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Bei neuen Auszubildenden sollte besonderes Augenmerk auf das Onboarding gelegt werden. Bild: Pixabay

In Deutschland wird rund jeder vierte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst. Steffen Neefe vom Top Employers Institute erläutert in diesem Beitrag, worauf man bei Onboarding von Auszubildenden besonders achten sollte, damit die neuen Azubis erfolgreich ins Unternehmen integriert werden.

Der Wechsel von der Schulbank ins Unternehmen fällt nach wie vor vielen jungen Menschen schwer. Von heute auf morgen verändert sich ihr Tagesablauf, das neue Umfeld wird als gewöhnungsbedürftig wahrgenommen, und Vorgesetzten und Kollegen treten die Auszubildenden oftmals verunsichert gegenüber.

Neue Auszubildende: Warum die Onboarding-Phase so wichtig ist

Wenn sich der Arbeitgeber in dieser Phase nicht um die Berufsanfänger kümmert, entstehen schnell Probleme. Erfolgreiche Unternehmen haben ihr Radar entsprechend aufgestellt. Denn werden die ersten Anzeichen für einen Konflikt übersehen und nicht angesprochen, kann die Lage leicht eskalieren. Und dabei verlieren beide Seiten: Die Auszubildenden erleben das vorzeitige Ende als Scheitern und die Unternehmen müssen die Stellenausschreibung wieder von vorne beginnen.

So funktioniert erfolgreiches Azubi-Onboarding in der Praxis

Die ersten Wochen und Monate sind deshalb immer eine Zeit der Bewährung. In dieser Phase sollte der Ausbilder auf seine Auszubildenden zugehen und mögliche Probleme offen ansprechen. Allein diese offensive – möglichst systematisch angelegte – Ansprache sorgt dafür, dass die jungen Mitarbeiter Wertschätzung erfahren und sich so im wahrsten Sinne des Wortes Willkommen im Unternehmen fühlen.

Wie erfolgreiches Onboarding in der betrieblichen Praxis funktioniert, zeigt das Beispiel Hermes. Das Logistik-Unternehmen verfügt über eine besonders mitarbeiterorientierte Firmenkultur und wurde dafür als Top Employer 2017 ausgezeichnet.

Begrüßung der neuen Azubis: Gemeinsames Frühstück zum Ausbildungsstart

An ihrem ersten Tag bei Hermes werden alle Auszubildenden zu einem gemeinsamen Frühstück eingeladen. Anschließend gehen Personalbetreuer mit den Neulingen gemeinsam durch das Unternehmen und zeigen ihnen den Arbeitsplatz, der bereits für den Arbeitsstart eingerichtet und geschmückt wurde. Zum Abschluss des ersten Tages wartet dann noch eine schöne Überraschung: Alle Auszubildenden bekommen Blumen und kleine Geschenke überreicht. So fühlen sich die Neuen an Bord gleich willkommen.

Begleitung durch Mentor oder Coach: Azubis bringen eigene Ideen aktiv ein

In der Folgezeit unterstützt das Unternehmen die jungen Mitarbeiter dabei, eigene Ideen aktiv einzubringen und die Ausbildung selbst mitzugestalten. Die Auszubildenden können bei Hermes auf Wunsch in den unterschiedlichsten Unternehmensbereichen arbeiten und dabei Neues auch abseits eingetretener Pfade lernen. Zwei Mentoren kümmern sich darum, dass der Azubi die Inhalte seiner Ausbildung nach seinen Interessen gestalten kann.

Neue Azubis richtig führen: Mehr Handlungsspielraum, mehr Verantwortung

Großen Wert legt Hermes auf Offenheit und Kommunikation. Auszubildende werden dazu ermuntert, jederzeit jede Frage stellen zu können. Sie sollen sich nicht scheuen, auch Mitarbeiter anderer Fachbereiche anzusprechen. Auf diese Weise lernen sie schnell neue Kollegen kennen und finden leichter Anschluss. Der Umgang mit den Auszubildenden folgt der Einsicht, dass mit größerem Handlungsspielraum automatisch auch mehr Verantwortung übertragen wird. Auf die frühe Übertragung von Verantwortung setzt auch das mehrfach für seine Personalarbeit ausgezeichnete Hotel Schindlerhof bei Onboarding seiner Azubis. Im Interview mit der Haufe Online-Redaktion erläutert Inhaberin Nicole Kobjoll das Prinzip von "Mitdenke, Mitsprache, Mitplanung", das als Leitmotto für die Onboarding-Pase der Auszubildenden dient.

