Littmann/Bitz/Pust, Das Ein... / b) Einbringung ohne Gewährung von Gesellschaftsrechten (verdeckte Einlage)
 

Rn. 125

Stand: EL 124 – ET: 10/2017

Durch das StÄndG 1992 wurde die Besteuerung der verdeckten Einlage mit Wirkung ab VZ 1992 eingeführt. Eine verdeckte Einlage liegt vor, wenn ein Gesellschafter oder eine ihm nahe stehende Person der KapGes einen einlagefähigen Vermögensvorteil zuwendet u diese Zuwendung durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist (Pung in D/P/M, § 17 EStG Rz 97). Eine Einlage gegen Gewährung von Gesellschaftsrechten ist demzufolge keine verdeckte Einlage, da der Gesellschafter als Gegenleistung Anteile an der aufnehmenden Gesellschaft erhält.

ba) Ebene des Gesellschafters

 

Rn. 126

Stand: EL 124 – ET: 10/2017

Die Einbringung einer maßgeblichen Beteiligung in eine KapGes ohne Gewährung von Gesellschaftsrechten (sog verdeckte Einlage) wird gem § 17 Abs 1 S 2 EStG einer entgeltlichen Veräußerung gleichgestellt. Der Veräußerungspreis ist der gemeine Wert (§ 17 Abs 2 S 2 EStG). Erfolgt eine Veräußerung von Anteilen an einer KapGes an eine andere KapGes unter dem Verkehrswert u der Veräußerer ist an der Erwerbsgesellschaft beteiligt, so ist die Anteilsveräußerung in einen entgeltlichen u in einen unentgeltlichen Teil aufzuteilen. Der unentgeltliche Teil (Differenz zwischen Verkehrswert u dem niedrigeren Kaufpreis) ist als verdeckte Einlage iSd § 17 Abs 1 S 2 EStG zu behandeln (BFH v 06.12.2016, IX R 7/16 mwN).

Die verdeckte Einlage einer im PV gehaltenen maßgeblichen Beteiligung an einer KapGes in eine andere KapGes führt für den Gesellschafter zu nachträglichen AK seiner bestehenden Beteiligung an der anderen, aufnehmenden KapGes. Der Wert der Beteiligung an der aufnehmenden KapGes ist um den gemeinen Wert der eingelegten Beteiligung zu erhöhen (BMF v 12.10.1998, IV C 2 – S 2244–2-98, DStR 1998, 1754).

bb) Ebene der Gesellschaft

 

Rn. 127

Stand: EL 124 – ET: 10/2017

Auf Seiten der aufnehmenden KapGes ist die verdeckte Einlage einer maßgeblichen Beteiligung ihres Gesellschafters unverändert als Einlage zu behandeln. Die Fiktion der Veräußerung beim Gesellschafter hat bei der aufnehmenden KapGes nicht die Fiktion eines Erwerbs vom Gesellschafter zur Folge (BMF v 12.10.1998, xxx, DStR 1998, 1754). Auf Ebene der Gesellschaft ist die Einlage nach § 6 Abs 1 Nr 5 Buchst b EStG im Zeitpunkt der Zuführung mit dem Teilwert, höchstens jedoch mit den AK anzusetzen.

Nach Ansicht des BFH ist § 6 Abs 1 Nr 5 Buchst b EStG ab VZ 1992 im Wege der teleologischen Reduktion einschränkend zu verstehen, wonach die verdeckt eingelegten Anteile mit ihrem Teilwert anzusetzen sind (BFH v 11.02.1998, I R 89/97, BStBl II 1998, 691; BMF v 02.11.1998, BStBl I 1998, 1227). Der Ansatz mit dem höheren Teilwert ist sachgerecht, weil andernfalls die Gefahr einer doppelten Besteuerung droht: Die in den eingelegten Anteilen ruhenden stillen Reserven sind gem § 17 Abs 1 S 2 EStG beim einlegenden Gesellschafter zu erfassen. Müsste die aufnehmende Gesellschaft die Anteile dennoch mit den AK ansetzen, käme es im Veräußerungsfall zu einer erneuten Besteuerung der stillen Reserven.

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