Krankschreibung per Telefon wieder möglich

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat erneut befristete bundesweite Ausnahmeregelungen zur telefonischen Krankschreibung aufgrund der COVID-19-Pandemie beschlossen. Daneben gelten Sonderregelungen zum Entlassmanagment. Einzelheiten erfahren Sie hier.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat aufgrund des hohen Infektionsgeschehens durch den Coronavirus SARS-CoV-2 in einem   Grundlagenbeschluss vom 17.9.2020 bundesweite Sonderregelungen für ärztlich verordnete Leistungen und zur telefonischen Krankschreibung vorgegeben, die er während der Corona-Pandemie fortlaufend überprüft und aufgrund der seit 2020 andauernden Infektionslage immer wieder verlängerte.

Bundesweite Ausnahmen: Betroffene Richtlinien

Von den Ausnahmeregelungen im Bereich der ärztlich verordneten Leistungen waren die nachfolgend genannten Richtlinien betroffen:

  • Häusliche Krankenpflege-Richtlinie,
  • Hilfsmittel-Richtlinie,
  • Heilmittel-Richtlinie,
  • Heilmittel-Richtlinie Zahnärzte,
  • Krankentransport-Richtlinie 
  • Soziotherapie-Richtlinie,
  • Spezialisierte Ambulante Palliativversorgungs-Richtlinie und die
  • Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie.

Ende März ausgelaufene Corona-Sonderregelungen

Überwiegend hat der G-BA die befristeten Sonderregelungen im Bereich der ärztlich veranlassten Leistungen zum 31.3.2022 auslaufen lassen. Damit gelten ab dem 1.4.2022 die üblichen Regelungen der entsprechenden Richtlinien. Einige Sonderregelungen hat der G-BA ganz oder teilweise in die Regelversorgung überführt und dauerhaft in die Richtlinien aufgenommen, z. B. die Videotherapie bei Heilmitteln sowie die Möglichkeit der Krankschreibung per Videosprechstunden.

Telefonische Krankschreibung endete Ende Mai

Aufgrund der Corona-Situation galten bis zum 31.5.2022 die verlängerten Sonderregelungen zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Erkrankungen der oberen Atemwege. Patientinnen und Patienten mit entsprechenden Symptomen konnten für einen Zeitraum von bis zu 7 Kalendertagen nur nach telefonischer Rücksprache von ihrer Ärztin der ihrem Arzt krankgeschrieben werden. Das Fortbestehen der Arbeitsunfähigkeit konnte ebenfalls nach telefonischer Rücksprache einmalig für bis zu 7 weitere Kalendertagen festgestellt werden. Ab Juni galten wieder die regulären Regelungen der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie des G-BA, sodass eine Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit im Rahmen einer ausschließlich telefonischen Anamnese nicht mehr erfolgen konnte.

G-BA aktiviert Sonderregelung zur telefonischen Krankschreibung

In den letzten Wochen sind die Zahlen der Neuinfektionen wieder angestiegen. Daher verständigte sich der G-BA mit Beschluss vom 4.8.2022 darauf, die Sonderregelungen zur telefonischen Krankschreibung bei leichten Atemwegserkrankungen wieder mit Wirkung ab dem 4.8.222 einsetzen zu lassen. Danach soll eine telefonische Krankschreibung bei leichten Atemwegsinfektionen wieder nach eingehender telefonischer Anamnese für bis zu 7 Kalendertage möglich sein. Einmalig kann die Krankschreibung telefonisch nochmals um bis zu 7 Kalendertage ausgestellt werden. Die Regelungen sind vorerst bis zum 30.11.2022 befristet.

Telefonische Bestätigung der notwendigen Betreuung des Kindes

Ergänzend zu der G-BA-Sonderregelung planen der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine befristete Ausführungsvereinbarung zur Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) nach nur telefonischer Anamnese im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu beschließen. Darin soll auch festgelegt werden, dass die Sonderregelungen des G-BA zur Ausstellung der AU-Bescheinigung nach nur telefonischer Anamnese auch für die Ausstellung einer ärztlichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei der Erkrankung eines Kindes (Muster 21) gelten. Voraussetzung soll sein, dass die Ärztin oder der Arzt die telefonische Ausstellung als medizinisch vertretbar ansieht. Der Anspruch auf die Zahlung von Kinderkrankengeld soll sich durch die Möglichkeit der telefonischen Feststellung der notwendigen Betreuung, Beaufsichtigung oder Pflege des erkrankten Kindes jedoch nicht verlängern. Achtung: Im Falle einer pandemiebedingten häuslichen Betreuung des Kindes bedarf es einer Bescheinigung der Schule oder Kinderbetreuungseinrichtung. 

Die Regelungen der Ausführungsvereinbarung sollen zeitlich analog der Sonderregelungen des G-BA zur Ausstellung einer AU-Bescheinigung aufgrund einer nur telefonischen Anamnese bis zum 30.11.2022 befristet werden. Es sollen auch Regelungen zur Vergütung getroffen werden.

Sonderregelungen zum Entlassmanagement nach Krankenhausaufenthalt

Durch die Änderung der SARS-CoV-2-Arzneimittelverordnung vom 25.5.2022 gelten die Sonderregelungen beim Entlassmanagement nach einem Krankenhausaufenthalt bereits bis zum 25.11.2022. Dadurch können Krankenhäuser eine Arbeitsunfähigkeit für bis zu 14 (statt sonst 7) Kalendertage bescheinigen. Daneben können sie für bis zu 14 Tage häusliche Krankenpflege, spezialisierte ambulante Palliativversorgung, Soziotherapie sowie Hilfs- und Heilmittel verordnen. Auch Arzneimittel können bis zum 25.11.2022 flexibler verordnet werden.

Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes

Neben den Sonderregelungen des G-BA gibt der GKV-Spitzenverband gemeinsam mit den Verbänden der Krankenkassen auf Bundesebene im Bedarfsfall Empfehlungen zu den ärztlich veranlassten Leistungen heraus. Sofern der GKV-Spitzenverband weiterhin Empfehlungen veröffentlicht, finden Sie diese unter  Fokus: Corona - GKV-Spitzenverband.  

Weitere Sonderregelungen können reaktiviert werden

Sofern die Infektionslage weiter zunehmen sollte, kann der G-BA auch weitere Corona-Sonderregelungen in seinen Richtlinien erneut in Kraft treten lassen.