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Wenn der Richter eine allzu feine Nase hat, geht das manchmal mit dem Angeklagten heim Bild: Haufe Online Redaktion

Ein Strafrichter am AG Hannover hatte eine gute Nase und der Angeklagte deshalb schlechte Karten. Der Strafprozess drehte sich um 14 Päckchen „Gras“, mit denen der Angeklagte erwischt worden war. Dann roch es für den Richter noch in der Hauptverhandlung nach einem weiteren Delikt.

Haben Sie heute schon Drogen genommen oder führen Sie welche mit sich?

Das wollte der Richter in der Hauptverhandlung im Juli dieses Jahres von dem eines Drogendelikts Angeklagten wissen. Der antwortete mit einem gut vernehmbaren und bestimmten „Nein“. Der Vorsitzende Richter aber erspürte den untrüglichen Duft von „Gras“ in der trockenen Luft des Gerichtssaals, wie u.a. die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ und der „SPIEGEL“ berichtete

Säckchen gefüllt mit Marihuana purzelten aus den Socken

Nach Verurteilung des 22-jährigen Angeklagten zu 1.800 Euro Geldstrafe wegen Verstoß gegen das BtMG erteilte der Vorsitzende Richter dem Polizisten, der in der Verhandlung schon als Zeuge ausgesagt hatte, die Anweisung, den Angeklagten körperlich zu durchsuchen. Der verdutzte Angeklagte wusste nicht wie ihm geschah. Als er sich seiner Socken entledigen musste, purzelten just einige darin versteckte Säckchen Marihuana zur Erde. Das zeugte nicht von seiner Lernfähigkeit, denn die Socken waren schon bei der angeklagten Tat locus delikti.

Richter zeigt Treffsicherheit beim Schnüffeln

Das war ein gefundenes Fressen für die örtliche und überörtliche Presse. Ein Richter betätigte sich als menschlicher „Drogenspürhund“ und bewies dabei eine erstaunliche Treffsicherheit. War da etwa eine übernatürliche Sehergabe (oder Riechergabe) im Spiel?

Die Durchsuchungsanordnung stützte sich jedenfalls ganz handfest auf die gesetzliche Ermächtigung des § 81 a StPO, ergänzt durch die richterliche Sitzungsgewalt.

Der Richter kennt den Duft von Drogen

Der pfiffige Richter erklärte seinen feinen Spürsinn vor der Presse ganz profan mit Berufserfahrung: In seinem früheren Berufleben sei er im Drogendezernat der Staatsanwaltschaft tätig gewesen. Da habe er es mit den unterschiedlichsten Arten von Drogen zu tun gehabt. Dort habe er seinen untrüglichen Spürsinn für die unterschiedlichen Düfte der diversen Drogenarten entwickelt. Bei dem Angeklagten habe er sofort den typischen Duft von „Gras“ identifiziert. Daher habe er gewusst, dass der Angeklagte Stoff mit sich führte.

Weitere Anklage im Anmarsch

War der Angeklagte einfach dummdreist, dass er zur seiner eigenen Gerichtsverhandlung Stoff mit sich führte oder war er so abhängig, dass er womöglich in der Gerichtspause oder nach dem Prozess sofort etwas brauchte oder war das Zeug sogar zum Verkauf bestimmt?

Wir wissen es nicht, werden es aber vielleicht noch erfahren, denn dem Angeklagten droht nun ein weiteres Strafverfahren. Mit Strafverfahren hat er allerdings auch  mannigfache Erfahrungen. Er musste sich schon vorher siebenmal wegen Körperverletzung Sachbeschädigung, Beleidigung, Diebstahl und Drogenhandel vor Gericht verantworten.

Der Richter hat schon häufiger erfolgreich geschnüffelt

Der Strafrichter selbst hätte wahrscheinlich auch eine Karriere als menschlicher Drogenspürhund machen können. Bereits im Jahre 2016 hatte er bei einer Hospitation im Nordstädter Kommissariat einen Erfolg gelandet. Bei einer Verkehrskontrolle, an der der Richter teilnahm, fiel ihm ein Passant auf, der einen verdächtigen Duft nach Marihuana verströmte. Auf seinen Hinweis untersuchten die Polizeibeamten dessen Rucksack: Auch hier war das Ergebnis ein veritabler Drogenfund.

Zu guter Letzt profitiert das Recht

Was ist die Essenz aus der Geschichte? Auch Richter sind nicht auf den Kopf, geschweige denn auf die Nase gefallen. Nicht nur Fräulein Smilla aus dem gleichnamigen Roman hat ein Gespür für Schnee, respektive Gras, auch deutsche Richter verfügen mitunter über erstaunliche sensitive Fähigkeiten und werden von Angeklagten manchmal respektlos unterschätzt. Das Recht und dessen Durchsetzung können durch solche außergewöhnlichen Talente nur gewinnen.

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Hintergrund:

„Legalize it“ ist das Motto, unter dem über 100 deutsche Rechtsprofessoren vor einiger Zeit mit Blick auf den Cannabiskonsum die Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes forderten. Sie halten die deutsche Drogenpoltik für komplett verfehlt.

Schlagworte zum Thema:  Richter, Drogen, Gericht, Jurisprudenz, Justiz, Juristen, Urteil

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