Literaturauswertung zum Erb... / 3.7 § 199 BewG (Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens)

• 2010

Höhe der Wertabweichung

 

Bei Wertabweichungen von mehr als 50 v.H. dürfte von offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen auszugehen sein.

(so Hecht/von Cölln, Fallstricke des vereinfachten Ertragswertverfahrens nach dem BewG i.d.F. des ErbStRG, DB 2010, 1084)

 

Nach anderer Ansicht besteht bereits ab einer Abweichung von mehr als 20 oder 25 % ein hohes Risiko, dass die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens zu einem offensichtlich unzutreffenden Ergebnis führt.

(so Stalleiken, Theissen, Erbschaftsteuer-Bewertungserlass, Teil B: Das vereinfachte Ertragswertverfahren, DStR 2010, 21)

 

Nach einer wiederum anderen Auffassung kann die prozentuale Wertabweichung allein nicht das alleinige Beurteilungskriterium sein. Es ist zu beachten, dass sich auch Veränderungen ergeben haben können, die diese Wertabweichung gegenüber dem Bewertungsstichtag rechtfertigen.

(so Ramb, Die neue Bedarfsbewertung des Betriebsvermögens - Eine kritische Stellungnahme unter Einbeziehung des AEBewAntBV, NWB 2010, 3390)

Erbauseinandersetzungen bzw. zeitnahe Verkäufe

 

Das vereinfachte Ertragswertverfahren ist nicht anwendbar, wenn es zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen führt. Dies ist z. B. der Fall, wenn sich aus Erbauseinandersetzungen oder aus zeitnahen Verkäufen, auch nach dem Bewertungsstichtag, Erkenntnisse über den Wert des Unternehmens oder der Beteiligung herleiten lassen. Die genannten Verkäufe und Erbauseinandersetzungen können nur als Wertindikatoren herangezogen werden. Sie können im Besteuerungsverfahren nicht an die Stelle des Ertragswerts treten.

(so Hecht/von Cölln, Fallstricke des vereinfachten Ertragswertverfahrens nach dem BewG i.d.F. des ErbStRG, DB 2010, 1084)

• 2011

IDW S 1

 

Kommt aus der Sicht des Erwerbers eine Bewertung unter Berücksichtigung der Ertragsaussichten in Betracht, besteht ein Wahlrecht zwischen §§ 199 ff. BewG und IDW S 1. Zumeist geht das Interesse dahin, einen möglichst niedrigen Unternehmenswert zu ermitteln. Bei in der Zukunft sinkenden Ertragserwartungen, führt zumeist das IDW S 1 zu niedrigeren Unternehmenswerten. Bei in der Zukunft steigenden Ertragserwartungen, führt zumeist das vereinfachte Ertragswertverfahren zu niedrigeren Unternehmenswerten. Bei höheren Risiken oder bei Kapitalisierungszinssätzen, die § 203 BewG überschreiten, führt zumeist das IDW S 1 zu einem geringeren Unternehmenswert. Bei geringeren Risiken oder bei Kapitalisierungszinssätzen, die § 203 BewG unterschreiten, führt zumeist das vereinfachte Ertragswertverfahren zu einem niedrigeren Unternehmenswert. Bei einer Unternehmenssteuerbelastung von unter 30 % führt zumeist das IDW S 1 zu einem geringeren Unternehmenswert. Bei einer Unternehmenssteuerbelastung von über 30 % führt zumeist das vereinfachte Ertragswertverfahren zu einem niedrigeren Unternehmenswert. Bei Vorliegen von nicht betriebsnotwendigem Vermögen oder jungen Wirtschaftsgütern führt zumeist das IDW S 1 zu einem niedrigeren Unternehmenswert. In den Fällen des § 13a Abs. 8 ErbStG kann das Interesse auch dahin gehen, einen möglichst hohen Unternehmenswert zu erzielen, um die 10 %-Grenze beim Verwaltungsvermögen zu bestehen. Zu beachten bei der Wahl zwischen einer Unternehmensbewertung nach dem IDW S 1 und dem vereinfachten Ertragswertverfahren ist auch, dass bei Wahl des vereinfachten Ertragswertverfahrens mangels bewertungstechnischer Spielräume der Unternehmenswert nur in geringem Umfang steuerbar ist. Demgegenüber bestehen bei Wahl des IDW S 1 erhebliche Gestaltungsspielräume.

(so Bruckmeier/Zwirner/Mugler, Unternehmensbewertung im Erbschaftsteuerrecht: Handlungsempfehlungen und Modellrechnungen - §§ 199 ff. BewG und IDW S 1 im Vergleich, DStR 2011, 422)

• 2012

Steueräquivalenz

 

Das vereinfachte Ertragswertverfahren verletzt die Grundsätze der Steueräquivalenz. Von daher wird entweder der Kalkulationszinssatz oder die Bewertungsgrundlage nicht äquivalent ermittelt mit der Folge, dass das Bewertungsergebnis falsch ist. Damit wird das Ziel, im Rahmen des vereinfachten Ertragswertverfahrens eine an den gemeinen Wert angenäherte Bewertung zu erreichen, verfehlt. Die Problematik ist umstritten.

(so Wollny, Vereinfachtes Ertragswertverfahren – Anmerkungen zur Verletzung der Steueräquivalenz, DStR 2012, 1356)

• 2013

Anwendbarkeit in einer Krisensituation

 

Im Rahmen des vereinfachten Ertragswertverfahrens dient als Beurteilungsgrundlage zur Bestimmung des nachhaltig erzielbaren Betriebsergebnisses der Durchschnitt der drei letzten vor dem Bewertungsstichtag realisierten Betriebsergebnisse. Dies kann für Bewertungsstichtage, die während oder kurz nach einer Krise liegen, zu offensichtlich unzutreffenden Ergebnissen und damit zur Nichtanwendbarkeit des vereinfachten Ertragswertverfahrens führen. Da nach § 201 BewG das historische Durchschnittsergebnis nur eine mögliche Beurteilungsgrundlage für die Gewinnung des nachhaltig erzielbaren Betriebsergebnisses darstellt, ist in Krisensituationen das nachhaltig erzielbare Betriebsergebnis anderweitig zu schätzen. Schätzungs...

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