Denkmalrechtliche Beschränk... / 3.2 Die Schutzgründe

Historische Dimension

Ohne auf die eher als geringfügig zu bewertenden Abweichungen bei der Definition der Schutzgründe in den einzelnen Denkmalschutzgesetzen eingehen zu müssen, lässt sich feststellen, dass entscheidend für den Ensembleschutz die geschichtlich-historische Bedeutung einer Mehrheit baulicher Anlagen ist. Nicht anders als beim Einzeldenkmal ist die historische Bedeutung auch für die Unterschutzstellung eines Bauensembles ausschlaggebend. Dabei kann sich die historische Bedeutung eines Ensembles nach den meisten Denkmalschutzgesetzen auch aus städtebaulichen Gründen ergeben, die vor allem dann vorliegen, wenn es aufgrund seines kunst- oder architekturgeschichtlichen Aussagewertes oder als typisches Beispiel für eine charakteristische bauliche Entwicklung, Aussagekraft entfaltet (vgl. oben Abschnitt 2.1.2.1.3). Die Schutzgründe im Einzelnen können der folgenden Übersicht entnommen werden.

 
Schutzgründe
Bundesland wissenschaftl. künstler.

geschichtl.

heimatgeschichtl.
städtebaul. volkskundl. technikgeschichtl. andere
Baden-Württemberg x x x        
Bayern x x x x x    
Berlin x x x x      
Brandenburg   x x x      
Bremen x x x     x  
Hamburg x x x       Bewahrung charakteristischer Eigenheiten des Stadtbildes
Hessen x x x        
Mecklenburg-Vorpommern x x x x x    
Niedersachsen x x x x      
Nordrhein-Westfalen x x x x x    
Rheinland-Pfalz x x x x     Belebung und Werterhöhung der Umwelt
Saarland x x x x x x  
Sachsen x x x x     landschaftsgestaltende Bedeutung
Sachsen-Anhalt x x x x   x kultische Bedeutung
Schleswig-Holstein x x x x     die Kulturlandschaft prägende Bedeutung
Thüringen x x x x x x  

Öffentliches Erhaltungsinteresse

Ebenso wie bei Einzelbaudenkmälern findet bei der Beurteilung des öffentlichen Interesses an der Erhaltung des Ensembles aus den in den Landesdenkmalschutzgesetzen genannten Gründen eine Abwägung von miteinander konkurrierenden Belangen nicht statt. Deshalb spielen weder der schlechte Zustand der Bausubstanz noch die Renovierungsbedürftigkeit[1] oder der finanzielle Erhaltungsaufwand der betroffenen Eigentümer[2] eine Rolle. Diese Gesichtspunkte sind nach ständiger Rechtsprechung[3] nicht bei der Frage zu berücksichtigen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen eines Bauensembles vorliegen, sondern erst im Rahmen der nach Maßgabe des jeweiligen denkmalrechtlichen Genehmigungsvorbehalts zu fällenden Entscheidung über die Genehmigung oder Versagung einer Veränderung an einer baulichen Anlage, die Teil des Ensembles ist.

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