Buchwertaufstockung bei Einbringung eines Mitunternehmeranteils
Sachverhalt: Eine GbR mit positivem und eine mit negativem Kapital werden eingebracht
Die Kläger erwarben in 2001 zwei Unternehmen von ihrem Vater, die sie jeweils in der Rechtsform einer eigenständigen Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) fortführten. In 2010 gründeten sie eine GmbH und beschlossen die Sacheinlage der beiden GbR. Ausweislich der Einbringungsbilanz hatte die eine GbR ein negatives Kapital, die andere ein positives Kapital. In der Gesamtbetrachtung überwog das positive Kapital. Die Einbringung sollte zu Buchwerten erfolgen. Im Rahmen einer steuerlichen Außenprüfung vertrat der Prüfer die Ansicht, die Buchwerte der GbR mit negativem Kapital seien aufzustocken, bis sich ein Kapital von Null ergebe. Dementsprechend ergab sich ein Veräußerungsgewinn von 160 TEUR. Dem traten die Kläger im Einspruchs- und Klageverfahren entgegen. Sie führten aus, die beiden GbR seien als eine Einheit anzusehen, sodass ein positives Kapital gegeben sei. Zudem hätten Sie in 2001 eigentlich eine Holding-GbR von ihrem Vater erworben und diese nunmehr in die GmbH eingebracht.
Entscheidung: Beteiligungen können nicht als Einheit gesehen werden
Die Klage wurde als unbegründet zurückgewiesen. Das Vorbringen hinsichtlich der Holding-GbR erachtete das Gericht dabei als eine nachträgliche künstliche Konstruktion zur Steuervermeidung. Auch sei es zutreffend gewesen, dass das Finanzamt die stillen Reserven in der einen GbR bis zur Höhe des negativen Kapitalkontos aufgestockt habe. Nach § 20 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 UmwStG sei eine solche Aufstockung vorgeschrieben, wenn die Passivposten des eingebrachten Betriebsvermögens das Aktivvermögen übersteigen. Hierbei sei es nicht möglich, dass beide Beteiligungen als Einheit angesehen werden. Nach den Bestimmungen des UmwStG sei jeder Mitunternehmeranteil gesondert anzusehen. Auch ausnahmsweise sei es nicht möglich, die verschiedenen Vorgänge als Einheit anzusehen.
Praxishinweis: Sächsisches FG lässt Ausnahme zu
Der Wortlaut der gesetzlichen Regelung des § 20 Abs. 2 Satz 2 Nr. 2 UmwStG erscheint eindeutig. Hinsichtlich des eingebrachten Betriebsvermögens darf keine Überschuldung vorliegen (siehe im Einzelnen Mutscher, in Frotscher/Maas, UmwStG, § 20 Rz. 205 ff.). Hierbei ist jede Einbringung gesondert zu betrachten, sodass die Entscheidung des Finanzgerichts nachvollziehbar erscheint. Allerdings hat das Sächsische FG in einer Entscheidung aus 2010 (Urteil v. 27.7.2010, 2 K 322/10) zwar ebenfalls grundsätzlich die oben genannte Auffassung vertreten, diese im Einzelfall jedoch bei Einbringung durch eine Person wiederum eingeschränkt. Hiermit vertritt das Sächsische Finanzgericht zwar eine Mindermeinung, betroffene Steuerpflichtige sollten jedoch in jedem Fall Verfahren offen halten, da letztlich nicht absehbar ist, wie der BFH entscheiden wird.
Die Revision gegen das Urteil wurde wegen der grundsätzlichen Bedeutung zugelassen.
FG Berlin-Brandenburg, Urteil v. 10.2.2016, 10 K 12073/15
-
Erstattungszinsen für Gewerbesteuer als steuerpflichtige Betriebseinnahmen
325
-
Sonderausgabenabzug für einbehaltene Kirchensteuer auf Kapitalerträge aus anderen Einkunftsarten
229
-
Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nach § 268 AO ist unwiderruflich
212
-
Mündliche Verhandlungen zur Verfassungsmäßigkeit der Erbschaftsteuer
155
-
Vermietung an den Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
129
-
Fristverlängerung des Steuerberaters in eigenen Angelegenheiten
108
-
Grundsteuer bei übergroßen Grundstücken im Außenbereich in Hessen
101
-
Wirksamkeit von nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ergangenen „Erstattungsbescheiden“
98
-
Abschreibung für eine Produktionshalle
95
-
Keine Steuerermäßigung für ein Hausnotrufsystem
88
-
Alle am 6.8.2026 veröffentlichten Entscheidungen
06.08.2026
-
Aktivierungsfähigkeit des kommerzialisierbaren Teils eines Namensrechts
06.08.2026
-
Unterbeteiligung an Kapitalgesellschaftsanteil
06.08.2026
-
Pauschale Beihilfe kürzt Sonderausgabenabzug
06.08.2026
-
Vorsteuerabzug aus Beratungskosten zur Geltendmachung von Schadensersatz
03.08.2026
-
Kein Verbrauch der Erstausbildung durch Ausbildung zum Rettungssanitäter
03.08.2026
-
Mündliche Verhandlungen zur Verfassungsmäßigkeit der Erbschaftsteuer
31.07.2026
-
Alle am 30.7.2026 veröffentlichten Entscheidungen
30.07.2026
-
Neue anhängige Verfahren im Juli 2026
29.07.2026
-
"Kulturkostenzuschuss" der öffentlichen Hand umsatzsteuerpflichtig
24.07.2026