Studie: Führungs-Tandems und Jobsharing in Krisenzeiten

In der Krise braucht man schnelle Entscheidungen, eine Tandem-Konstellation auf Führungsebene sei dafür nicht geeignet, war kürzlich immer wieder zu hören. Eine Befragung von 55 praktizierenden Jobsharern zu ihren Erfahrungen in der Corona-Pandemie zeigt jedoch, dass das Arbeitsmodell gerade in Krisensituationen viele Vorteile bietet.

Seit dem Lockdown während der Corona-Krise wird in Medien und Gesellschaft über Arbeitsmodelle diskutiert. Was kann die Erwerbsarbeit krisenfester machen? Wie lassen sich Familie und Karriere vereinbaren? Wie kann gute Führung unter Corona-Bedingungen gelingen? Funktionieren Führungsmodelle wie Jobsharing, geteilte Führung (Shared Leadership) und selbstorganisierte Teams? Oder erleben wir in der Krise einen "Backlash der Führungskultur", eine Rückfall in alte Hierarchien, den "starken Mann" an der Spitze, der sein Unternehmen top-down managt?

Funktioniert Jobsharing in der Krise?

Der Jobsharing Hub und das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin (WZB) haben 55 Jobsharerinnen und Jobsharer online befragt, welche Erfahrungen sie mit ihrem Arbeitsmodell in der Corona-Krise gemacht haben. Die Studie ergänzt die 2019 erschienene umfangreiche wissenschaftliche Untersuchung des Arbeitsmodells. Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage legen nahe, dass Führung im Tandem sogar spezifische Vorteile in Krisenzeiten bietet:

  1. Jobsharing hilft in schwierigen Entscheidungssituationen: 87 Prozent der Befragten berichteten, dass die Arbeit im Jobsharing die Bewältigung der neuen Komplexität und Unsicherheit während der Corona-Krise "viel leichter" oder "eher leichter" gemacht habe.
  2. Jobsharerinnen und Jobsharer fühlten sich in der Corona-Krise besser gewappnet: Für 72 Prozent der Befragten "trifft es vollkommen" oder "eher zu", dass sie durch das Jobsharing ihre Fähigkeiten wie Kommunikation, Arbeitsorganisation und Umgang mit Flexibilitätsanforderungen steigern konnten und diese ihnen nun helfen, die neue Arbeitssituation im Lockdown besser zu managen.
  3. Das Arbeitsaufkommen während der Pandemie wurde besser bewältigt: 76 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Jobsharing bei der Bewältigung der gestiegenen Aufgabenfülle und Arbeitsbelastung während der Corona-Krise helfe.
  4. Arbeit im Tandem verbessert den Kontakt im Team: Fast die Hälfte der Befragten gibt an, dass Jobsharing die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollgen, Mitarbeitenden und Vorgesetzten erleichtert habe.
  5. Jobsharing erweist sich als Stütze für das Familienleben: Fast alle befragten Führungskräfte haben Kinder. Das Jobsharing ermöglichte es, die Arbeitstage abzudecken und zugleich mehr Zeit für die Betreuung von Kindern zur Verfügung zu haben. Das sehen 64 Prozent der Befragten so.

Jobsharing bietet strategische Vorteile für Unternehmen

"Jobsharing erlaubt, kurzfristig die Arbeitsaufteilung anzupassen, die eigenen Arbeitszeiten zu variieren und zugleich als Tandem den Arbeitsanforderungen weiterhin gerecht zu werden", skizziert WZB-Wissenschaftler Martin Krzywdzinski die Vorteile des Jobsharings während der Krise. Svenja Christen vom Jobsharing Hub macht deutlich: "Der Mehrwert des Jobsharings liegt nicht nur in der Flexibilität der Arbeitszeitmodelle und der Verbesserung der Work-Life-Balance. Die Besetzung von anspruchsvollen und komplexen Positionen im Jobsharing schärft die Arbeitsqualität, insbesondere bei Turbulenzen und Unsicherheiten wie in der Covid-19-Krise. Das ist ein entscheidender strategischer Vorteil für Unternehmen."


Mehr zur Leadership-Debatte in Corona-Zeiten finden Sie auch in Personalmagazin 10/2020. Lesen Sie die gesamte Ausgabe auch in der Personalmagazin-App.


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