Kochen, Toilettenspülung etc. Doch laut einer Studie des Umweltbundesamtes liegt der tatsächliche Wasserfußabdruck Deutschlands bei etwa 219 Milliarden Kubikmetern pro Jahr. Pro Person sind das knapp 7200 Liter täglich.
Dabei stammen 86 Prozent dieses Wassers nicht aus Deutschland, sondern aus dem Ausland. Deutschland ist einer der größten Nettoimporteure von virtuellem Wasser weltweit. Den größten Anteil machen dabei Agrarprodukte wie Kaffee, Kakao, Ölfrüchte, Soja als Futtermittel oder Baumwolle. Hinzu kommen tierische Produkte mit einem enormen Wasserverbrauch. Je nach Haltungsform stecken hinter einem Kilo Rindfleisch bis zu 15500 Liter Wasser.
Virtuelles Wasser – einige Beispiele: |
Das digitale Wasserproblem
Rechenzentren benötigen nicht nur große Mengen an Energie, sondern auch enorme Mengen an Wasser zur Kühlung der Server. Während sich die Branche bereits intensiv mit der Kennzahl PUE (Power Usage Effectiveness) für Energieeffizient befasst, bleibt die WUE (Water Usage Effectiveness) häufig noch ein blinder Fleck.
Ein einzelnes Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Megawatt kann je nach Standort und Auslastung bis zu 20.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr verbrauchen. Und dies ist nur das direkt verdunstete Wasser. Die Vorketten wie Stromerzeugung und Halbleiterfertigung können den realen Fußabdruck noch einmal stark erhöhen. Bei der Auswahl von Cloudanbietern oder Colocation-Partnern sollten Nachhaltigkeitsverantwortliche die Water Usage Effectiveness genauso im Blick haben wie die Energieeffizienz.
Strategien für Nachhaltigkeitsverantwortliche
Das Umweltbundesamt empfiehlt eine systematische Erfassung entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produktes.
Der erste Schritt ist eine Wesentlichkeitsanalyse:
- Hotspot-Analyse: Identifikation der wasserintensivsten Posten im Unternehmen. Dazu gibt es Tools wie Water Risk Filter des WWF oder den Aqueduct des WRA, um geografische Risiken abzugleichen
- Wasserfußabdruck erheben: entlang der gesamten Lieferkette nach ISO 14046 oder Water Footprint Standard
- Lieferantendialog: Gezielt nach Wassermanagement-Systemen fragen wie etwa den AWS-Standard
- Circular Economy: Ansätze fördern, die den Wasserverbrauch durch Kreislaufwirtschaft minimieren. Dies sowohl in der eigenen Produktion als auch bei Dienstleistern
- Berichterstattung: den WUE integrieren
- Transparente Kommunikation: Den Weltwassertag am 22. März nutzen, um nicht nur über gespartes Leitungswasser im Büro zu sprechen. Sondern über Fortschritte in der Reduktion des gesamten Wasserfußabdruckes
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