Reuber, Die Besteuerung der... / 2.2 Einführung der Rentenversicherungspflicht für geringfügig Beschäftigte mit Befreiungsmöglichkeit (Opt-out)
 

Tz. 5

Stand: EL 113 – ET: 09/2019

Seit dem 01.01.2013 ist für geringfügig Beschäftigte die Versicherungspflicht in der Rentenversicherung die Regel. Dagegen sind kurzfristig Beschäftigte wie bisher versicherungsfrei.

Dabei tragen die Versicherten (geringfügig Beschäftigten) den Differenzbetrag zum Pauschalbeitrag des Arbeitgebers. Sie können u. a. Ansprüche auf Erwerbsminderungsrente erwerben und die Riester-Förderung in Anspruch nehmen. Zudem können Lücken in der Versicherungsbiographie vermieden werden.

Der geringfügig Beschäftigte, dessen Entgelt 450 EUR im Monat nicht überschreitet, kann sich auf Antrag von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung befreien lassen (Opt-out). Zuständig für die Entgegennahme des schriftlichen Befreiungsantrages ist der Arbeitgeber. Dieser hat den Befreiungsantrag aufzubewahren und muss die zuständige Krankenkasse mit einer besonderen Meldung verständigen. Ein Minijobber kann den Antrag bei mehreren geringfügigen Beschäftigungen nur einheitlich stellen. Der Antrag ist für die Dauer der Beschäftigung bzw. der Beschäftigungen bindend. Dann bleibt es bei dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers zur Rentenversicherung i. H. v. 15 % und es tritt Versicherungsfreiheit ein.

Wird der Antrag auf Befreiung der Versicherungspflicht nicht gestellt, besteht Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung. Der Arbeitgeber zahlt in diesen Fällen den Pauschalbetrag i. H. v. 15 % des Arbeitsentgelts. Der Minijobber trägt die Differenz zum "allgemeinen" Beitragssatz von 18,6 % (bis 31.12.2017: 18,7 %, bis 2014: 18,9 %). Er hat also 3,6 % (bis 2017: 3,7 %) zu zahlen. Auch bei mehreren geringfügigen Beschäftigungen innerhalb der 450 EUR-Minijobgrenze ist dann Versicherungspflicht gegeben.

 

Beispiel 1:

Ein Arbeitnehmer übt nebeneinander drei Beschäftigungen mit einem Arbeitsentgelt von jeweils 250 EUR monatlich aus. Eine Hauptbeschäftigung besteht nicht.

Ergebnis 1:

Das monatliche Arbeitsentgelt des Arbeitnehmers beläuft sich auf 750 EUR und übersteigt somit die Grenze von 450 EUR. Die Minijob-Regelungen finden keine Anwendung, es handelt sich vielmehr um ein Beschäftigungsverhältnis in der Gleitzone.

 

Beispiel 2:

Der Arbeitgeber zahlt dem geringfügig Beschäftigten monatlich 450 EUR. Er ist versicherungspflichtig.

Ergebnis 2:

Der Arbeitgeber zahlt den Pauschalbetrag von 15 % = 67,50 EUR (15 % von 450 EUR). Der geringfügig Beschäftigte zahlt die Differenz zwischen 18,6 % und 15 % = 3,6 % von 450 EUR = 16,20 EUR.

Der Arbeitgeber muss diesen Beitragsanteil vom Entgelt des geringfügig Beschäftigten einbehalten und einen Betrag i. H. v. 83,70 EUR (bis 2014: 84,15 EUR) an die Minijob-Zentrale abführen.

Hinweis:

Bei der Beitragsberechnung ist aber mindestens ein Entgelt von monatlich 175 EUR zu berücksichtigen.

 

Beispiel 3:

Der geringfügig Beschäftigte erhält ein monatliches Entgelt i. H. v. 160 EUR. Er ist versicherungspflichtig.

Ergebnis 3:

Der Arbeitgeber zahlt den Pauschalbetrag i. H. v. 15 % = 24,00 EUR (15 % von 160 EUR). Es ist aber ein Beitrag zur Rentenversicherung i. H. v. 18,6 % von 175 EUR (bis 31.12.2017: 18,7 %) = 32,55 EUR (bis 31.12.2017: 32,72 EUR) zu entrichten.

Der geringfügig Beschäftigte hat folglich einen eigenen Beitrag i. H. v. 32,55 EUR ./. 24,00 EUR = 8,55 EUR selbst zu entrichten. Der Arbeitgeber muss den Betrag i. H. v. 8,55 EUR vom Entgelt des geringfügig Beschäftigten einbehalten. Den Betrag i. H. v. 32,55 EUR hat der Arbeitgeber an die Minijob-Zentrale abzuführen.

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