Der Unterhalt wegen Pflege oder Erziehung eines gemeinschaftlichen Kindes ist familien- und gesellschaftspolitisch von herausragender Bedeutung: Von der gemeinsamen Verantwortung der Eltern geprägt, hat der Betreuungsunterhalt unter allen Unterhaltstatbeständen die eindeutig stärkste Fundierung und auch rechtstatsächlich stellt eine Kinderbetreuung unverändert den häufigsten Grund für eine Unterhaltsbedürftigkeit dar.[2] Trotz der hieraus resultierenden Notwendigkeit nach Rechtssicherheit und Vorhersehbarkeit steht der Betreuungsunterhalt unabhängig davon, ob es sich um einen Unterhaltsanspruch zwischen verheiratet gewesenen Eltern oder zwischen nichtverheirateten Eltern handelt, in Deutschland gleichwohl im Mittelpunkt der aktuellen unterhaltsrechtlichen Diskussion: Zahlreiche jüngere Entscheidungen aus der Rechtsprechung[3] sowie die breite und intensive, kontrovers geführte Diskussion in der Literatur[4] belegen eindrucksvoll, dass bei uns im Hinblick auf Ausgestaltung, Reichweite und Umfang des Betreuungsunterhalts unverändert zahlreiche Fragen offen sind. Deshalb mag ein rechtsvergleichender "Blick über den Zaun" auf das schweizerische Recht von Interesse sein, um der Frage nachzugehen, wie der Betreuungsunterhalt in unserem Nachbarland bei im Großen und Ganzen vergleichbaren gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geregelt ist:

[2] Vgl. NK-BGB/Fränken (2. Aufl. 2010), § 1570 BGB Rn 1; MüKo/Maurer (5. Aufl. 2010), § 1570 BGB Rn 1 sowie instruktiv Schwab, FamRZ 1997, 521 (523); Limbach, NJW 1982, 1721 (1721).
[3] Vgl. allein aus der letzten Zeit zu § 1570 BGB: BGH, Urt. v. 8.8.2012 – XII ZR 97/10, NJW 2012, 3037; Urt. v. 18.4.2012 – XII ZR 65/10, FamRZ 2012, 1040 = FF 2012, 261 (LS); Urt. v. 7.3.2012 – XII ZR 25/10, FamRZ 2012, 776; Versäumnisurteil v. 15.6.2011 – XII ZR 94/09, FamRZ 2011, 1375 = FF 2011, 365; Urt. v. 1.6.2011 – XII ZR 45/09, FamRZ 2011, 1209; Urt. v. 30.3.2011 – XII ZR 3/09, FamRZ 2011, 791 = FF 2011, 251; OLG Düsseldorf, Urt. v. 7.11.2011 – 2 UF 128/08, FamFR 2012, 10.

Zu § 1615l BGB: BGH, Urt. v. 29.6.2011 – XII ZR 127/09, FamRZ 2011, 1560; OLG Frankfurt/M., Beschl. v. 14.11.2011 – 3 UF 57/11, FamFR 2012, 322; OLG Hamm, Urt. v. 14.9.2011 – 5 UF 45/11, NJW-RR 2012, 67; OLG München, Urt. v. 11.8.2011 – 26 UF 277/11, FamRZ 2012, 558; OLG Oldenburg, Beschl. v. 14.7.2011 – 14 UF 49/11, FamRZ 2012, 556; OLG Karlsruhe, Urt. v. 24.5.2011 – 18 UF 165/09, FamRZ 2011, 1800; OLG Karlsruhe, Beschl. v. 3.5.2011 – 16 UF 76/11, FamRZ 2011, 1601. S. auch die Rechtsprechungsüberblicke bei Schürmann, FamRZ 2012, 913 ff.; Niepmann/Schwamb, NJW 2012, 2401 ff.

[4] Vgl. allein aus der jüngsten Zeit beispielsweise Heiderhoff, FamRZ 2012, 1604 ff.; Erbarth, FamRZ 2012, 340 ff.; Dormann/Spangenberg, FamRZ 2012, 931 ff.; Löhnig/Preisner, NJW 2012, 1479 ff.; Dose, FPR 2012, 129 ff.; Hütter, FPR 2012, 134 ff.; Schürmann, FPR 2012, 224 ff.; Born, FPR 2012, 220 ff.; Schwab, FF 2012, 138 ff.; Viefhues, FuR 2012, 7 ff.; 2011, 654 ff.; Weinreich, FuR 2012, 338 ff.; Brudermüller, FamPra.ch 2012, 78 (78–81); Meyer-Wehage, FamFR 2012, 101 ff.; Pauling, FamFR 2012, 289 f.; Elden, FamFR 2012, 290 ff.; Wellenhofer, FamRZ 2011, 685 ff.; Ständige Fachkonferenz 3 des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V., FamRZ 2011, 1031; Löhnig/Preisner, FamRZ 2011, 1537 ff.; Hütter, FamRZ 2011, 1772 ff.; Viefhues, FF 2011, 153 ff.; Schnitzler, FF 2011, 381; Hahne, FF 2011, 428 ff.; Born, FF 2011, 431 ff.; Hohmann-Dennhardt/Schnitzler, FF 2011, 470 (470–471); Schilling, FPR 2011, 145 ff.; Götz, FPR 2011, 149 ff.; Jüdt, FuR 2011, 241 ff.; Brudermüller, ZKJ 2011, 327 ff.; Kleffmann, ZKJ 2011, 344 ff. sowie umfassend Kraus, Grundlagen des Unterhaltsrechts (2011), S. 138 ff., 144 ff., 256 ff.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge