Doping und Alkohol am Arbeitsplatz nehmen zu
Eine steigende Zahl von Arbeitnehmern in Deutschland haben Probleme mit Alkohol. Daneben spielen auch aufputschende Mittel und leistungssteigernde Substanzen wie Amphetamine eine wachsende Rolle, so der AOK-Bundesverband in Berlin. Genaue Daten zu Sucht am Arbeitsplatz beinhaltet der "Fehlzeiten-Report 2013" des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Durch die Abhängigkeit von Nikotin und Alkohol werden viele Arbeitnehmer krank, was einen großen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht.
Arbeitsausfälle durch Alkohol nehmen zu
Am 21.8.2013 hatte bereits die Techniker Krankenkasse (TK) mitgeteilt, dass alkoholbedingte Ausfälle in den letzten Jahren enorm zugenommen hätten. Laut den jüngsten TK-Daten gab es hochgerechnet bundesweit im vergangenen Jahr 1,8 Mio. alkoholbedingte Fehltage.
Der Diagnoseschlüssel "F10 - psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol" wurde zuletzt für fast 5.000 TK-Versicherte vergeben. Die Diagnosen sind
- Alkoholabhängigkeit,
- Entzugssyndrom und
- psychotischen Störungen.
Diese Erkrankungen verursachen im Schnitt über 7 Wochen Arbeitsunfähigkeit. Die Fehlzeitdauer bei "F10" habe sich im Vergleich zu 2011 von 48,1 auf 49,7 Tage gesteigert.
Der Gesundheitsreport der Barmer GEK zum Thema Alkohol zeigt, dass Arbeitnehmer mit Alkoholproblemen im Schnitt viermal so lange fehlen wie Arbeitnehmer ohne (s. News v. 13.9.2012). Gleichzeitig treten häufig psychische Erkrankungen, Verletzungen und Magen-Darm-Probleme auf.
Aufputschmittel am Arbeitsplatz
Bislang gibt es kaum Studien über den Gebrauch von aufputschenden Mitteln am Arbeitsplatz. Zuerst befasste sich der DAK-Gesundheitsreport 2009 unter dem Motto "Doping am Arbeitsplatz" mit dem Thema. Damaliges Ergebnis: Von 3.000 Arbeitnehmern befragten Arbeitnehmern gaben 5 % an, Substanzen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit oder des Wohlbefindens zu konsumieren, 2 % dopen regelmäßig bei der Arbeit.
Doping bei der Arbeit kommt in Mode
Nach der am 22.8.2013 vorgestellten AOK-Studie nahmen 5 % der AOK-versicherten Arbeitnehmer in den letzten 12 Monaten Medikamente zur Leistungssteigerung bei der Arbeit zu sich. Durch Psychopharmaka oder Amphetamine wollen sie berufliche Stresssituationen besser bewältigen können. Bei den unter 30-Jährigen waren es sogar 12 % - bei vermutlich einer hohen Dunkelziffer.
Fehlzeiten durch Suchtmittelmissbrauch
Die Fehltage (30.000) aus Arzneimittelmissbrauch sind zwar noch überschaubar, haben sich jedoch seit 2002 fast vervierfacht - eine deutliche Dynamik. Vor allem jüngere Arbeitnehmer unterschätzten dabei das Suchtpotenzial und die körperlichen oder psychischen Folgeschäden.
Alkoholbedingte psychische Störungen und Verhaltensstörungen führten allein bei den AOK-Versicherten im vergangenen Jahr zu mehr als 1 Mio. Arbeitsunfähigkeitstagen. Diese Zahl bildete aber lediglich "die Spitze des Eisbergs" ab, da Suchtkranke häufig nicht wegen ihrer Suchtproblematik, sondern mit anderen Diagnosen krankgeschrieben würden.
Regelmäßiger Alkoholkonsum
Insgesamt betrinken sich mehr als 1 von 5 Männern und jede 10. Frau in Deutschland - nach eigenen Aussagen - mindestens jeden Monat einmal. Bei den jungen Männern trinkt sogar fast jeder 2. riskant viel, jeder 3. bei den jungen Frauen. Das zeigte eine große Studie des Robert Koch-Instituts, für die zwischen 2009 und 2010 rund 22.000 Erwachsene zu Aspekten der Gesundheit befragt wurden.
Die TK-Studie bestätigt auch eine gestiegene Zahl der Betroffenen: Im Vorjahr 2012 war eine von 823 bei der TK versicherten Erwerbspersonen von einer alkoholbedingten Krankschreibung betroffen - 2011 war es noch eine von 835.
Laut aktuellem AOK-Report haben 5,3 % der befragten Beschäftigten in der letzten Woche täglich Alkohol getrunken. Bemerkenswert ist, dass der regelmäßige Alkoholkonsum mit steigendem Bildungsstand zunimmt. Experten warnen, dass durch Gewöhnungsrituale wie den täglichen Alkoholgenuss auch das Suchtrisiko steigt.
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