Der Bundesverband der Personalmanager BPM sieht gute Ansätze im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. Der Verband bietet an, die Pläne zu Digitalisierung und Arbeitszeitflexibilisierung, zur Fachkräftestrategie und zur Weiterbildung mit seinem HR-Know-how zu unterstützen.

Haufe Online-Redaktion: Der BPM lobt den Digitalpakt#D im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD. Wo können Personalmanager Politik und Gesellschaft konkret unterstützen?

Elke Eller: Glasfaserinfrastruktur und die Bildungsoffensive in den Schulen sind gesamtgesellschaftliche Aufgaben. In der Arbeitswelt sehe ich uns als HRler in der Mitverantwortung. Hier sprechen wir seit Jahren schon von lebenslangem Lernen. Jetzt, wo das Wissen eine Halbwertzeit von dreieinhalb Jahren hat und wir uns nicht mehr auf unseren Abschlüssen ausruhen können, muss dieses Thema Fahrt aufnehmen. In den Berufsschulen müssen digitale Skills alle Berufe erfassen und in der betrieblichen Weiterbildung geht es darum, genau diese Skills mit dem nötigen Erfahrungswissen zu verbinden. Auch die Babyboomer sind noch zehn Jahre im Job, und dürfen nicht abgehängt werden. Personalentwickler sollten die Lernwilligkeit Älterer nutzen und beherzt voranschreiten. Immerhin bedient beinahe jeder Mitarbeiter privat Digitalgeräte, hat also digitales Grundwissen, worauf man aufbauen kann.

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Haufe Online-Redaktion: Beherzt voranschreiten könnten Personalmanager und Führungskräfte auch, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Hier warnen Sie die eigenen Kollegen und Kolleginnen vor Sanktionen, also einer Gesetzesverschärfung durch die potenzielle Regierung.

Eller: Ja, denn die Rahmenbedingungen werden immer besser. Wir haben mehr Kinderbetreuungsplätze und unterschiedliche Arbeitszeitkonzepte in den Unternehmen. Jetzt geht es darum, Frauen als gleichberechtigte Nachfolgerinnen auch wirklich in die entsprechenden Positionen zu bringen. Da sind die Personalentwickler mit guten tragfähigen Konzepten gefragt. Also: worauf noch warten? Zielgröße Null kann keine Option sein, das möchten wir als BPM definitiv verhindern.

Haufe Online-Redaktion: Nicht weit genug gehen Ihnen die Passagen zur Flexibilisierung von Arbeitszeit- und Arbeitsbefristung. Warum brauchen Firmen nicht-sachgebundene Befristungen so dringend?

Eller: Es gibt immer wieder Situationen, in den Unternehmen schnell handeln müssen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Folgen oder die Nachhaltigkeit der Entscheidungen noch nicht auf Dauer abgeschätzt werden können. Hier können vorübergehend Befristungen von Arbeitsverträge ohne Sachgrund durchaus hilfreich sein. Aber eben nicht auf Dauer und stets wiederholend. Das arbeitsmarktpolitische Instrument darf nicht überdehnt und missbraucht werden. Das war schon in der Vergangenheit so und wird sich auch in Zukunft nicht ändern.

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Haufe Online-Redaktion: Beim Fachkräfteeinwanderungsgesetz und in der Enquete „Berufliche Bildung“ bieten Sie BPM-Mitarbeit an. Ist das gewünscht?

Eller: Politiker in Parlament und Regierung sind an der Unternehmenspraxis interessiert. Und genau diesen Praxistransfer können wir als BPM bieten. Denn mit unserer HR-Community sind wir sehr nah an den Mitarbeitern dran. Positiv haben wir die Neugierde im Familienministerium beim Thema „Erfolgsfaktor Familie“ erlebt, wo es auf Staatssekretärsebene einen intensiven Informationsaustausch gab. Unser Positionspapier ist die Grundlage für Gespräche mit den zuständigen Parlamentariern. Und wenn die neue Regierung steht, suchen wir auch mit den verantwortlichen Ministerien und ihren Spitzenvertretern den Austausch.

Das Interview führte Ruth Lemmer.

Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Koalitionsvertrag