§ 1 Kapitalisierung – Kapit... / bb) Feststellungstitel
 

Rz. 86

Stützt der Geschädigte seine Ansprüche nur auf das StVG, kann eine Auslegung des Vergleichs dazu führen, dass eine Beschränkung auf die Höchstbeträge vorliegt.[78] Entsprechendes gilt für die anderen Haftpflichttatbestände mit Höhenbegrenzung.

 

Rz. 87

Eine Beschränkung auf Haftungshöchstsumme bzw. Versicherungssumme oder Mindestversicherungssumme sollte regelmäßig in den Tenor eines Feststellungsurteils oder einer titelersetzenden Erklärung (wie einen gerichtlichen Vergleich oder ein außergerichtliches Anerkenntnis) mit aufgenommen werden[79] (siehe auch § 2 Rdn 947 ff., § 3 Rdn 99 ff. und § 5 Rdn 801). Die Haftungsbegrenzung ist von Amts wegen zu beachten.[80]

 

Rz. 88

Die Haftungsbeschränkung des § 12 Abs. 1 StVG kann sich auch ohne ausdrückliche Aufnahme in den Urteilstenor aus dem Tenor i.V.m dem Tatbestand und den Entscheidungsgründen ergeben.[81] Der BGH hat diese Rechtsauffassung im Rahmen der Überprüfung der Beschränkung der Eintrittspflicht des Haftpflichtversicherers nach § 115 VVG (§ 3 Nr. 1 PflVG a.F.) in seinem Urteil vom 21.1.1986[82] bestätigt und zugleich dahingehend erweitert, dass auch die tatbestandlichen Feststellungen zur Klärung herangezogen werden können.

 

Rz. 89

Ergeben bei einem Feststellungsurteil Rubrum und Gründe des Urteils keinen Hinweis darauf, dass der beklagte Haftpflichtversicherer nur im Rahmen des § 115 Abs. 1 VVG (§ 3 Nr. 1 PflVG a.F.) haftet, kann er die Ergänzung des Urteils analog § 321 ZPO verlangen.[83]

 

Rz. 90

Fehlt die beschränkte Eintrittspflicht im Tenor, begründet dieses einerseits zwar keine Beschwer, wenn nach Entscheidungsgründen des Urteiles zweifelsfrei die Haftung nur auf StVG gestützt ist,[84] andererseits kann in diesem Falle aber auch keine Leistung über die Haftungshöchstsumme hinaus begeht werden.[85]

 

Rz. 91

Entsprechendes gilt bei fehlender Beschränkung auf die Versicherungssumme.[86]

[78] OLG München v. 8.3.2002 – 10 U 4648/01 – r+s 2003, 215 = VersR 2003, 1591 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 26.11.2002 – VI ZR 185/02). Siehe auch OLG München v. 20.12.2001 – 24 U 15/01 – r+s 2003, 388 = zfs 2003, 176 (BGH hat Revision nicht angenommen, Beschl. v. 14.1.2003 – VI ZR 86/02) (zu B. 4). Burmann/Heß/Hühnermann/Jahnke-Jahnke, Straßenverkehrsrecht, 25. Aufl. 2018, § 12 StVG Rn 29 ff.
[79] BGH v. 11.10.1988 – VI ZR 294/87 – VRS 76, 97 = zfs 1989, 119 (Ergibt sich aus den Entscheidungsgründen des Urteils zweifelsfrei, dass die Eintrittspflicht nur auf das StVG gestützt ist, liegt kein Rechtsfehler vor, wenn im Urteilstenor die Haftungsbeschränkung nach § 12 StVG nicht ausdrücklich erwähnt ist); BGH v. 21.1.1986 – VI ZR 63/85 – DAR 1986, 144 = MDR 1986, 574 = NJW 1986, 2703 = NJW-RR 1986, 1285 (nur Ls.) = r+s 1986, 88 = VerkMitt 1986, 65 = VersR 1986, 565 = zfs 1986, 213 (nur Ls.) (Ist die beschränkte Eintrittspflicht des Versicherers im Tenor eines Feststellungsurteils nicht ausgesprochen, begründet dieses allein keine für ein Rechtsmittel notwendige Beschwer, wenn die Entscheidungsgründe des Urteiles zweifelsfrei ergeben, dass sich die Feststellung auf § 3 Nr. 1 PflVG a.F. stützt); BGH v. 22.9.1981 – VI ZR 170/80 – MDR 1982, 221 = NJW 1982, 447 = VersR 1981, 1180 = VRS 62, 107 = zfs 1982, 40 (Ergibt sich aus den Entscheidungsgründen des Urteils zweifelsfrei, dass die Eintrittspflicht nur auf das StVG gestützt ist, begründet allein das Fehlen der Beschränkung im Tenor allein keine Beschwer für ein Rechtsmittel). Ähnlich: BGH v. 22.5.2007 – VI ZR 17/06 – r+s 2007, 388 = SP 2007, 248 = VersR 2007, 1093 = zfs 2007, 626 (Anm. Diehl) (Beschränkung der Revisionszulassung); BGH v. 28.3.2006 – VI ZR 50/05 – BGHReport 2006, 965 = DAR 2006, 442 = MDR 2006, 1222 = NJW 2006, 2110 = NJW-Spezial 2006, 305 = NZV 2006, 465 = r+s 2006, 298 = SP 2006, 269 = SVR 2006, 380 (nur Ls.) (Anm. Schröder) = VersR 2006, 944 = VRS 111, 117 = zfs 2006, 674 (Mithaftung muss nicht im Tenor eines Feststellungsurteils enthalten sein; ausreichend ist, wenn sich die Haftungsbeschränkung wegen Mitverschuldens aus den Entscheidungsgründen ergibt). Stiefel/Maier-Jahnke, Kraftfahrtversicherung, 19. Aufl. 2017, § 107 VVG Rn 80 f.
[80] OLG Celle v. 15.5.2007 – 14 U 56/06 – OLGR 2007, 505 = SVR 2008, 219 (Anm. Jokisch) = VRR 2007, 322 (nur Ls.).
[81] BGH v. 11.10.1988 – VI ZR 294/87 – zfs 1989, 119; BGH v. 22.9.1981 – VI ZR 170/80 – MDR 1982, 221 = NJW 1982, 447 = VersR 1981, 1180 = VRS 62, 107 = zfs 1982, 40; OLG Saarbrücken v. 8.11.1996 – 3 U 131/96–23 – OLGR Saarbrücken 1998, 1 [nachgehend BGH v. 1.7.1997 – VI ZR 395/96].
[82] BGH v. 21.1.1986 – VI ZR 63/85 – DAR 1986, 144 = MDR 1986, 574 = NJW 1986, 2703 = NJW-RR 1986, 1285 (nur Ls.) = r+s 1986, 88 = VersR 1986, 565 = zfs 1986, 213 (nur Ls.).
[83] BGH v. 25.6.1996 – VI ZR 300/95 – MDR 1996, 1061 = NJW-RR 1996, 1238 = NZV 1996, 408 = r+s 1996, 387 = SP 1996, 329 = VersR 1996, 1299 = VRS 92, 99 = zfs 1996, 445; OLG München v. 16.2.2007 – 10 U 3815/04 (Ergänzungsurteil zum vorausgegangenen OLG-Urt. v. 29.12.2006 – 10 U 3815/04) (Weder Rubrum n...

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