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Lucia Sauer Al-Subaey (Akademie für Führungskräfte) erklärt im Video-Interview, wie die digitale Entwicklung das Weiterbildungsangebot verändern wird. Bild: YouTube

Im Zuge der Digitalisierung in der Weiterbildung werden viele Präsenzseminare durch Online-Elemente zu Blended Learning ausgebaut. Inwiefern sich dies schon überall durchgesetzt hat, zeigten die vier Bildungsexperten Hartmut Jöhnk, Philipp von Randow, Lucia Sauer Al-Subaey und Marion Schopen, beim "Zukunftstalk Weiterbildung 2018" auf.


Ist Blended Learning zur Realität geworden?

Marion Schopen, IME Institut für Management-Entwicklung: Als Präsenztrainer werde ich in Zukunft sehr genau wissen müssen, was in der Online-Vorbereitungsphase bereits gelaufen ist und was in Sachen Transfer nach meinem Seminar noch online laufen wird. Darauf muss ich mich einstellen. Das Zusammenspiel aller Blended-Learning-Phasen muss klappen. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, erfolgreiche Präsenztrainer zu sogenannten Live-Online-Trainern auszubilden, um sie methodisch/didaktisch noch sattelfester zu machen. Zu unserer Überraschung war die Nachfrage nach einer solchen Weiterbildung noch gering. Gute Präsenztrainer sind derzeit wegen der guten Konjunktur ausgebucht und haben offenbar keine Zeit, sich mit der Digitalisierung ihrer Seminarinhalte zu beschäftigen. Wir setzen vor allem auf die neue Trainergeneration, für die es selbstverständlich ist, zweigleisig zu arbeiten.

Hartmut Jöhnk, Integrata AG: Wir haben schon vor einiger Zeit angefangen, unsere Präsenztrainer zu Blended-Learning-Trainern auszubilden. Dazu haben wir eine interne Weiterbildung angeboten, die den professionellen Umgang mit virtuellen Klassenräumen vermittelt. Freiwillig haben im ersten Anlauf nur ein Teil der internen Trainer davon Gebrauch gemacht. Wir haben dann erfahrene Blended-Learning-Trainer aus dem Ausland eingeladen, die unseren Trainern glaubhaft vermitteln konnten, welche Vorteile der Blended-Ansatz für einen Präsenztrainer hat. Er muss nicht mehr so viel reisen und kann stattdessen einen Teil der Präsenztrainings übers Internet in einen virtuellen Klassenraum verlagern. Das war eine Kernmotivation, die wir dann in das Konzept mit übernommen haben. Ich glaube, dass wir als Bildungsanbieter zu langsam gewesen sind, Blended-Learning-Trainer auszubilden, die wir dann rechtzeitig als Lernnavigatoren in die Unternehmen hätten schicken können. Jetzt sind wir dabei, eine neue Trainergeneration auszubilden, die aus sich he­raus glaubhaft eine Kombination aus Online- und Präsenzlernen verkörpert und die Unternehmen darin beraten kann, welches Lernformat zu welchem Zweck eingesetzt werden sollte.

Dr. Philipp von Randow, Frankfurt School of Finance & Management: Die Anzahl und die Variabilität der Lernwerkzeuge hat sich vergrößert, weil man Präsenz- und Onlineelemente vielfältig kombinieren und für unterschiedlichste Zielgruppen zuschneiden kann. Das tun wir. Keine Frage: Das Angebot unterschiedlicher Formate wächst beständig. Viele Unternehmen werden sich deshalb fragen: Wer vermittelt uns den Durchblick? Wer sagt uns, wie wir für unsere Zwecke welche Lernangebote kombinieren sollen? Angesichts der Fülle von Möglichkeiten zum digitalen und Blended Learning wird es deshalb wichtiger denn je sein, Orientierung zu geben. Und ich bin überzeugt, dass diese Expertise in Akademien und Business Schools zu finden ist. Wir sind Experten zum Beispiel für die Entwicklung von Führungskräften und können aus unserer Erfahrung heraus sagen, welche Lernmethoden und -formate nachhaltig wirken und welche nicht. Wir bieten in der Überfülle des Angebots wertvolle Qualitäts- und Auswahlkontrolle.

Marion Schopen: Ich bin sicher, dass die Berufstätigen mehr denn je zu Präsenzseminaren fahren wollen, einfach weil die Arbeit in den Werkshallen wie in den Büros Dank der Digitalisierung so anstrengend werden wird, dass Menschen den Austausch mit anderen Menschen suchen werden. Um diese Veränderungen, die unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ stattfinden, bewältigen zu können, braucht ein Mensch die Begleitung durch andere Menschen.

Lucia Sauer Al-Subaey,Akademie für Führungskräfte der Wirtschaft: Die Geschwindigkeit der Veränderung führt dazu, dass die Beschäftigten Reflexionsräume brauchen, um der Entwicklung der Digitalisierung hinterherzukommen. Diese Geschwindigkeit macht vielen Mitarbeitern zu schaffen. Ich warne davor, dass die Unternehmen die Menschen und ihre individuelle Lernfähigkeit außer Acht lassen. Es ist nicht jeder in der Lage, schnell oder auf sich allein gestellt zu lernen und sich an die Digitalisierung anzupassen. Jeder sollte individuell die Art von Unterstützung bekommen, die er benötigt. Das kann durch Blended Learning sein, muss es aber nicht.


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Schlagworte zum Thema:  Digitalisierung, Weiterbildung, Personalentwicklung, Führungskräfteentwicklung

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