Reuber, Die Besteuerung der... / I. Allgemeines
 

Rz. 1

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Für die steuerliche Behandlung nebenberuflicher Musiker, die in Gaststätten oder bei Vereinsveranstaltungen auftreten, gilt nach dem Urteil des BFH vom 10.09.1976, BStBl II 1977, 178: Ein Arbeitsverhältnis zum Veranstalter liegt nicht vor, wenn der Musiker oder die Kapelle, der er angehört, nur gelegentlich – etwa nur für einen Abend oder an einem Wochenende – zu Festveranstaltungen verpflichtet wird. Ein Arbeitsverhältnis liegt nach § 1 Abs. 2 LStDV (Anhang 8) vor, wenn der oder die Musiker, in der Betätigung ihres geschäftlichen Willens unter der Leitung des Veranstalters stehen, in einen längerfristigen betrieblichen Ablauf (Veranstaltungsreihe o. Ä.) eingebunden und dessen Weisungen zu folgen verpflichtet ist.

Im Zweifel ist zur Vermeidung einer Lohnsteuerhaftung zu prüfen und zu dokumentieren, ob die auftretenden Musiker selbständig tätig oder im Rahmen eines Dienstverhältnisses beschäftigt werden.

 

Rz. 2

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

Musiker und andere Unterhaltungskünstler, die für einen bestimmten Veranstalter laufend tätig werden, sind nach der Rechtsprechung Arbeitnehmer (nichtselbständig tätig). S. zu Pianisten in einem Restaurant FG Baden-Württemberg vom 24.04.2007, 4 K 200/04 (rkr.). Der Veranstalter ist in diesen Fällen verpflichtet, Lohnsteuerabzugsbeträge einzubehalten und abzuführen. Ggf. sind auch Sozialabgaben (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) zu entrichten.

 

Rz. 3

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

In den Fällen, in denen ein Musiker oder eine Kapelle selbständig aufgetreten ist, ist zu klären, ob es sich bei den eingenommenen Honoraren um Einnahmen aus Gewerbebetrieb (s. § 15 EStG, Anhang 10) oder aus einer freiberuflichen Tätigkeit (s. § 18 EStG, Anhang 10) handelt. Diese Frage ist danach zu beurteilen, ob die Darbietungen als künstlerisch anzusehen sind. Eine künstlerische Tätigkeit liegt vor, wenn der Schaffende eine eigenschöpferische Leistung vollbringt, in der seine individuelle Anschauungsweise und Gestaltungskraft zum Ausdruck kommt und die, neben einer hinreichenden Beherrschung der Technik, eine künstlerische Höhe erreicht.

 

Rz. 4

Stand: EL 104 – ET: 09/2017

In dem BFH-Urteil vom 19.08.1982, BStBl II 1983, 7 war streitig, ob die Tätigkeit der Kläger, einer Musikgruppe in Form einer GbR, als gewerblich einzustufen war. Zum Programm der Kläger gehörten gängige Tanz- und Unterhaltungsmusik sowie eigene Kompositionen der Orchestermitglieder.

Der BFH kam zum Ergebnis, dass die Darbietungen eines Tanz- und Unterhaltungsorchesters eine künstlerische Tätigkeit i. S. v. § 18 Abs. 1 Nr. 1 EStG darstellen, wenn sie einen bestimmten Qualitätsstandard erreichen, insbesondere die Orchestermitglieder als Musikinterpreten tätig sind. Die Feststellung ist im Zweifel auf Grund eines Gutachtens zu treffen (s. BFH vom 14.12.1976, BStBl II 1976, 474). Bei der entgeltlichen Ausübung von Musik zu Unterhaltungszwecken, bei der die Darbietung einer künstlerischen Leistung nicht im Vordergrund steht, handelt es sich nicht um die Ausübung eines freien Berufes, sondern um gewerbliche Tätigkeit. Gleiches gilt, wenn sich mehrere Musiker zur Erreichung gemeinsamer Zwecke zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (BGB-Gesellschaft) nach §§ 705ff. BGB (Anhang 12a) zusammenschließen. Die einzelnen Musiker sind in diesem Fall Mitunternehmer eines Gewerbebetriebes (hier: der Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Eine Personengesellschaft ist beispielsweise anzunehmen, wenn eine gemeinsame Kasse geführt wird, wenn also das Entgelt an den Kapellenleiter oder an den sonst mit der Vertretung der Kapelle nach außen beauftragten Musiker entrichtet wird und dieser die auf die einzelnen Musiker entfallenden Beträge aufteilt.

Bei einem Kapellenleiter als Arbeitgeber einer Musikgruppe liegt ein Gewerbebetrieb vor, weil er durch die Orchestermitglieder Musik darbieten lässt. Damit erscheint der Kapellenleiter als gewerblicher Unternehmer. Sowohl im Fall der gewerblichen als auch im Fall der selbständigen (freiberuflichen) Betätigung müssen die Betreffenden am Ende eines jeden Kalenderjahres ihren Gewinn ermitteln, d. h., sie müssen ihre im Laufe des Kalenderjahres aufgezeichneten Betriebseinnahmen um die aufgezeichneten Betriebsausgaben (alle mit der gewerblichen bzw. freiberuflichen Tätigkeit in wirtschaftlichem Zusammenhang stehenden Ausgaben wie z. B. Aufwendungen für Instrumente, Reisekosten, Ausgaben für Werbung usw.) kürzen. Für die betrieblich verwendeten Wirtschaftsgüter (Instrumente) ist die Nutzungsdauer zu bestimmen und die so ermittelte Abschreibung vorzunehmen. Einzelheiten zur Abschreibung der Wirtschaftsgüter s. "Absetzungen für Abnutzung (AfA)".

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