03.01.2017 | Abstandsverstoß auf Autobahn

Zu nah aufgefahren: Fahrverbot zwingend?

Was tun, wenn auf der linken Spur ein Autofahrer langsam fährt, obwohl rechts alles frei ist?
Bild: Corbis

Drängler trifft auf Trödler: Wer auf der Autobahn weniger als ein Drittel des nötigen Abstands zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält, riskiert seinen Führerschein. Doch es gibt Ausnahmen.

Rechts stehen, links gehen – was schon bei der Benutzung von Rolltreppen oft nicht klappt, findet im Straßenverkehr sein Pendant: Auf mehrspurigen Straßen, zumeist Autobahnen, drängt es alle in die mittlere oder die linke Spur, selbst wenn die eigene Geschwindigkeit niedrig und die anderen Fahrstreifen frei sind. So auch in einem vor dem AG Landstuhl verhandelten Fall.

Notorischer Linksfahrer

Ein Autofahrer fährt auf der linken von drei Spuren und drosselt dort seine Geschwindigkeit deutlich von knapp 130 auf 122 km/h, ohne ersichtlichen Grund. Auf die mittlere Spur, die komplett frei ist, wechselt er trotz seiner reduzierten Geschwindigkeit nicht.

Der Hintermann reagiert auf das langsamere Fahren des Vordermannes nicht angemessen, er fährt deutlich zu nah auf. Eine Brückenabstandsmessung ergibt einen Abstand von 17,37 Metern. 59 Meter hätten es bei der Geschwindigkeit aber sein müssen, berechnet anhand der Faustregel: halber Tachoabstand. Damit verstößt der drängelnde Hintermann gegen §§ 1 Abs. 2 und 2 Abs. 1 StVO in erheblichem Maße.

Fahrverhalten des Vordermannes mitursächlich

Dem Auffahrenden droht damit eine Regelgeldbuße von 160 Euro sowie ein Fahrverbot von einem Monat. Doch das Gericht erkannte mildernde Umstände, unter anderem begründet durch das Fahrverhalten des Vordermannes:

  • Dadurch, dass dieser stur auf der linken Spur fuhr, hinderte er den Hintermann in ordnungsgemäßer Weise daran, die linke Autobahnspur in vollem Umfang zu nutzen.
  • Der vorausfahrende Pkw hätte mit der Drosselung der eigenen Geschwindigkeit die linke Fahrspur verlassen und auf die mittlere, freie Fahrbahn wechseln müssen.
  • Das Verhalten des vorausfahrenden Fahrers war mitursächlich dafür, dass der Hintermann den nötigen Abstand nicht eingehalten hat.

Gegen den zu nah Auffahrenden spricht: Innerhalb von fast zehn Sekunden – so lange dauerte der Beobachtungszeitraum – hätte er den Abstand zum Vordermann aktiv vergrößern können und müssen.

Einsicht des Dränglers hat positive Folgen

Da der zu nah Auffahrende seine Fahrereigenschaft sofort eingeräumt hatte, obwohl er auf den Messbildern nur schemenhaft zu erkennen war und er seinen Einspruch auf die Rechtsfolgen beschränkt hatte, sah das Gericht keine Notwendigkeit eines Fahrverbots.

Im Ergebnis stand eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro wegen fahrlässiger Nichteinhaltung des erforderlichen Abstands.

(AG Landstuhl, Urteil v. 22.02.2016, 2 OWi 4286 Js 14527/15)

 

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Schlagworte zum Thema:  Autobahn, Fahrverbot

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