Trends beim Azubi-Onboarding

Prinzipiell sind beim Onboarding von Azubis die gleichen Dinge zu beachten, wie beim Onboarding von berufserfahrenen neuen Mitarbeitern (mehr dazu auf unserer Themenseite "Onboarding"). Darüber hinaus sollten die Maßnahmen und Instrumente aber speziell auf diese Zielgruppe zugeschnitten sein. Die neuen Auszubildenden sollten in "ihrer Welt" abgeholt und in "ihrer Sprache" (Kommunikationswge etc.) angesprochen werden. Die folgednen vier Trends im Azubi-Onboarding zielen speziell auf das Informations- und Kommunikationsverhalten Jugendlicher ab und erleichtern neuen Auszubildenden den Übergang von Schule ins Berufsleben.

Trend 1: Corporate Blogs unterstützen die Integration neuer Azubis

Ein wichtiger Trend beim Onboarding sind Mitarbeiterportale, neudeutsch Corporate Blogs genannt. Dort kann sich das Unternehmen mit seinen Themen und Werten präsentieren und die Mitarbeiter einladen, aktiv an der Firmencommunity teilzuhaben. Auch hier leistet Hermes vorbildliche Arbeit. Im Unternehmens-Blog schreiben die Mitarbeiter über ihren beruflichen Alltag beim Logistik-Riesen oder plaudern über Privates.

Auch Auszubildende nutzen das Forum, um sich zu präsentieren und um mitzuteilen, wie sie Hermes erleben. Neue Mitarbeiter werden so leichter integriert. Der Blog zeigt die Menschen hinter dem Paketversand und macht das Unternehmen damit lebendig und sympathisch. Dies erleichtert gerade neuen Mitarbeitern die schnelle Identifikation mit dem Arbeitgeber und hilft ihnen über die ersten Hürden bei der Einarbeitung und beim Schließen wichtiger Kontakte.

Trend 2: Interaktive Mitarbeiterportale erleichtern den neuen Azubis die Einarbeitungszeit

Wie eine Studie des Top Employers Institute zum Onboarding bei 600 zertifizierten Unternehmen mit jeweils mehr als 3.000 Mitarbeitern in 102 Ländern zeigt, setzen immer mehr Unternehmen in der Einarbeitungszeit auf interaktive Arbeitgeber-Portale. Zum Standard gehören Software-Anwendungen, die den Auszubildenden die wichtigsten Checklisten, Leitfäden und Termine bereitstellen. Vereinzelt ist die Teilnahme an webbasierten Trainingsprogrammen auch verpflichtend. Die Portale bieten aber noch mehr Möglichkeiten.

Trend 3: Videoclips mit den wichtigsten Infos für neue Auszubildende

Stark im Kommen ist der Einsatz von Videoclips, auf denen sich die neuen Mitarbeiter die wichtigsten Informationen zum Unternehmen und zu ihrem Aufgabengebiet ansehen können. So wie hier Youtube als Vorbild dient, geht der Trend beim Onboarding allgemein dahin, den Look & Feel der sozialen Medien für die firmeneigenen Mitarbeiterportale zu nutzen.

Trend 4: Vorbild Facebook – in firmeninternen Networking-Tools fühlen sich Azubis zuhause

Firmeninterne Networking-Tools werden nach dem Vorbild von Facebook gestaltet. Mitarbeiter können sich ein persönliches Profil anlegen, anderen Kollegen folgen, fremde Inhalte liken und teilen und eigenen Content online stellen. Die Idee dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: Junge Berufseinsteiger kennen die virtuelle Interaktion aus Social Media. Von dort ist es oft nur ein kleiner Schritt zum Mitmachen auf der interaktiven Plattform des neuen Arbeitgebers, insbesondere wenn er dazu eine attraktive und nutzerfreundliche Bedienungsoberfläche anbietet.

 

Über den Autor

Steffen Neefe ist Country Manager DACH des Top Employers Institute, das seit Gründung vor 25 Jahren Unternehmen mit herausragender Personalführung und -strategie zertifiziert.

Schlagworte zum Thema:  Ausbildung, Auszubildende, Onboarding, Ausbilder

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