Teilkasko zweifelt Wildunfall an und zahlt nicht – zu Recht?
Ein Pkw-Fahrer befuhr mit seinem Fahrzeug eine Landstraße, die durch ein Waldstück führte. Auf der nassen Fahrbahn geriet der Wagen ins Schleudern und rutschte in einen Graben. Dort prallte er gegen einen Baumstumpf. Das Fahrzeug erlitt durch den Aufprall einen Totalschaden in Höhe von gut 6.500 EUR.
Angebliche Kollision mit einem Reh
Die Halterin des Fahrzeugs, die Ehefrau des Unfallfahrers, wollte den Schaden von der Teilkaskoversicherung ersetzt bekommen. Begründung: Ihrem Ehemann sei in dem Waldstück plötzlich von rechts ein Reh vor das Auto gelaufen. Ihr Mann habe deshalb eine Vollbremsung gemacht, um einen Frontalzusammenstoß mit dem Tier zu vermeiden. Dies sei ihm auch gelungen. Er habe das Reh nur touchiert.
Durch die Vollbremsung habe er jedoch die Kontrolle über das Fahrzeug verloren, das im Straßengraben gelandet sei. Das Reh, mit dem das Fahrzeug kollidiert sei, sei geflüchtet und nicht mehr auffindbar gewesen.
Versicherung glaubt nicht an den Tierunfall
Die beklagte Versicherung bestritt den Unfallhergang und weigerte sich, den Fahrzeugschaden zu übernehmen. Dagegen erhob die Fahrzeughalterin Klage.
Das Landgericht Koblenz sah keinen Anspruch der Frau gegen die Versicherung. Sie habe nicht beweisen können, dass der Unfall tatsächlich durch einen Zusammenstoß mit Wild verursacht worden sei.
Die Angaben des Ehemannes seien zu vage und ungenau gewesen. Er habe weder detailliert schildern können, wie und wo er das Wild wahrgenommen habe - unmittelbar vor oder erst nach der Kollision. Er habe auch nicht sagen können, wie und wohin sich das Tier entfernt habe.
Keine objektiven Anhaltspunkte für eine Kollision mit einem Reh
Im Rahmen der Beweisaufnahme haben sich auch keine weiteren objektiven Anhaltspunkte für einen Wildunfall ergeben. So konnten bei der Untersuchung des Fahrzeugs keine Spuren eines Wildunfalls festgestellt werden.
Zwar war es nicht verwunderlich, dass aufgrund des Aufpralls und der Zerstörung des Kühlergrills und der Fahrzeugfront keine Spuren wie Blut, Sekrete, Wildhaare oder ähnliches gefunden wurden. Damit gab es aber auch keine objektiven Anhaltspunkte für die Unfalldarstellung des Fahrers.
Fazit:
Die Angaben des Unfallfahrers sind nicht so belastbar, dass sich daraus eine richterliche Überzeugung nach § 286 ZPO über den behaupteten Unfallhergang begründen ließe.
(LG Koblenz, Urteil v. 31.05.2023, 10 O 227/22)
-
Wohnrecht auf Lebenszeit trotz Umzugs ins Pflegeheim?
7272
-
Eigenbedarfskündigung bei Senioren – Ausschluss wegen unzumutbarer Härte?
321
-
Wann ist ein digitaler Türspion erlaubt?
2941
-
Vollstreckung rückständiger Rundfunkgebühren häufig angreifbar
270
-
Minderung schlägt auf Betriebskostenabrechnung durch
246
-
Wann ist ein Anspruch verwirkt? Worauf beruht die Verwirkung?
232
-
Probleme des Zugangsnachweises von rechtlichen Erklärungen
227
-
Die Befreiung von den Beschränkungen des § 181 BGB
219
-
Überbau und Konsequenzen – wenn die Grenze zum Nachbargrundstück ignoriert wurde
197
-
Gartenpflege durch Mieter - Kostenfragen und Verletzung der Gartenpflegepflicht
174
-
Allgemeingültige Verhaltensregeln in der EU
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in Italien
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in Spanien
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in Frankreich
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in den Niederlanden
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in der Schweiz
11.08.2026
-
Verkehrsunfall in Österreich
11.08.2026
-
Doppelt besetzt und entgegen der Fahrtrichtung: Volle Haftung bei Häufung von Verkehrsverstößen
10.08.2026
-
Auffahrunfall nach Schneeballwurf – wer haftet?
07.07.2026
-
Umfang erstattungsfähiger Mietwagenkosten
02.07.2026